Ausstellung „Further on up the Road“

Barbier mit der Mundharmonika

Der Bürgerrechtler, Barbier und Blues-Musiker Wade Walton in seinem Friseurgeschäft in Clarksdale, wo Martin Feldmann ihn 1986 besuchte. Das Foto wird in der Ausstellung zu sehen sein.
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Der Bürgerrechtler, Barbier und Blues-Musiker Wade Walton in seinem Friseurgeschäft in Clarksdale, wo Martin Feldmann ihn 1986 besuchte. Das Foto wird in der Ausstellung zu sehen sein.

Neu-Isenburg J Der Journalist Martin Feldmann reiste in den 80er Jahren mehrfach auf den Spuren des schwarzen Blues durch die USA. Erst spät kam ihm der Gedanke, die atmosphärisch ausdrucksstarken Fotos auszustellen. Von Stefan Mangold 

Ab der nächsten Woche sind sie in der Stadtbibliothek zu sehen. In Neu-Isenburg wäre die Szene schwer vorstellbar: Ein Friseur zückt in seinem Laden die Mundharmonika und gibt ein paar Blues-Melodien zum Besten. In Clarksdale dürfte so was auch heute niemanden wundern. Im Jahr 1986 fand das jedenfalls keiner ungewöhnlich, der zur Türe eines bestimmten Ladens reinkam, um sich die Haare schneiden zu lassen. Clarksdale zählt 20 000 Einwohner, liegt im US-Bundesstaat Mississippi und nennt sich „Heimat des Blues“. Protagonisten des Musikstils wie Eddie Boyd oder auch Ike Turner, der geschiedene Ehemann von Tina Turner, stammen von hier. Auch ein gewisser Wade Walton, ein 1923 geborener Barbier und Bürgerrechtler in Zeiten, als sich die Schwarzen nach Rassegesetzen richten mussten, die ihnen nicht nur den Besuch bestimmter Schulen verboten, sondern auch die freie Platzwahl im öffentlichen Nahverkehr.

Im Jahr 1986 fuhr der damals 30-jährige Journalist Martin Feldmann zum vierten Mal durch die USA. Nicht wie ein normaler Tourist, der sich die Niagarafälle, den Grand Canyon oder Disney World ansehen will, sondern auf den Spuren der Blues-Musik. „Der schwarzen“, betont Martin Feldmann. Der weiße Blues, für den zumindest in ihren Anfängen auch die Rolling Stones stehen, der habe ihn nie interessiert. Als Jugendlicher kam der gebürtige Siegener auf den Geschmack, bestellte sich direkt aus den USA die entsprechenden Platten. Das war billiger als sie in Deutschland zu kaufen, „der Versand dauerte jedoch bis zu einem ViertelJahr“. Musiker wie Muddy Waters oder Howlin’ Wolf gehörten zu Feldmanns Favoriten. Oder auch einer wie Wade Walton, den Feldmann in den 80er Jahren in seinem Friseurgeschäft besuchte, sich rasieren und vorspielen ließ und den Mann fotografierte.

Wer auf den Spuren des Blues reist, fährt nicht durch die Wohngebiete der gehobenen Mittelschicht. Die Clubs liegen in Gegenden, durch die ein Tourist nachts nicht schlendern sollte. Passiert sei ihm aber nie wirklich etwas. Aus einem Hotelzimmer in Chicago verschwand einmal die Kamera. In derselben Stadt standen mitten auf der Straße plötzlich brennende Fässer. Reflexhaft legte er den Rückwärtsgang ein, ehe ihn jemand aus dem Auto bitten konnte. Feldmann, der unter anderem für Fachmagazine wie Bluesnews und Jazzthetik schreibt, kam trotz einer Reisereportage, die er einst über den Weg von Louisiana nach Chicago veröffentlichte und mit eigenen Fotos bestückte, nie in den Sinn, auszustellen. Ein Schulfreund meinte vor drei Jahren, die überwiegend schwarz-weißen Bilder seiner insgesamt fünf USA-Reisen aus den 80er Jahren eigneten sich für einen Kalender. Später stupste ihn ein ehemaliger Kollege auf die Idee, seine Fotos einem breiten Publikum zu zeigen.

Die erste Ausstellung 2014 im Kulturbahnhof in Mörfelden-Walldorf lief glänzend, ebenso eine in Darmstadt und momentan die in Olpe. Zu sehen ist etwa ein Foto der „Little Pat Rushing & Band“ an der Maxwell Street in Chicago aus dem Jahr 1981. Bei den Männern des Blues-Quartetts steht ein Junge von vielleicht sechs Jahren, der eine kleine Gitarre hält. Jutta Duchmann, Leiterin der Stadtbibliothek, hatte die Ausstellung in Mörfelden besucht und Feldmann angeboten, seine Bilder auch in Neu-Isenburg zu zeigen. Die Ausstellung „Further on up the Road“ wird am Mittwoch, 4, November, um 19.30 Uhr eröffnet. Für die Musik sorgt das Frankfurter Acoustic Duo Down Home Percolators. Die Schau wird bis zum 27. Februar 2016 zu sehen sein.

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