Auf die richtige Entsorgung achten

Biomüll Dienstleistungsbetrieb startet Infokampagne – Kartonflut durch Online-Shopping

Werben für den richtigen Umgang mit dem Biomüll: Maskottchen Lutz van Putz im Großformat weckt Aufmerksamkeit und unterstützt so DLB-Chefin Petra Klink und Frank Ullrich, Leiter der Abfallwirtschaft, bei der Infokampagne.
+
Werben für den richtigen Umgang mit dem Biomüll: Maskottchen Lutz van Putz im Großformat weckt Aufmerksamkeit und unterstützt so DLB-Chefin Petra Klink und Frank Ullrich, Leiter der Abfallwirtschaft, bei der Infokampagne.

Nach gut fünf Jahren Biotonne in Neu-Isenburg und Dreieich bilanziert der Dienstleistungsbetrieb (DLB) für beide Städte, dass die Sammelmengen stetig steigen. So wurden 2019 in Dreieich circa 67 Kilogramm und in Isenburg circa 52 Kilogramm Bioabfälle pro Einwohner gesammelt. Im gesamten Kreis Offenbach beläuft sich die Sammelmenge 2019 auf circa 71 Kilogramm pro Kopf.

Weniger gut: Nicht selten wird festgestellt, dass die richtige Befüllung der Biotonne Probleme bereitet. Ein immer wiederkehrendes Thema sind Plastiktüten. Denn teilweise werden die sauber sortierten Küchenabfälle dann in einer solchen in die Biotonne entsorgt.

„Doch hierbei handelt es sich leider um eine Fehlbefüllung“, bedauert Geschäftsführerin Petra Klink. Die Plastiktüten können in der Bioabfallbehandlungsanlage nicht sauber aussortiert werden und gelangen somit über die Biotonne in den Kompost und damit auf die Äcker und über die Nahrungsmittel auf den Tisch der Verbraucher. Ebenso verhält es sich mit den kompostierbaren Bio-Beuteln aus Maisstärke. Die sogenannten Biokunststoff-Beutel sind zwar biologisch abbaubar, benötigen aber für die Anlagenbetreiber zu lange, um sich im Kompostierungsprozess zu zersetzen. Zwar informiert der DLB immer wieder darüber, was in die Biotonne gehört und was nicht. Doch die Botschaft kommt bei vielen Menschen offensichtlich nicht an. Deshalb hat das Unternehmen nun eine Infokampagne „Plastik ist kein Bioabfall“ gestartet.

Denn Bioabfälle, so erläutert der DLB, sind wichtig für den natürlichen Kreislauf. Die getrennte Erfassung ermöglicht es, die im Biomüll enthaltenen energiereichen Wertstoffe zu nutzen – sowohl als regenerative Energieressource als auch Nährstoff- und Humuslieferant.

Wie das „Bitte-nicht-stören“-Schild an der Hotelzimmertür sieht der Flyer aus, der bei Fehlbefüllung nun an die Biotonne gehängt wird.

Nach der Sammlung gehen die in Isenburg und Dreieich gesammelten Bioabfallmengen direkt in die Bioabfallbehandlungsanlage der RMB Frankfurt. Dort vergären sie zu Biogas und werden mittels Kraft-Wärme-Kopplung in Strom und Wärme umgewandelt. Im gleichen Prozess wird wertvoller Kompost hergestellt. Dieser Prozess wird durch Fremdstoffe im Bioabfall erschwert. Aufwändige Sortierprozesse vor und nach der Bioabfallbehandlung sind notwendig, um wertvollen Kompost herzustellen. Aber eigentlich ist es ganz einfach, sagt Klink: „Bioabfälle sind organische Abfälle pflanzlichen oder tierischen Ursprungs. Eine Plastiktüte wird nicht zu Kompost.“

Auf diese Tatsache möchte der DLB mit der Infokampagne hinweisen. Dafür wurde ein neuer Flyer entwickelt, der bei einer Fehlbefüllung direkt an die Tonne gehängt wird. „Unsere Beschäftigten der Müllabfuhr lassen auch jetzt schon fehlbefüllte Tonnen stehen. Denn wenn zu viele Störstoffe im Fahrzeug landen, werden unsere Müllfahrzeuge an der Verwertungsanlage abgewiesen“, berichtet Frank Ullrich, Leiter der Abfallwirtschaft.

Langfristig hat sich der DLB vorgenommen, die Störstoffe in den Biotonnen auf ein Minimum zu reduzieren. „Um dieses Ziel zu erreichen setzen wir darauf, die Bürger zu informieren und zu sensibilisieren. In vielen Fällen ist es auch einfach Unwissenheit, die zu Fehlwürfen führt und wenn die Biotonne dann mal nicht geleert wird, entsteht möglicherweise ein Lernprozess“, sind sich Erster Stadtrat Stefan Schmitt und Dreieichs Bürgermeister Martin Burlon einig. Neben dem Flyer wurde ein großflächiger Aufdruck auf ein Müllfahrzeug gebracht.

Zu schaffen macht den DLB-Mitarbeitern in Corona-Zeiten noch ein Thema: Kartonflut durch Online-Shopping. Es habe sich leider eingebürgert, dass neben den Altpapiertonnen nicht selten sperrige Kartons abgestellt werden – oft nicht zerkleinert, selbst wenn in der Tonne durchaus noch Platz ist, berichtet Klink. Dadurch dauerten die Altpapier-Touren länger. Auch dieser Unsitte will und muss der DLB entgegenwirken – es sei für die Mitarbeiter einfach nicht drin, noch zig voluminöse Kartons klein zu machen.  hov

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare