Initiative setzt sich für Rückkehr ein

Altes Rathaus: Neuer Vorstoß für Wiederaufbau

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Ihr Ziel ist der Wiederaufbau des alten Rathauses auf dem Marktplatz (von links): Torsten von Juterzenka, Jürgen Aha, Hans-Georg Oeter und Alexander Jungmann – es fehlt Rouven Dackermann. Im Jahre 1702 wurde auf dem heutigen Marktplatz, dem geometrischen Mittelpunkt des Alten Ortes, das erste Rathaus errichtet, es stand bis 1876.

Neu-Isenburg - Sie nehmen einen neuen Anlauf: Eine Initiativgruppe aus Isenburgern und zwei bekannten Unterstützern hat sich zusammengefunden, um – auch im Kontext des geplanten Stadtumbaus – für einen Wiederaufbau des alten Rathauses auf dem Marktplatz zu werben. Von Leo F. Postl 

Es sei wünschenswert, dem Alten Ort sein historisches Herz zurückzugeben. Mitten im Alten Ort, der Keimzelle von Neu-Isenburg, ist ein leerer Platz – der Marktplatz. Das war nicht immer so, denn dort stand einmal ein Rathaus als Mittelpunkt der neu gegründeten Hugenottensiedlung „Neu-Isenburg“. Dieses wurde 1702 errichtet und war geometrischer Mittelpunkt der neuen Siedlung. Bis 1871 wurde das Rathaus als Verwaltungssitz und Gerichtsbarkeit genutzt, war aber mittlerweile baufällig geworden. Da das Geld zu seiner Renovierung fehlte, wurde es 1876 abgerissen.

Nach zwei erfolglosen Initiativen aus vergangenen Jahrzehnten soll nun ein dritter Anlauf zum Wiederaufbau des alten Rathauses genommen werden. Sind aller guten Dinge drei?

Wie es aussah, zeigt das Kunstwerk „Altes Rathaus“ von Torsten von Juterzenka (linkes Bild), das an einer Hauswand in der Hirtengasse zu sehen ist.

„Wir befürchten, dass im Rahmen des Stadtumbaus über 20 Millionen Euro ausgegeben werden und am Ende sieht man kaum was davon – das kann so nicht sein“, meint die nun zusammengefundene Initiativgruppe mit den Isenburgern Torsten von Juterzenka, Alexander Jungmann und Rouven Dackermann sowie dem Medienschaffenden Klaus Reinhardt, dem Werbestrategen Jürgen Aha und dem Architekten Hans-Georg Oeter. Sie stellten jetzt genau dort, wo sich ihr großer Wunsch realisieren soll – auf dem Marktplatz im Alten Ort – ihre Pläne vor.
Von den Isenburgern kommt die Idee, die beiden anderen Spezialisten sollen sich mit ihrer Fachkompetenz einbringen.

„Gerade am letzten Samstag habe ich eine kleine Eröffnungsparty des Hühnerhofes inmitten der neu aufgebauten Frankfurter Altstadt auf dem Römerberg organisiert“, berichtet Jürgen Aha, der sich als „Macher“ sieht und vor allem Sponsoren für das Projekt „Wiederaufbau altes Rathaus“ beisteuern will. „Was in Frankfurt als Großprojekt möglich war, sollte doch auch in Neu-Isenburg mit diesem vergleichsweise Miniprojekt möglich sein – man muss die Leute nur überzeugen“, betont Aha.

Hans-Georg Oeter ist in Neu-Isenburg kein Unbekannter. Nicht nur, weil er einmal für kurze Zeit in der Hugenottenstadt wohnte, sondern weil das Isenburg-Zentrum aus seiner „Feder“ stammt.

Bei den ersten beiden Anläufen gab es unterschiedliche Widerstände: Mal war der politische Wille nicht vorhanden, mal gab es seitens der evangelisch-reformierten Marktplatzgemeinde Bedenken, die Kirche könnte aus der „Blickachse“ der Menschen verschwinden.

Alle diese Gründe sind für die sich nun gefundene Initiativgruppe jetzt so nicht mehr haltbar. „Das Rathaus stand doch zuerst und die Kirche wurde später gebaut, da gab es das Rathaus ja auch noch“, konstatiert Alexander Jungmann. Mit dem Bau der „Marktplatzkirche“, wie das Gebäude der evangelisch-reformierten Gemeinde nur kurz genannt wird, wurde erst 1773 begonnen, vorher fehlten der kleinen Glaubensgemeinschaft einfach die finanziellen Mittel.

Bilder: Altstadtfest in Neu-Isenburg

Hans-Georg Oeter tritt auch den Bedenken einiger Bürger entgegen, dass es dann keinen Platz mehr als Treffpunkt und für Feste auf dem Marktplatz gäbe. „Das stimmt doch alles nicht, denn das Rathaus war in seinen Ausmaßen nicht sonderlich groß“, betont der Architekt – und schreitet vom Zentrum mal fünf große Schritte weg. „Nur diesen wenigen Platz bräuchten wir nach allen Seiten, denn das alte Rathaus-Gebäude hatte nur neun Meter im Durchmesser“, erklärt Oeter. Alle Bäume könnten erhalten werden und es gebe noch Platz und einen gemütlicheren Rahmen für Feste. „Zudem könnte man ja architektonisch gar das Erdgeschoss als Laubengang gestalten“. so der Architekt.

Von Juterzenka hat schon Ideen für die Innengestaltung und Jungmann will das Projekt „werbetechnisch“ voranbringen. PR-Mann Aha sieht seine Herausforderung in der Suche von potenten Sponsoren. „Das ist heute alles kein Problem, man muss die Unternehmen nur überzeugen, welche Win-Win-Situation sich daraus für sie ergibt“, meint Aha. Er hat da schon ein paar „Klienten“ im Visier. „Wir könnten sogar 90.000 Euro Fördermittel aus dem Klimaschutzkonzept erhalten, wenn wir uns da energetisch entsprechend einbringen“, meint Aha. Als Kosten für den rund neun Meter im Durchmesser und in der Spitze rund 13 Meter hohen Rathausbau stehen derzeit 500.000 Euro im Raum.

Wie das alte Rathaus ausgesehen hat – und auch so wieder entstehen soll – ist übrigens in der Hirtengasse zu sehen: Direkt an einer Außenfassade hat Torsten von Juterzenka vor Jahren das Kunstwerk „Altes Rathaus“ erstellt.

Was dessen Wiederaufbau betrifft, setzen die Motoren der neuen Initiative nun auf den (leicht abgewandelten) bewährten Spruch: Aller guten „Versuche“ sind drei.

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