Was der Maler in sich sieht

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Künstlerin Veronika Scherer vor ihrem Bild „We didn’t start“.

Neu-Isenburg - „Die gelungensten Bilder sind die, in denen ich mit meinen Augen spazieren gehen kann“, sagt Veronika Scherer bei der Eröffnung ihrer Ausstellung in den Räumen der Volksbank Dreieich an der Frankfurter Straße. Von Enrico Sauda

Die junge Frau, die 1979 geboren wurde, eröffnet mit ihrer Schau die neue Reihe „Vorsicht Kunst“.

Veronika Scherer, die in der Hugenottenstadt aufwuchs und Kunstpädagogik und -geschichte sowie Geografie in Frankfurt studierte, präsentiert 13 Werke, die in den Jahren von 2006 bis 2012 entstanden sind. Ihre Themen sind Landschaften und Selbstporträts.

Es seien zwar nur zwei Selbstbildnisse bei dieser Ausstellung zu sehen, „aber irgendwie sind alle meine Bilder Selbstbildnisse“, sagt die Künstlerin. Dabei achtet sie nicht primär darauf, dass die Figuren so aussehen wie sie, „sondern die Bilder sollen eher das Ich an sich darstellen. Also sind sie schon zum Teil ich, aber auch ein Zustand“, versucht sie eine Umschreibung.

Eine Einführung in das Schaffen von Veronika Scherer, die Mitglied des Forums zur Förderung von Kunst und Kultur (FFK) ist, gab Kunsthistorikerin Esther Erfert. Auf massiven Tischlerplatten entstünden Gemälde, die von Licht durchwirkt seien.

„Ich schaue nach innen, erforsche, wie ich mich fühle“

Ein Satz Caspar David Friedrichs ist für die junge Frau Grundsatz ihrer Kunst geworden. „Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht.“ Dieser Spruch, der noch ein wenig länger ist, „drückt genau aus, wie ich male“. Sie suche sich nämlich kein äußeres Motiv, sondern „ich schaue nach innen, erforsche, wie ich mich fühle – und so entstehen Landschaften“. Sie sagt, wenn sie sich an ein Bild macht, beginnt sie wie Jackson Pollock und endet wie William Turner. Der eine ein amerikanischer Maler des abstrakten Expressionismus, der andere ein britischer Maler und führender Vertreter der Romantik. Also liegen zwischen den beiden Künstlern nicht nur gut hundert Jahre, sondern auch Welten. „Ja, Turner ist das genaue Gegenteil von Pollock“, sagt Veronika Scherer, für die dies die erste eigene große Ausstellung ist.

Angefangen zu malen hat sie schon als Kind. „Das tut mir einfach gut, gibt mir Energie und laugt mich nicht aus.“ Außerdem sei es ein exzellenter Weg, sich selbst auszudrücken.

Die nächste Ausstellung ist für den 22. Mai geplant, dann wird der Isenburger Arzt und Fotograf Dr. Frank Freytag seine Bilder zeigen.

Esther Erfert sagt, sie sei vom ersten Bild, das sie von Veronika Scherer gesehen habe, förmlich aufgesogen worden. „Ich verlor mich in einer Landschaft, die aber eigentlich, wie ich feststellen musste, keine Landschaft war.“ Scherers Bilder würden durch ihre Atmosphäre bestechen. „In Kunst und Ästhetik ist das die Stimmung, die einem Bild oder einem Objekt innewohnt und die es ausstrahlt“, erklärt die Kunsthistorikerin.

Die Idee zur Reihe „Vorsicht Kunst“, die regionalen Künstlern eine Plattform sein soll, entstand im vergangenen Jahr in der Volksbank. Unter der Federführung von Esther Erfert setzt sich nun in regelmäßigen Abständen ein Kuratorium zusammen, um über Künstler, die sich für eine Ausstellung bewerben, zu diskutieren, ihre Werke zu bewerten und diese für die Reihe auszuwählen.

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