Barockfest im Bansapark

Ein Auftakt wie aus dem Bilderbuch

+
Spielen – das geht auch ganz ohne Strom, Computerbildschirm und Konsole: Das Vierfarben Saxophon Quartett verzaubert nicht nur Kulturbüro-Chefin Bettina Stuckard (Mitte), die sich stilecht gekleidet präsentiert, sondern auch die Besucher.

Neu-Isenburg - Fürstlich-höfisches Flair im Bansapark, der Nachwuchs vergnügt sich im Holzspielepark und die Gäste lauschen einer Lesung mit Chantal Prinzessin zu Ysenburg: Es war eine charmante Reise in die Welt des Stadtgründers von Neu-Isenburg, Graf Johann Philipp von Ysenburg-Büdingen, die das barocke Sommerfest am Sonntagnachmittag bot.

Weitere Veranstaltungen wie Workshops und Vorträge rund um den 300. Todestag des Grafen folgen ab September. Das Festkleid ist angelegt, die zwölf historischen Holzspielstationen stehen bereit: Der Bansapark hat sich an diesem Sonntagnachmittag in einen Ort verwandelt, an dem sich das Lebensgefühl um 1718 erspüren lässt – diese Lebenslust und Hofkultur im Barock, die üppigen Feste, prunkvolle Gewändern, Musik und Lyrik; so wie es Stadtgründer Graf Johann Philipp von Ysenburg-Büdingen noch erlebt hat. Zu seinem 300. Todestag hat die Stadt eine Reihe von Veranstaltungen organisiert – deren Auftakt, das Barockfest, sich durchaus sehen lassen kann.

Hugenottenmädchen in schlichten Kleidern laufen durch die Reihen der Besucher, um ihnen für 50 Kreuzer einen rotbackigen Apfel und Zuckerstangen feilzubieten. Im Kontrast dazu gesellen sich fürstliche Gäste in aufwendigen barocken Roben dazu. Eine besonders schöne Stimmung entsteht, als das Vierfarben Saxophon Quartett ein für Saxofone eher atypisches Repertoire, nämlich zauberhafte Barockmusik von Vivaldi und anderen Meister dieser Zeit, im Pavillon erklingen lässt. Fürstlich bewirtet werden die Besucher drinnen in der Bansamühle vom Team des Babbelcafés; den leckeren Kuchen (der leider auch viele Wespen verführt) gibt’s indes zu sehr bürgerlichen Preisen.

Katharina beim Mühle-Spiel gegen ihre Mama Christine Wagner, Alexander Jungmann ist als Soldat kostümiert dabei.

„Wir wollten die an der Neu-Isenburger Geschichte interessierten Menschen auf die jetzt folgenden Veranstaltungen im Haus zum Löwen einstimmen“, erläutert Dr. Bettina Stuckard, wie die Idee fürs Barockfest entstanden ist. Die Leiterin des städtischen Kulturbüros selbst hat sich festlich gewandet und in die Korsage einer höfischen Dame geschnürt, eine passende Perücke aufgesetzt und einen Fächer in der Hand. Christian Kunz, der Leiter der Isenburger Museen, hat als höfischer Angestellter kostümiert ein kleines „Museum im Park“ aufgebaut: An seinem Stand können die Kinder in einer kleinen Druckwerkstatt schreiben wie vor 300 Jahren, mit Feder und Tinte, und das Schriftstück am Ende noch mit einem Siegel versehen. Da macht sich der ein oder andere zwar die Finger dreckig, doch Spaß haben alle dabei sichtlich.

Bereits am Vortag ist Jürgen Hohenwald, Geschäftsführer des Unternehmens Spiel- und Erlebniswelten mit Sitz in Borgsdorf bei Oranienburg, mit einem Lastwagen voller Holzspielzeug nach Neu-Isenburg angereist. Zwölf Riesen-Spielstationen laden im Park zum Mitmachen ein, die Besucher versuchen sich an Trou Madame, Französischem Tischkegeln oder den Hängenden Kugeln. „Das Majong kennen die jungen Besucher nur als Computerspiel“, erzählt Hohenwald.

Neun Klöster für eine spirituelle Auszeit

Im Märchenzelt können die Kleineren derweil spannenden Schilderungen des Märchenerzählers lauschen. Ein Höhepunkt und eine Attraktion für sich ist auch der Besuch von Chantal Prinzessin zu Ysenburg, die im Trauzimmer der Bansamühle vor vollen Stuhlreihen einem überwiegend älteren Publikum aus der 1000-jährigen Geschichte des Hauses Ysenburg erzählt.

Auch das Wetter zeigt sich recht „fürstlich“, und so wird es ein wirklich schönes Barockfest. Bei dem nicht nur viel lokale Politprominenz anzutreffen ist, sondern sogar ein Lokalpolitiker in spezieller Uniform: Alexander Jungmann präsentiert sich in einer selbst entworfenen, blau-gelben Uniform.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare