Biontech/Pfizer

Corona-Impfung: Verzweifeltes Warten auf die zweite Dosis – „Ich bin langsam wirklich sauer“

Aufgrund von Liefer-Engpässen wartet eine Frau aus Neu-Isenburg verzweifelt auf ihre zweite Impfung. Ist die Lücke zu groß, ist die erste Impfung nicht mehr wirksam.
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Aufgrund von Liefer-Engpässen wartet eine Frau aus Neu-Isenburg verzweifelt auf ihre zweite Impfung. Ist die Lücke zu groß, ist die erste Impfung nicht mehr wirksam.

„Ich telefoniere mir seit Tagen die Finger wund und bekomme einfach nicht geholfen“. Eine Neu-Isenburgerin ist verzweifelt auf der Suche nach ihrer zweiten Biontech/Pfizer-Impfung.

Neu-Isenburg - Hanßum ist 68 Jahre alt, Prioritätsgruppe zwei, und hat ihre erste Spritze am 8. April bei ihrem Hausarzt Dr. Thomas Trepels verabreicht bekommen. „Ich hatte darauf vertraut, dass nach vier bis sechs Wochen die zweite Impfung erfolgt. Doch jetzt sind schon sieben Wochen um, und ich habe immer noch keinen vollständigen Impfschutz“, ist sie besorgt. Beim Praxisteam von ihrem Hausarzt bekam sie bei Anfragen via Telefon oder auch persönlich nur die Ansage, dass es derzeit keinen Impfstoff gebe. Beim Kreis Offenbach, im Impfzentrum in Heusenstamm, ist sie gescheitert, weil dort nur die Menschen eine Impfung erhalten, die die erste und zweite Impfung über das Land Hessen eingebucht haben.

„Ich bin langsam wirklich sauer, ich habe den Eindruck, dass meinem Arzt die Testzentren und das Impf-Drive-In wichtiger sind als langjährige Patienten“, sagt die Isenburgerin. Über ihre Krankenversicherung, die Ärztevereinigung, bei Bürgermeister Herbert Hunkel bis zum RKI habe sie sich durchtelefoniert – bislang ohne Erfolg.

Fehlender Impfstoff in Neu-Isenburg: Kein Einzelfall

Sie hat dabei erfahren, dass eigentlich bei der ersten Impfung schon ein Termin für die zweite Impfung vorliegen müsse. „Falls die Erstimpfung zu lange her ist, müsste ich eine Impfpause machen, und könnte erst in vier bis sechs Monaten mit der Erstimpfung wieder beginnen“, hat sich Christa Hanßum informiert, „ich habe schon Magenschmerzen und kann nicht schlafen, weil es mich so belastet“.

Auf Nachfrage bestätigt Kreis-Pressesprecherin Ursula Luh, dass im Impfzentrum in Heusenstamm tatsächlich nur die Patienten eine zweite Impfung bekommen, die dort die Erstimpfung erhalten haben. „Danach wird der Impfstoff eingeplant – weitere Impfdosen stehen nicht zur Verfügung“, erläutert Luh. Es sei die Sache der Hausärzte, die Impfstoffe so einzuteilen, dass alle Patienten eine zweite Dosis erhalten. Die ständige Impfkommission gebe einen Abstand der beiden Impfungen mit maximal sechs Wochen an. Dr. Thomas Trepels kann die Verunsicherung seiner Patientin verstehen – und sie sei auch kein Einzelfall.

„Bei uns in der Praxis wurden die Arzthelferinnen schon ganz übel beschimpft“, sei die Impfung gegen das Corona-Virus ein hochemotionales Thema. „Aber was sollen wir denn machen, wir haben in der vergangenen Woche überhaupt gar keine Biontech-Impfdosen bekommen und in der Woche davor nur sechs Spritzen. Ich habe schon zwei Wochen keine Erstimpfungen mit Biontech mehr verabreicht“, erklärt der Mediziner.

Neu-Isenburg: Liefer-Engpass von Impfstoff an Hausärzte

Grundsätzliche gebe es von der Politik die Zusage, dass die Hausärzte ausreichend Impfstoff erhalten: „Das stimmt bestimmt auch auf lange Sicht, aber im Augenblick gibt es einen Engpass. Die Politik verkündet die Verteilung von einem Grizzly-Bärenpelz, aber tatsächlich kommt bei uns Hausärzten nur das Fell eines Koalas an“, sagt Trepels. Das sei derzeit ein großes Problem, dass nicht nur er habe; es gebe bereits einen Brandbrief des Hausärzteverbands an die Politik.

Dennoch kann er seiner Patientin Hanßum vorsichtig Hoffnung machen. Auch wenn die erste Impfung am 8. April gegeben wurde, sei es noch nicht zu spät für den zweiten Pieks in den Oberarm. Auch nach acht bis neun Wochen biete Biontech noch den nötigen Schutz. Seit zwei Wochen könne er überhaupt erst angeben, wie viele Impfdosen er für die Zweitimpfung benötige. In engem Kontakt mit seinem Apotheker, der den Impfstoff beim Großhandel bestellt, sei für die kommende Woche eine größere Lieferung des Impfstoffs angesagt. „Ich bekomme am Montagmittag die Bestätigung, wie viele Impfungen am Montagabend für uns zur Verfügung stehen“, sagt Dr. Trepels. Er hofft, er kann dann den Bedarf der dringenden Zweitimpfungen in seiner Praxis decken. (Nicole Jost)

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