GHK-Gruppe im Sayntal

Ausflug dorthin, wo alles begann

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Gut anderthalb Stunden sind sie im Bus unterwegs, 54 Frauen und Männer aus Neu-Isenburg, die auf Einladung des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) zurück zu den Wurzeln ihrer Heimatstadt reisen: nach Isenburg im Sayntal, Stammsitz der Herren von Isenburg.

Neu-Isenburg - Gut anderthalb Stunden sind sie im Bus unterwegs, 54 Frauen und Männer aus Neu-Isenburg, die auf Einladung des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) zurück zu den Wurzeln ihrer Heimatstadt reisen: nach Isenburg im Sayntal, Stammsitz der Herren von Isenburg.

In der 641 Einwohner zählenden Gemeinde sammeln die Gäste viele bleibende Eindrücke. Grund genug für den GHK, die eingeschlafenen Beziehungen nun wiederzubeleben. Und das kleine Isenburg auch als Ausflugstipp für einen Urlaubstag vorzustellen. .

Vor 300 Jahren starb Graf Johann Philipp zu Ysenburg und Büdingen, der 1699 hugenottischen Flüchtlingen Land gab und die Siedlung Neu-Isenburg gründete. Derzeit laufen bei Stadt und Kulturbüro die Vorbereitungen für ein Festprogramm zum Gedenken an den Stadtgründer – geplant sind im Herbst unter anderem eine Ausstellung und ein barockes Sommerfest im Bansapark am 26. August. „Als Hugenottenstadt sind wir uns der besonderen Tradition der Stadtgründung und der Verantwortung bewusst, wozu auch die Pflege der Verbindungen zu den fürstlichen Häusern der Isenburger in Birstein und Ysenburger in Büdingen zählt“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel, der auch Vorsitzender des GHK ist.

So sei die Idee für den Ausflug nach Isenburg im Sayntal entstanden – um einmal anzuschauen, woher eigentlich die Grafen stammen. „Denn es gibt viele Neu-Isenburger, die wissen das gar nicht, dass es ein Isenburg gibt“, hat Hunkel beobachtet.

Aber es gibt offenbar viele, die sich dafür interessieren: Als der GHK zu der Tagesfahrt einlud, war die Resonanz ungewöhnlich groß. 80 Anmeldungen flatterten dem Verein ins Haus, „wir hatten aber nur Platz für 54“.

Diese machten sich gemeinsam auf in die 641 Einwohner zählende, landschaftlich reizvoll im Landkreis Neuwied gelegene Ortsgemeinde Isenburg, die auf halber Strecke zwischen Bendorf am Rhein und Dierdorf im Sayntal zu finden ist. Ihr Wahrzeichen ist die in der Ortsmitte gelegene Ruine der Burg Isenburg. Und die Geschichte des Dorfes steht im direkten Zusammenhang mit den Herren von Isenburg.

Deren Geschichte beginnt 1093 im Westerwald. Denn in jenem Jahr erscheint Rembold von Isenburch und 1095 Gerlach von Isenburg in mittelrheinischen Urkunden.

Bekanntlich führten die deutschen Geschlechter bis ins 11. und 12. Jahrhundert keine Familiennamen, sondern nannten sich lediglich nach ihren Vornamen. Erst zu Ende des 11. und zu Anfang des 12. Jahrhunderts wurde es Sitte, dass sich, zunächst der hohe Adel, nach seinen Burgsitzen benannte.

Die Stammburg der Isenburger Herren war die Isenburg, etwa um 1100 im heutigen Landkreis Neuwied von den Brüdern Rembold und Gerlach errichtet. Zu den Ländereien der Isenburger gehörten unter anderem Limburg, die Klostervogtei Fulda und die Grafschaft Wied. Die Lande galten auch als Nieder-Isenburg. Ludwig von Isenburg (gestorben 1304) kam über eine Heirat mit der Erbtochter von Büdingen in die südöstliche Wetterau (Ober-Isenburg). Durch verschiedene Heiraten und Teilungen entstanden dann unter anderem die Linien Ysenburg-Büdingen, Isenburg-Birstein, Isenburg-Ronneburg und Isenburg-Offenbach.

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Isenburg im Jahr 1103 in einer Urkunde des Erzbischofs von Trier. 1625 war die Burg noch bewohnt. 1633 war sie von spanischen Truppen besetzt, aber nicht zerstört worden. Mit dem Tod von Graf Ernst von Isenburg-Grenzau 1664 ist die Linie Nieder-Isenburg ausgestorben.

„Aufgrund eines Erbstreits war die Isenburg anschließend dem Verfall preisgegeben“, erfahren die Ausflügler. Die Burgruine gehört heute der Fürstin zu Wied in Neuwied. Seit 2005 bemüht sich der Förderverein „Freunde der Isenburg“ gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz tatkräftig – und auch durchaus erfolgreich – um den Erhalt der Burg.

Mit deren Bau entstand auch die Gemeinde Isenburg, die 2003 ihr 900-jähriges Bestehen feierte. Damals reisten auch aus Neu-Isenburg Gäste zu den Feierlichkeiten, der damalige Bürgermeister Oliver Quilling etwa und Herbert Hunkel, da noch Erster Stadtrat. „Nach dieser Begegnung sind die Kontakte aber irgendwie wieder eingeschlafen“, erzählt Hunkel.

Nun aber seien die GHK-Ausflügler „mit einer unglaublichen Herzlichkeit“ empfangen worden. Und der Geschichtsverein will dafür sorgen, dass der Kontakt diesmal lebendig bleibt. „Ich habe die Isenburger bereits zu unserem Weinfest eingeladen, und es gibt schon einige Zusagen“, sagt Hunkel.

Sein Amtskollege Detlef Mohr, ehrenamtlicher Ortsbürgermeister von Isenburg und Vorsitzender des zwölfköpfigen Gemeinderats, habe seine Gäste begrüßt und mit ihnen die Isenburg besucht. „Dort empfingen uns der Heimat- und Verschönerungsverein sowie der Förderverein Freunde der Isenburg mit einem fürstlichen Frühstück und dem Isenburg-Lied“, berichtet der GHK. Die melodische Begrüßung habe man spontan erwidert, und zwar mit dem Iseborjer Nationalsong „Auf ihr Wutze“. Das habe auch die Ehrengäste aus den fürstlichen Häusern Isenburg-Birstein und Neuwied erheitert, die beim Treffen dazustießen: die Mutter von Alexander, Fürst von Isenburg in Birstein, Elisabeth Christine Fürstin von Isenburg, und die Schwester von Alexander und Tochter der Fürstin Isenburg, Isabelle Fürstin zu Wied.

Neben der Isenburg lohne der Besuch der katholischen Kirche St. Katharina mit gotischem Chor aus dem 14. Jahrhundert. Und das Heimatmuseum. Das sehr anheimelnd eingerichtete Museum befindet sich in zwei Räumen im historischen Torhaus „Alte Porz“, einem Relikt aus der Ortsbefestigung im 14. Jahrhundert. Zu bestaunen ist im Museum unter anderem die original Isenburger Nagelschmiede.

Dass das Heimatmuseum heute so sehenswert ist, ist dem Engagement der Isenburger zu verdanken: „Nach 770 Stunden ehrenamtlicher Arbeit der Arbeitsgruppe ‘Rentnerband’ gelang es, völlig marode Innenräume zu sanieren, Putz- und Anstreicherarbeiten zu realisieren, Decken zu sanieren und Fußböden zu verlegen“, haben die Neu-Isenburger erfahren. Am 3. Oktober 2008 wurde Eröffnung gefeiert.

Und für jene, die auch mal dorthin reisen wollen, wo Neu-Isenburgs Stadtgeschichte begann, empfiehlt der GHK auch einen Abstecher zum nur zehn Minuten Fahrzeit entfernten „Garten der Schmetterlinge“ im Schloßpark Sayn.

Als Zeichen der Verbundenheit gab Detlef Mohr seinen Gäste auch eine Stadtfahne mit auf den Weg zurück nach Neu-Isenburg. „Diese wird beim Besuch der Isenburger in Neu-Isenburg gehisst“, verspricht Hunkel. (hov)

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