Atemberaubende Artistik

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Jonglieren in höchster Perfektion: Der chinesische Nationalzirkus überzeugte mit einem emotionalen Programm voller spektakulärer Akrobatik und poetischer Einblicke in die Mythologie des Reichs der Mitte.

Neu-Isenburg ‐ Es sind Bilder und Choreografien von beeindruckender Schönheit, die der chinesische Nationalzirkus auf die Bühne der Hugenottenhalle zaubert. Von Klaus Hellweg

Es ist der Einblick in eine Welt, die viel zu tun hat mit der Galionsfigur der chinesischen Mythologie, dem Pandabär. Und es ist eine Show mit fast schon legendären Ausnahmekünstlern - mit Akrobatinnen und Akrobaten, die die Erdanziehungskraft allem Anschein nach ebenso überwinden wie alle Grenzen der Physiognomie. Kurzum: Das Gastspiel des chinesischen Nationalzirkus mit all seiner atemberaubenden Artistik, mit all seinen poetischen Einblicken in die fremde Mythologie, die so wenig gemein hat mit europäischem Denken und Fühlen, wird den Besuchern unvergessen bleiben.

Der chinesische Nationalzirkus, überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was hierzulande unter Zirkus verstanden wird, erzählte in nicht ganz voll besetzter Halle die Geschichte von einem kleinen Menschenkind und seiner großen, friedfertigen Panda-Mutter, die es aufzieht, die es vor Gefahren schützt und durch das Leben führt - bis hin zum traurigen Ende der Bärin.

Impressionen der Vorstellung

Chinesischer Nationalzirkus in Hugenottenhalle

Es ist eine Geschichte mit vielen szenischen Darstellungen, durchchoreografiert bis zum kleinsten I-Tüpfelchen und berstend vor Akrobatik-Einlagen, wie man sie in dieser Ausgefeiltheit, aber auch in dieser sympathischen Leichtigkeit hierzulande kein zweites Mal findet.

In ganz großer Gelassenheit und auch bei den schwierigsten, scheinbar unmöglichen artistischen Vorführungen verschwindet nie das leise Lächeln aus den Gesichtszügen jungen Artistinnen und Artisten. Ganz egal, wie körperlich anstrengend und Kräfte zehrend die akrobatischen Wunder auch daher kommen: Da ist nichts Hektisches, nichts Verkrampftes - sei es die unglaublichste Kontorsion, also die Kunst des sich Verbiegens, seien es die schier atemberaubenden Balancen. Und wenn, was auch passiert, eines der Kunststücke nicht gleich beim ersten Anlauf klappt - etwa das Balancieren übergroßer Tontöpfe auf dem Kopf - dann wird die Übung in allergrößter Gelassenheit so lange wiederholt, bis das Gewollte erreicht ist. Und immer nur lächeln...

Überhaupt das Balancieren: Immer wieder finden Töpfe und Schalen Platz auf den Köpfen oder den Fußsohlen. Und egal, ob die jungen Artisten fliegen, schweben oder den Handstand praktizieren: Sie schaffen es, sich bei all dem dermaßen ästhetisch zu „verbiegen“, dass keines der Accessoires auch nur dem Anschein nach vibriert. Wer so etwas nicht mit eigenen Augen sieht, der glaubt es nicht.

Regie, Choreografie und 30 Akteure in farbenprächtiger traditioneller Kleidung haben den Zuschauern in der Hugenottenhalle mehr als zweieinhalb Stunden lang eine Show voller Emotionen geboten und gezeigt, zu was der menschliche Körper in der Lage ist.

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