Stiftung Altenhilfe geht neue Wege, um Spendengelder für ihre Hilfsprojekte zu generieren

Mit altem Zahngold Löcher stopfen

In die Spendenbox statt in die Schublade: Dafür, dass mit Altzahngold künftig Gutes getan werden kann, setzt sich Dr. Klaus-Dieter Birck ein. Fünf von 16 Zahnarztpraxen konnte er bis jetzt fürs Projekt gewinnen. Foto: postl
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In die Spendenbox statt in die Schublade: Dafür, dass mit Altzahngold künftig Gutes getan werden kann, setzt sich Dr. Klaus-Dieter Birck ein. Fünf von 16 Zahnarztpraxen konnte er bis jetzt fürs Projekt gewinnen. Foto: postl

VON BARBARA HOVEN.

Neu-Isenburg – Zum Zahnarzt geht kaum jemand gern. Polieren, bohren, alte Füllungen ersetzen – Hauptsache schnell vorbei, schnell raus. Was mit den alten goldenen Füllungen passiert, darüber machen sich viele Leute gar keine Gedanken. Und andere nehmen die alte Füllung in einem Tütchen mit heim, um sie irgendwann vielleicht noch einmal zu Geld zu machen – doch dann landet sie in der Schublade und gerät in Vergessenheit.

Dr. Klaus-Dieter Birck hat da eine bessere Idee. Der pensionierte Neu-Isenburger Mediziner hat in der Hugenottenstadt das Hilfsprojekt „Zahngold“ initiiert. Damit möchte die renommierte Stiftung Altenhilfe, deren Vorsitzender Birck ist, nun neue Wege gehen, um Spendengelder für ihre Hilfsprojekte zu generieren. „Denn die Auswirkungen der Corona-Pandemie betreffen leider auch die Spenden- und Benefizkultur in Neu-Isenburg“, hat der Stiftungsvorstand erlebt. Auch Benefizkonzerte und ähnliche Veranstaltungen seien vorerst passé.

Also war Umdenken gefragt – und die Idee, mit altem Zahngold Gutes zu tun, geboren. „Wenn bei einer Zahnbehandlung Gold – ob Inlay oder Krone – entfernt werden muss, entsteht wertvoller Abfall“, erklärt Birck.

Im Rahmen des Hilfsprojekts „Zahngold“ werden daher künftig einige Zahnärzte in der Stadt ihre Patienten fragen, ob sie das abfallende Gold – ihr Eigentum – für einen guten Zweck spenden möchten.

Dafür hat der Initiator jeweils eine abschließbare Box mit Aufschrift und ein Informationsschreiben in einem Rahmen bei den beteiligten Praxen abgegeben.

„Ich war bei allen 16 Zahnarztpraxen und -laboren in der Stadt und habe gefragt, ob sie die Idee unterstützen möchten, und immerhin fünf haben bisher Ja gesagt“, berichtet der Mediziner, der sich dankbar zeigt über das Engagement der Kollegen.

Folglich hat er zunächst fünf Spendenboxen anfertigen lassen. Nach einem Jahr werden diese geleert, das Zahngold gewogen und an eine Firma zum Einschmelzen gegeben. Als kleiner Anreiz für die Zahnärzte ist ein jährlicher Wettbewerb „Welche Praxis hat das meiste Gold gesammelt“ geplant.

„Die Stiftung Altenhilfe ist zu einem unverzichtbaren Teil der Altenbetreuung in Neu-Isenburg geworden“, betont Bürgermeister Herbert Hunkel bei der Vorstellung der Projektidee. Um weiter helfen zu können, hoffe die Stiftung Altenhilfe, mit dem Projekt „Zahngold“ den allgemeinen Spendenausfall etwas abfedern zu können. „Wir können unserer Stadt nur helfen, wenn wir als Stiftung Altenhilfe die entsprechende Unterstützung durch Spenden erfahren“, macht der Vorsitzende klar.

Die Stiftung Altenhilfe, die 1990 zu gleichen Teilen vom Lions Club Neu-Isenburg und der Stadt mit jeweils 50 000 D-Mark als Stiftungskapital gegründet wurde, engagiert sich für das Wohl der älteren Menschen in der Hugenottenstadt. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Altenpflege und Altenhilfe in Neu-Isenburg, vornehmlich im ambulanten Bereich.

Seit einigen Jahren besteht ein Helferinnenkreis aus mehreren Damen, der mehr als 20 bedürftige Senioren betreut, indem alte, einsame Menschen stundenweise unterstützt werden in Form von Hilfe im Haushalt und beim Einkaufen (während des Corona-Shutdowns besonders wichtig), Gängen zu Behörden und Ärzten. Oder manchmal leisten die Helferinnen auch einfach nur Gesellschaft.

Seit 2019 finanziert die Stiftung die stundenweise Betreuung von Demenzkranken, sowohl ambulant als auch in Heimen. Dies, so bedauert Birck, erweise sich jedoch während der Corona-Pandemie als sehr schwierig. Es werden Einzelfallhilfen, zum Beispiel Zuschüsse zu Sehhilfen, Zahnersatz oder Transportkosten für medizinisch notwendige Fahrten, übernommen. Für mehr Mobilität im Alter hat die Stiftung zwei barrierefreie Transporter 2006 und 2015 angeschafft – Gesamtpreis: 50 000 Euro. In der betreuten Seniorenwohnanlage im Pappelweg wurden durch die Stiftung drei Treppenlifter für insgesamt 30 000 Euro finanziert.

Für diese Projekte – um einige wichtige zu nennen – werden jährlich etwa 40 000 Euro benötigt. Insgesamt hat die Stiftung bis Ende 2019 nach eigenen Angaben etwa 595 500 Euro ausgegeben. Das Stiftungskapital beträgt zur Zeit 233 000 Euro. „Da die Zinserträge in den letzten Jahren bekannter Weise immer geringer wurden, sind wir dringend auf Spenden von Firmen und Privatpersonen angewiesen“, betont der Stiftungsvorstand.

Der lokale Lions Club unterstützt die Stiftung jährlich durch Erträge aus Benefizkonzerten sowie der Teilnahme am Weihnachtsmarkt und dem Weinfest auf dem Rosenauplatz. Letzteres gehört aber eben bekanntlich auch zu den Terminen, die wegen Corona ausfallen.

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