Bauprojekte sind im Dornröschenschlaf

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Mahnende Pfeiler auf dem Güterbahnhof-Areal: Seit Mai 2008 tut sich dort gar nichts mehr.

Neu-Isenburg - Vor zwei Jahren sah alles noch ganz anders aus. Da konnte auf dem Gehespitz-Gelände der Hockenheimer Investor Jürgen Harder zusammen mit Stadt- und Firmenvertretern mit der Grundsteinlegung für das Siemens „World Distribution Center“ den Startschuss für seine weitere Entwicklung des ehemaligen Holzmann-Geländes zum Logistik-Zentrum geben.

Und die Stadt hatte das Güterbahnhofareal von der Bahn gekauft und den holländischen Investor Geeris mit ins Boot geholt, der das Gelände entwickeln wollte, dort zwei Tiefgaragen für Autohäuser und eine Spielothek baute, die aus dem Shop West des Isenburg-Zentrums dorthin umzog. Und den Shop West und das darüber liegende Hochhaus hatte Geeris gekauft, um sie zu sanieren.

Doch heute ist wieder alles ganz anders: Diese Bauprojekte liegen im Dornröschenschlaf - nicht zuletzt auch wegen der Wirtschaftskrise.

Bereits gegen Ende des vergangenen Jahres hat sich offenbar Investor Harder von dem 53 Hektar großen Gehespitz-Gewerbegebiet verabschiedet und schon zuvor an die Immobiliengruppe ING Real Estate veräußert. Jürgen Harder habe zuletzt nur noch eine Maklerfunktion inne gehabt, weiß Bürgermeister Oliver Quilling, der sich damals zusammen mit Erstem Stadtrat und Kämmerer Herbert Hunkel zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen von diesem „Filetstück mit Erreichbarkeit ohne Ortsdurchfahrt“ erhofft hatte.

Außer einem Parkhaus für die Firma „Tourcare“, die einen Parkservice für Fluggäste anbietet, einer Lagerhalle und dem Siemens-Logistik-Zentrum hat sich aber nichts Wesentliches mehr getan. Auch das angebliche Interesse der Radeberger-Gruppe/Binding an der Gehespitz als Gelände für eine neue Brauereianlage gehört eher in den Bereich der Gerüchte oder der Taktik-Spielchen des Brau-Konzerns im Poker um einen neuen Standort. Die einstige Harder-Ära auf dem Grundstück wird jetzt jedenfalls nur noch abgewickelt. Eine Stellungnahme von Harder war trotz Anfrage nicht zu erhalten.

Auch Isenburger Firmen, für die eigens ein Areal im Westen des Gehespitz-Geländes vorbehalten ist, waren zum Bedauern des Ersten Stadtrates bisher „sehr zurückhalten“, was die Nachfrage angeht. Doch da könnte es vielleicht einen Lichtblick geben. Ein Zeppelinheimer Unternehmen, dass - so Hunkel - „aus allen Nähten zu platzen droht“, habe möglicherweise Interesse an einem Umzug an die Gehespitz. Es habe schon erste Gespräche gegeben.

Im Dornröschenschlaf befindet sich auch das Gewerbegebiet Gehespitz, aus dem sich Investor Jürgen Harder 2008 zurückgezogen hat.  Foto: Sauda

Der neue Gehespitz-Eigentümer, die ING-Gruppe, wolle zudem die bestehende Lagerhalle in Richtung Norden bis Höhe alte Bahnhofstraße verlängern und noch in diesem Jahr ein zweites Gebäude auf dem Gelände errichten.

Was sich insgesamt auf dem Areal tut oder auch nicht, wie sich die Stadt dort die weitere Entwicklung vorstellt - das will die SPD-Fraktion über eine Anfrage an den Magistrat nun genau geklärt wissen.

Ähnliches gilt auch für das Güterbahnhof-Areal, wo seit Mai 2008 ein Baustopp durch die Kreisbauaufsicht gilt. Der geplante Autohaus-Bau, unter anderem mit dem Autohaus Oestreich, hatte sich aus internen Gründen zerschlagen. Seitdem sind Investor Geeris und seine örtliche Verwaltungsgesellschaft Romano Real Estate mit Geschäftsführer Rob Lange auf der Suche nach neuen Interessenten für das Gelände, das von der Planung her auf zwei Autohäuser ausgerichtet war. Das Fuldaer Tegut-Lebensmittel-Handelsunternehmen hatte anscheinend seine Fühler ausgestreckt. „Doch da hat man schon lange nichts mehr von gehört“, weiß Hunkel.

Stillstand bei den Sanierungs- und Umbauarbeiten herrscht seit Sommer 2008 im Shop West des Isenburg-Zentrums (linkes Foto). Die Läden sind entkernt, doch richtig los gehen kann es erst, wenn 60 Prozent der Shops vermietet sind.

Von allen Sorgen bei der Interessenten-Suche befreien könnte Geeris die Idee aus dem Magistrat, statt der notwendigen Sanierung des Rathauses in der Hugenottenallee einen Neubau auf den Tiefgaragen am Güterbahnhof zu errichten (wir berichteten). Problem dabei: Man hätte keinen Keller in dem mindestens vier Etagen hohen Verwaltungsneubau, er wäre zudem zu schwer für die Statik der Tiefgaragen, die auf ein „leichtes“ Autohaus ausgerichtet sind. Eine Nachbesserung der Fundamente und Mauern würde erheblich teurer als eine Sanierung, für die man noch Mittel aus dem Bundes-Konjunkturprogramm II anzapfen könnte. „Und die Beton-Untersuchungen am Rathaus sind gar nicht so schlecht ausgefallen, wie wir befürchtet hatten. Außerdem ist das Gebäude für die Hugenottenallee doch prägend. So etwas reißt man nicht gerne ab“, sagt Hunkel.

Geeris muss also vermutlich weiter suchen. Dies gilt auch für den von ihm gekauften Shop West samt Bürohochhaus darüber. Sanierung und Umbau stagnieren derzeit, weil erst die Hälfte der künftigen Mieter gefunden ist, aus Finanzierungsgründen aber 60 Prozent nötig seien, wie es seitens der Romano Real Estate hieß. Diese Quote will man nun aber bis Juni schaffen.

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