Berufsinfobörse

Roter Teppich für Azubis

Posieren mit einem falschen WM-Pokal: Für den ungewöhnlichen Zollfund interessieren sich beim Zollbeamten Niels Bär (Mitte) gestern immer wieder Jugendliche – so auch (von links) Pascal Kohl, Erik Malotta, Celina Kowalski und Simone Schneider. Bei der Berufsinfobörse in der Huha konnten sich Schüler an 58 Ständen über die verschiedensten Berufe schlau machen.

Neu-Isenburg - Isenburgs Firmen melden mehr Stellen denn je, Nachwuchs wird nicht selten händeringend gesucht. 58 Aussteller werben bei der Berufsinfobörse für sich. Von Barbara Hoven

Das funkelnde Ding, das beim Zollbeamten Niels Bär auf dem Tisch steht, funktioniert als Eyecatcher: Diverse der vielen hundert Jugendlichen, die gestern in der Hugenottenhalle am Stand seines Arbeitgebers vorbeilaufen, bleiben stehen. Sei es, um die Geschichte von diesem gefälschten WM-Pokal zu hören, den die Beamten am Flughafen beschlagnahmt haben. Oder, besser noch, um auch gleich die Gelegenheit zu nutzen, neue Berufsbilder zu entdecken oder das oberflächliche Wissen über die Arbeit als Beamter beim Frankfurter Hauptzollamt zu vertiefen.

Vor allem Jugendliche aus Schulen in Isenburg und Dreieich, für die die Entscheidung, wie es nach der Schule weitergehen kann, noch aussteht, schauen sich gestern bei der 20. Berufsinfobörse um. Die Ausstellungsfläche ist bis auf den letzten Quadratmeter ausgefüllt. An 58 Ständen versuchen Mitarbeiter von Unternehmen und Institutionen den ganzen Vormittag lang bei der Frage zu helfen, welche Ausbildung, welcher Job der richtige sein könnte. Aufmerksamkeit ziehen vor allem die großen Namen auf sich: die Fraport, die Darmstädter Wehrdienstberatung der Bundeswehr, Aldi oder eben das Hauptzollamt.

Vom Traumjob bis zur Ernüchterung

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Zu leiden hat darunter indes so manches kleinere Isenburger Unternehmen. Doch so bleibt wenigstens Zeit für intensive Gespräche – zum Beispiel am Stand des Café Wessinger. Dort trifft man auf Nina Hanel. Die Personalreferentin des Traditionshauses ist unter anderem da, „weil Koch-Azubis und Restaurantfachleute händeringend gesucht werden“. In diesem Jahr sei es zwar wieder gelungen, fünf Azubis zu finden – eine angehende Köchin, drei Konditoren und ein Hotelfachmann lernen ihr Handwerk seit einigen Wochen bei Wessinger. Doch neue Azubis zu finden werde immer schwieriger.

Klaus-Peter Martin vom Jugendbüro kennt das Problem. Gerade der Beruf des Kochs sei so eine Sache, an der gut zu sehen sei, wie sehr die Vorstellungen der Jugendlichen über einen Beruf und der Alltag auseinanderklaffen können. „Zum Beispiel durch TV-Shows wirkt Koch zunächst wie ein Traumjob – doch mit dem ersten Praktikum folgt oft die Ernüchterung.“ Arbeiten, wenn andere schlafen oder feiern, „das macht vielen dann doch keinen Spaß mehr“, hat Martin erlebt.

Zeit für Gespräche nimmt sich auch Markus Berdel, einer der beiden Geschäftsführer der Berdel Metall- und Stahlbau GmbH. Das Familienunternehmen mit rund 25 Mitarbeitern, das jedes Jahr zwei Plätze für eine Ausbildung zum Metallbauer anbietet, ist erstmals bei der Messe vertreten. „Ich würde wiederkommen“, sagt Berdel. Er könne aber auch verstehen, wenn ein Handwerksbetrieb sich gegen die Teilnahme entscheide – schon wegen des Zeitaufwands. Seit 15 Jahren führt Berdel Einstellungsgespräche – und auch er deutet an, dass es immer komplizierter werde, Nachwuchs zu finden, der auch mit dem Herzen dabei ist.

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Veranstalter der Infobörse ist das Ausbildungsforum Neu-Isenburg. 314 freie Ausbildungsplätze haben Unternehmen der Stadt in diesem Sommer gemeldet, ist zu erfahren. „Noch neun Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie“, sagt Martin. Besonders freut ihn, dass rein rechnerisch jedem Hauptschüler mehr als drei Plätze angeboten werden konnten – würden sich doch nur die Vorstellungen der Jugendlichen immer auch mit dem Angebot decken. Auch Rolf Krumbiegel, Stadtverordnetenvorsteher und langjähriger Schulleiter, unterstützt die Veranstaltung. Er hofft nicht nur, dass viele Jugendliche sie nutzen. Auch die Eltern seien als Unterstützter bei der Suche nach dem richtigen Beruf gefragt.

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