Junge Designer in Hugenottenhalle

Avantgarde für den Alltag

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Neu-Isenburg - Ist ja eigentlich nicht so, dass es einen Mangel an Messen gäbe im Land. Hochzeitsmessen, Fantasy-Messen, Erotik-Messen, Messen für Solartechnik, für Einrichtung oder die Gestaltung des Gartens. Von Barbara Hoven

Wenn’s also an einem nicht fehlt, dann an einer neuen Messe – denkt man vielleicht. Aber nur, bis man dieser Tage mit Nova Günther gesprochen hat. Wer hört, was die 30-Jährige und ihre Kollegen von Michael Kerchers Veranstaltungsagentur Rent-a-Band da in der Hugenottenhalle vorhaben, bei dem ist die Lust auf eine neue Messe ganz schnell geweckt. „Eigenart: Avantgarde für den Alltag – Pomp für die Straße“ heißt das Motto der Großveranstaltung, die den Isenburger Veranstaltungstempel ein Wochenende lang in eine temporäre Heimat für junge Designer und Kreative verwandelt.

Am 23. und 24. November können die Besucher nicht nur unzählige Arbeiten und Produkte bewundern, sondern auch ein üppiges Drumherum auskosten. Jungdesigner aus ganz Deutschland haben sich angemeldet und ihre Angebote sind so vielfältig, dass sie kaum zu fassen sind: Von bedruckten T-Shirts und ausgefallenen Kleidern über handgemachten Schmuck bis hin zu edlen Schreibwaren, Designer-Stempelchen, handgefertigtem Hundezubehör einer Kölner Manufaktur oder Geldbörsen, die aus alten Marvel-Comics gefertigt werden, reicht die Produktpalette. Rund 70 Aussteller haben sich angekündigt, an ihren Ständen wird es die Sachen zu entdecken geben, „das meiste davon limitiert und vor allem immer fernab des Mainstreams“, sagt Nova Günther. Der Veranstaltungskauffrau ist es ein Anliegen, jungen Kreativen und Nachwuchs-Labels ein Forum zu geben.

Vom passenden Schmuck zum Hochzeitskleid

Da wird der alte Fahrradreifen bei „Buy or Die“ zum feschen Gürtel, am Stand von „Geweiherlei“ gibt’s aufgepeppte, quietschbunte Geweihe für die Wand, Schlüsselanhänger und allerhand mehr, was zwar keiner haben muss, aber sicher sehr viele haben wollen. Natürlich darf bei der „Eigenart“ auch eine Prise Lokalkolorit nicht fehlen. Unter den Ausstellern aus der Region ist zum Beispiel der Isenburger Matthias Just. Als Macher der Marke „Kettenkunst“ überführt er die Techniken der Rüstungsschmiede des Mittelalters in modernen Design-Schmuck. „Das Kettengewebe ermöglicht eine große Zahl an Mustern in Verbindung mit edelsten Metallen“, schildert Just, als dessen größte Stärke ausgefallene Sonderanfertigungen gelten – vom passenden Schmuck zum Hochzeitskleid bis zur alltagstauglichen Kette.

Nicht von der Stange sind auch die Stücke, die „Martha+Friedrich“ aus Hanau zeigt. Erst Anfang des Jahres hat Designerin Rebecca Müller das junge Label ins Leben gerufen. Nach ihrem Praktikum bei der New Yorker Designerin Heike Jarick und dem Münchner Stardesigner Marcel Ostertag entstand die erste eigene Kollektion unter dem Namen „Hieb und Stichfest“, in der zum Beispiel Cashmere auf Leder und Nieten trifft.

Ebenfalls in Handarbeit entsteht beim jungen Klamottenlabel „Home ist where your heart is“ das, was Nova Günther „Lieblings-Klamotten, bei denen man immer darauf wartet, dass sie wieder im Schrank sind“ nennt (Bild links unten). 2009 hat Jungdesigner Moritz Hippich die Sache ins Rollen gebracht, und weil für ihn Inspiration durch die Musik kommt, schickt das Label aktuell sogar junge Künstler auf Tournee durchs Land.

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Zum Messe-Drumherum in der Huha: Musik kommt von einem DJ (Günther: „Denn es ist relativ langweilig, wenn Du auf eine Messe gehst und es ist leise“), entspannt werden darf im eigens aufgebauten Café und auch sonst hat das Team allerlei Rahmenprogramm zu bieten. Ein Jahr lang, erzählt Nova Günther, haben sie und ihre Kollegen die „Eigenart“ geplant und vorbereitet. Alles begann mit jeder Menge Recherche. Das Team trug eine Liste von 400 potenziellen Ausstellern zusammen „und statt einfach ein Mailing rauszuschicken haben wir sie alle durchtelefoniert“. Dabei sei man durchaus auch beim ein oder anderen auf Skepsis gestoßen, weil es sich bei der Messe um einen Erstling handelt. „Manch einer will lieber erst abwarten, ob die Sache Leute anlockt“, hat Günter erlebt.

Das wird sie ganz bestimmt. Die „Eigenart“ öffnet am Samstag und Sonntag (23. und 24.) jeweils von 12 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, Kinder bis zwölf Jahre kommen kostenlos rein. Tickets und Infos auf der Homepage.

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