Auch neues Kunstbuch vorgestellt

Ausstellung von Horst Noll in Neu-Isenburger Stadtbibliothek

Das vielseitige Schaffen des Neu-Isenburger Malers Horst Noll (Zweiter von rechts) würdigt seit gestern eine Ausstellung in der Stadtbibliothek. Zu deren Präsentation kamen auch Kulturdezernent Theo Wershoven (rechts) sowie (von links) Bibliothekschefin Dr. Annette Wagner-Wilke, Gunther Sehring und Dr. Bettina Stuckard.
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Das vielseitige Schaffen des Neu-Isenburger Malers Horst Noll (Zweiter von rechts) würdigt seit gestern eine Ausstellung in der Stadtbibliothek. Zu deren Präsentation kamen auch Kulturdezernent Theo Wershoven (rechts) sowie (von links) Bibliothekschefin Dr. Annette Wagner-Wilke, Gunther Sehring und Dr. Bettina Stuckard.

Wenn die Stadtbibliothek in Neu-Isenburg wieder öffnen darf, wartet eine Ausstellung des Künstlers Horst Noll. Zu seinem vielfältigen Schaffen ist auch ein Kunstbuch erschienen.

Neu-Isenburg – Es ist eine unerwartete Kombination, eigentlich ein offener Widerspruch: Ein Bild ohne Gegenstand, das dennoch ausdrucksstark daherkommt. Wie das gehen soll? Es gibt sehenswerte Beispiele in der Stadt, geschaffen von einem Neu-Isenburger. Wer etwa in die Hugenottenhalle kommt, dem ist vielleicht schon einmal das große blaue Bild aufgefallen, das im Foyer in luftiger Höhe schwebt. Ein echter Horst Noll: Typisch für den Neu-Isenburger Maler und Grafiker, der über eine schier unerschöpfliche Schaffenskraft zu verfügen scheint.

Sein frisch erschienenes Kunstbuch, lapidar „Horst Noll – Bilder“ genannt, umfasst stolze 543 Seiten. Und auf jeder Seite sind Werke von ihm zu sehen, entstanden in den Jahren 1986 bis 2020. Nolls wesentliche Werkphasen bis heute sind dort in zig Farbabbildungen zu entdecken, garniert mit Textbeiträgen namhafter Kunsthistoriker.

„Das Buch an sich ist schon ein Kunstwerk“, macht Dr. Bettina Stuckard aus ihrer Begeisterung gestern kein Geheimnis. Sie sei sehr froh, einen so hochkarätigen Künstler in Neu-Isenburg zu haben und nun wieder einmal präsentieren zu können, sagt die Fachbereichsleiterin fürs Kulturbüro.

Noll sei unprätentiös. Er bediene nicht das „Künstler-Stereotyp“, bei dem „das ist halt ein Künstler“ geseufzt wird. Noll sei ein klar strukturierter Mensch, der sich Farbschicht um Farbschicht zum perfekten Bild vorarbeitet. Seine nicht gegenständlichen Arbeiten lassen sich nicht einem eindeutigen Genre zuweisen. Der 1960 in Neu-Isenburg geborene Noll arbeitet seit 1985 als freischaffender Maler, Zeichner und Druckgrafiker und lebt in der Hugenottenstadt. 2004 stellte er in einer großen Einzelausstellung in der Stadtgalerie aus.

Er experimentiert mit Farbfeld-, Schicht- und Strukturmalerei. „Neben seinen farbintensiven abstrakten Arbeiten überzeugt er mit detailgetreuen Zeichnungen, die sein großes Spektrum widerspiegeln“, wie sein langjähriger Wegbegleiter, der Kunsthistoriker Gunther Sehring, gestern bei der Vorstellung von Kunstbuch und dazugehöriger Ausstellung in der Stadtbibliothek erläutert.

In der dortigen Treppengalerie hängt ab sofort und bis zum 27. November ein Querschnitt des künstlerischen Schaffens von Noll, das seit mehr als vier Jahrzehnten bestimmt ist durch sein Eintreten für die visuellen und sensitiven Werte der reinen Malerei. Farbe ergießt sich über Leinwände, wird auch mal gesprüht. Im völligen Gegensatz dazu stehen Nolls kleinformatige Arbeiten, akkurate Zeichnungen, detailgetreu ausgearbeitet. Oder – bei neueren Arbeiten öfter zu sehen – Farbspiele auf rauen, interessant strukturieren Hölzern aus dem Schwarzwald aufgetragen, wo Noll gerne Kurzurlaube verbringt, wie Sehring verrät. „Der Anreiz zum Malen ist stets die Farbe an sich“, schreibt Noll im Vorwort zu seinem Buch, das in der Stadtbibliothek ab sofort für 59 Euro zu haben ist. „Das Buch ist quasi auch eine analoge Ausstellung, die man sich nach Hause holen und täglich eine neue Seite aufschlagen und genießen kann“, sagt Stuckard. Das sei gerade in Corona-Zeiten, in denen die Möglichkeiten, Kultur zu erleben, rar gesät sind, kostbar. Gefördert wurde die Herausgabe des Buchs auch durch das Kulturbüro, die Hessische Kulturstiftung, Sammler und Firmen.

Apropos „Kunst zum Mitnehmen“: Man kann die Arbeiten von Noll auch mieten, zum Beispiel für die Gestaltung von Praxen oder Geschäftsräumen. Die Offerte namens „Kunst im Büro“ bringt nicht nur Geld in die Kasse. Wichtig sei ihm auch: „Die Bilder müssen raus ins Leben“, sagt der 60-Jährige, der von 1979 bis 1985 Grafikdesign an der Fachhochschule in Darmstadt sowie Malerei bei dem Vertreter der konkreten, freien Malerei Icke Winzer studierte. Spaß mache ihm dabei auch, dass man über die Vermietung mit ganz anderen Leuten ins Gespräch über die Kunst komme als etwa bei einer Vernissage.

Eine solche konnte es gestern wegen der Pandemie natürlich nicht geben; aber einen Pressetermin im kleinen Kreis. Die Ausstellung in der Bibliothek vermittele einen schönen Eindruck der farbkräftigen Werke, sagt Theo Wershoven. Er könne sich gut vorstellen, ergänzt der Kulturdezernent, dass in Zukunft Noll-Werke auch das neu zu entwickelnde Kultur- und Bildungszentrum zieren könnten. (Barbara Hoven)

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