Ausflugsziel und Knotenpunkt

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So sah das alte Bahnhofsgebäude aus.

Zeppelinheim - „Überall stehen noch schöne alte Bahnhofsgebäude, nur in Zeppelinheim nicht - und dabei war unser Bahnhof einmal einer der wichtigsten im ganzen Forstbereich“, bedauert Karlheinz Gruber. Von Leo F. Postl

Als Beispiele nennt der Zeppelinheimer die Bahnhöfe in Niederrad, Walldorf oder Buchschlag. Der Bahnhof Mitteldick, der vor 110 Jahren eröffnet und später in „Bahnhof Zeppelinheim“ umbenannt wurde, fiel dagegen 1995 dem Abrissbagger zum Opfer. Damit nicht alles aus der einst bedeutsamen Vergangenheit des Bahnhofs in Vergessenheit gerät, hat sich Karlheinz Gruber auf die Suche nach Belegen in diversen Archiven gemacht.

Was er mit Unterstützung seiner Frau Inge ausgegraben hat, präsentierte Gruber am Freitagabend im evangelischen Gemeindezentrum. Dass dieses Thema bei vielen Zeppelinheimern auf großes Interesse stößt, belegten die vielen Besucher.

Karlheinz und Inge Gruber bei ihrem Vortrag.

„Am 1. Oktober wurde, wie bereits gemeldet, die neue Haltestelle Mitteldick eröffnet. Welch´ einen glücklichen Griff die Eisenbahnverwaltung mit der Einschaltung dieses so beliebten Ausflugsortes als Haltepunkt getan hat, beweißt der Umstand, dass bereits am Eröffnungstag der um 2 Uhr 47 Minuten daselbst aus Frankfurt anlangende Personenzug allein nahezu 100 Passagiere mitbrachte“ – so die Meldung aus dem Groß-Gerauer Kreis- und Tagblatt vom 5. Oktober 1901. Dies war die Geburtsstunde des Bahnhofs Mitteldick. Das große zusammenhängende Waldgebiet im Süden von Frankfurt wurde mehr und mehr zum Ausflugsgebiet. Bestes Beispiel ist das Forsthaus Mitteldick, welches sich vom anfänglichen Zweckbau für den Forst- und Jagdbetrieb zu einem Ausflugsziel mit entsprechender Gastronomie entwickelt hatte.

Start- und Landepunkt für Zeppeline vor den Toren der Stadt

„Aber die Leute wollten mehr Ruhe, wollten weiter in die Natur“, erklärt Gruber. So entstand die Haltestelle Mitteldick inmitten des großen zusammenhängenden Waldgebietes zwischen der Main-Neckarbahn im Osten. dem Main im Norden und dem Rhein im Westen. Dieser Wald wurde aber auch zunehmend als Wirtschaftsfaktor genutzt, denn hier standen mächtige Eichen und andere Hölzer, die vermehrt nachgefragt wurden. Insbesondere im weiter aufstrebenden Bergbau wurde Grubenholz benötigt. Um das Holz, insbesondere 200-jährige Eichen, aus diesem Waldgebiet holen und abtransportieren zu können, entschloss sich die Großherzoglich Hessische Forstverwaltung, eine etwa 17 Kilometer lange Waldbahn nach Klaraberg am Main, westlich von Kelsterbach, zu bauen. Dort wurde das Holz auf Schiffe verladen und mainabwärts transportiert. Kreuzungspunkt war der Bahnhof Mitteldick, was diesem einen weiteren Aufschwung brachte.

Doch es ging weiter aufwärts. Bald wurde der Start- und Landepunkt für Zeppeline aus Frankfurt auf die Anhöhe vor den Toren der Stadt verlegt. Westlich des Bahnhofs wurde eine große Waldfläche gerodet und es entstand der Flughafen. Der Kiosk am Haltepunkt Mitteldick änderte bald seinen Namen in „Weltflughafen Mitteldick“, später wurde auch der Bahnhof selbst in Zeppelinheim umbenannt.

Auch für den Bau der Autobahn war der Bahnhof, der mehrfach vergrößert wurde, eine wichtige Anlaufstelle. „Als die Luftschifffahrt nach der Katastrophe in Lake Hurst eingestellt wurde, kamen die Leute in Scharen, um die hier liegenden Zeppeline und die riesigen Bauten zu besichtigen“, zeigt Gruber ein Bild mit vielen hundert Besuchern. Der Bau des Rhein-Main-Flughafens brachte den letzten Aufschwung, dann ging es langsam bergab.

Das schöne Gebäude wurde im November 1995 abgerissen. Übrig blieb in Zeppelinheim eine kleine Haltestelle, die für Gruber ein trostloses Bild bietet. „Überall sieht man schon von weitem an jedem S-Bahnhof das große Symbol, in Zeppelinheim ist überhaupt nicht zu sehen“, bedauert er. „Viele Leute fragen hier, wo denn überhaupt der Bahnhof sei“, fordert Gruber eine entsprechende Kennzeichnung.

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