Neu-Isenburg

Knifflige Aufgabe: Bahnschranke als Hindernis auf Radschnellweg

Harte Nuss für Planer: Der Radschnellweg wird die Strecke der Regionaltangente West (RTW) queren. Wie und wo, das ist nun die Frage.
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Harte Nuss für Planer: Der Radschnellweg wird die Strecke der Regionaltangente West (RTW) queren. Wie und wo, das ist nun die Frage.

Eine Aufgabe wartet auf die Planer des Neu-Isenburger Abschnitts des Radschnellwegs zwischen Darmstadt und Frankfurt. Eine Alternative zur einer Bahnschranke wird benötigt.

Neu-Isenburg - Staus auf den Straßen, Gedränge in Bussen und Bahnen – Pendler haben es oft nicht leicht auf dem Weg zur Arbeit. Zudem haben gerade in Pandemiezeiten viele Leute das Fahrrad als Alternative entdeckt; doch die ist angesichts des vorhandenen Wegenetzes oft nicht attraktiv. Das soll bekanntlich der Raddirektweg zwischen Frankfurt und Darmstadt ändern, der derzeit in der Region entsteht.

Wer schon einmal auf dem ersten, bereits fertigen Stück zwischen Egelsbach und Wixhausen unterwegs war, der weiß, wie komfortabel Radfahren sein kann. Als Nächstes wird nun auf Langener Territorium weitergebaut; die Arbeiten dort haben jüngst begonnen. Weitere Streckenabschnitte auf den Gemarkungen Dreieich und Isenburg befinden sich in den ersten Planungsphasen. Noch 2022 sollen aber auch hier die Räder rollen. Für den Frankfurter Teilabschnitt wurde inzwischen ein Planungsbüro beauftragt. Für die südliche Anbindung des Radwegs wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet.

Radschnellweg: Diskussion über Trassenführung

Allein: Nicht immer lässt sich die Trassenführung so gestalten wie zwischen Egelsbach und Wixhausen, wo sie schnurgerade an der Bahnstrecke lang verläuft. In Neu-Isenburg wird jetzt über die konkrete Trassenführung diskutiert. „Um die Attraktivität des Radverkehrs im Rhein-Main-Gebiet zu fördern, ist diese Rad-Schnellverbindung sehr wichtig“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel. „Die Stadtverordnetenversammlung hat in Neu-Isenburg beschlossen, den Radverkehr im Wesentlichen auf der Fahrbahn zu führen. An Knotenpunkten werden (Mini)-Kreisverkehre eingerichtet. So soll eine verhältnismäßig störungsfreie und sichere Befahrung durch den Radverkehr gewährleistet werden und gleichzeitig den Belangen des ruhenden, fahrenden und Fußverkehrs sowie des Naturschutzes Rechnung getragen werden“, erläutert der Rathauschef den geplanten Streckenverlauf durch die Hugenottenstadt.

Ein Knackpunkt der jetzigen Planung, die über die Kurt-Schumacher-Straße und die Eisenbahnschneise verläuft, ist jedoch die Frage, wie die Schnittstelle des Radwegs zur Regionaltangente West (RTW) gestaltet werden soll (Übergang der Kleingartenanlage Fischer-Lucius zur Eisenbahnschneise). Die Stadt stört sich an den Plänen der RTW-Gesellschaft, die Stelle mit einem beschrankten Bahnübergang zu gestalten. Denn mit der Schranke würde quasi mittendrin viertelstündlich eine Bremse für Radler eingebaut – ist sie unten, müssten die Pedaleure warten. Ein Hindernis auf der Radlerroute, das den Anforderungen an eine Radschnellverbindung widerspreche – und das Neu-Isenburg vermeiden will.

Die Stadt und die Regionalparkgesellschaft, die das Projekt Radschnellweg federführend betreut, fordern eine „planfreie Querung ohne Wartezeiten“ – und prüfen deshalb eine Alternative zur bestehenden Planung.

Radschnellweg: Alternativführung ermittelt

Eine mögliche Alternativführung wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie („Höhenfreie Querung der RTW-Trasse im Bereich des geplanten Bahnübergangs Fischer-Lucius durch den Radschnellweg“) ermittelt: Sie sieht eine westliche Führung des Radschnellwegs mit Querung der RTW-Trasse südwestlich der Kleingartenanlage vor – mit einer Brücke dort, wo die RTW noch in Tieflage ist. Bei dieser Variante ist laut Stadt „eine Änderung der Route auch in der Weiterführung nach Norden in Erwägung zu ziehen“.

Diese könne somit entlang der Bahngleise bis zum Bahnhof und nach Querung der Bahnhofstraße über den vorhandenen Waldweg bis zum Anschluss an den Frankfurter Teilabschnitt geführt werden. Da sich der Anschlusspunkt in Dreieich voraussichtlich ebenfalls nach Westen verschiebe, sei eine Anbindung an den Radschnellweg im Süden über die Bestewiesenschneise ebenfalls problemlos möglich.

Eine Verschiebung der Route weg von der Kurt-Schumacher-Straße gen Westen wird positiv bewertet, „weil sie eine störungsfreie Querung der RTW-Trasse und der L 3117 ermöglicht und die Anzahl der Kreuzungspunkte im Streckenverlauf reduziert“, berichtet der Magistrat.

Radschnellweg: Nutzung vorhandener Wege möglich

Auch die bahnnahe Führung der Trasse und die Nutzung vorhandener Wege entlang der Bahn und nördlich der Bahnhofstraße sei möglich. „Ein aufwendiger Umbau der Kurt-Schumacher-Straße entfiele. Es gäbe keine Konflikte dort wegen entfallender Parkplätze oder Eingriffen in den Grünbestand der Kurt-Schumacher-Straße. Ebenfalls ist ein direkter Anschluss an den Dreieicher Abschnitt im Süden möglich“, listet der Magistrat auf.

„Den höheren Kosten durch die Querungsbauwerke stünden Ersparnisse gegenüber, weil die Kurt-Schumacher-Straße nicht umgebaut werden müsste“, ergänzt Hunkel. „Wir werden Kosten und Nutzen sorgfältig abwägen und dem Stadtparlament zur Beschlussfassung vorlegen.“

Für die Planung und Umsetzung der Radschnellverbindung stehen im Stadt-Etat rund 3,3 Millionen Euro bereit. Das Land Hessen fördert die Planung und den Bau mit einer Förderquote von 70 Prozent. Wenn die konkrete Planung für den Abschnitt vorliegt, wird sie als Gesamtkonzept den Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt. (hov)

Einige Anwohner sorgten sich bereits wegen Radschnellwegs zwischen Frankfurt und Darmstadt. Sie forderten einen Kompromiss.

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