Evangelische Kirchengemeinde diskutiert Perspektiven

Angst vor schleichendem Tod

+
Ein Motiv

Gravenbruch - Es wurde schon diskutiert, es wird weiter diskutiert: Was wird aus der relativ kleinen und finanziell angeschlagenen evangelischen Gemeinde in Gravenbruch? Um diese Frage ging es nun bei einer Versammlung. Die Landeskirche drängt auf Lösungen.

Von den vielen Gläubigen, die einst den Bau einer evangelischen Kirche samt Gemeindezentrum für dringend nötig erachteten, sind nur noch rund 1 250 Mitglieder geblieben – und jede Menge finanzielle Probleme. Klar ist, dass sich die geschrumpfte Gemeinschaft nicht mehr alleine aus dem berühmten Sumpf ziehen kann – doch Hilfe von Außen gibt es nur gegen Auflagen. Die Landeskirche, so war zu erfahren, habe zwar eine weitere beträchtliche finanzielle Unterstützung genehmigt, doch soll dies – zumindest unter den derzeitigen Gegebenheiten – letztmalig gewesen sein. Nicht nur dem Kirchenvorstand ist klar: So kann es nicht weitergehen. Aber wie dann?

Mit dieser Frage beschäftigt sich seit geraumer Zeit ein Planungsausschuss. Doch dieser scheint ebenfalls ins Stocken geraten, wie bei der Versammlung am Sonntag nach dem Gottesdienst beklagt wurde. Er habe nämlich letztmalig im Mai getagt. Es gebe ja nichts zu verkünden, denn man müsse erst das Ergebnis der Beratungen des Gemeindevorstands abwarten, erklärte Pfarrer Alfred Weinberg. Der könne erst wieder über „Entscheidungsperspektiven“ nachdenken, wenn das Ergebnis des beauftragten Architekturbüros vorliege. Das soll eine Machbarkeitsstudie samt Kostenschätzung von drei möglichen Zukunftsmodellen für die Gemeinde erstellen. Die Szenarien reichen von der Sanierung der Bestandsgebäude über den Umbau der Kirche für eine multifunktionale Nutzung bis hin zum Abriss aller Gebäude mit einem Wiederaufbau – freilich mit kleinerem Ensemble. Es sind vor allem die Unterhaltungskosten, die der Gemeinde zu Schaffen machen.

Ein objektiver Ist-Zustand

Es gibt viel zu tun: Mitglieder der Gemeindeversammlung mit ihren ausgewählten Zustands-Motiven.

Neben der Landeskirche „drängeln“ aber auch die Gemeindemitglieder selbst, die wissen wollen, wie es mit ihrer Kirche weiter geht. Um einen objektiven Ist-Zustand zu erhalten, fand nun eine Visitation durch die evangelische Gemeinde Jügesheim statt. Auch diese Mitglieder waren bei der Versammlung dabei. Sie stellten eine zwar aktive, aber relativ kleine Gemeinschaft aus verschiedenen Gruppen fest, die sich einbringen. Ferner könne die Kommunikation besser sein, denn von den Sitzungen gehe kaum etwas nach Außen. Wie in der Diskussion oft geäußert wurde, kranke die Gemeinschaft insbesondere daran, dass sich kaum noch jemand kennt.

Und nur Wenige kämen in den Gottesdienst. Doch wie Dr. Andreas Friebel, der für die Finanzen im Gemeindevorstand zuständige ist, erläuterte, gebe es derzeit kaum etwas anderes zu tun, als abzuwarten. „Wir müssen die Stellungnahme des Architekturbüros abwarten, dann können wie erst mitreden, ob und wie es weitergehen könnte.“ Als kleine Gemeinde mit einem Berg finanzieller Probleme könne man jedoch „keine großen Ansprüche stellen“, machte Friebel klar. Vor allem die „Insellage“ im Stadtteil ist für den Weiterbestand eine Herausforderung, denn ein Zusammenschluss mit einer Gemeinde in der Kernstadt käme nach Ansicht vieler Gemeindemitglieder einem „schleichenden Tod“ gleich. Alle Hoffnungen ruhen nun auf den Architekten.

Dass die Gemeinde lebt, ist indes zum Beispiel bei den Mittwochskaffeestübchen zu erleben oder bei den Filmabenden. Um die Diskussion in Gang zu bringen, hatte Pfarrer Weinberg Karikaturen ausgebreitet. Jeder sollte – gemäß seinem Empfinden, wie er die Gemeinde sieht – das passende Bild auswählen. „Ich habe sofort zum dem Motiv mit dem Kreuz gegriffen“, sagte Nathalie Emmel. Dort trägt einer ein schweres Kreuz, doch der andere, der ihm helfen könnte, zieht in die Gegenrichtung. „Statt gemeinsam Probleme zu lösen, wollen alle in eine andere Richtung“, beschrieb die junge Frau ihre Sicht.

lfp

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare