Gastmahl für Frieden und Toleranz gehen Hand in Hand

Tag der Nationen: Begegnungen ermöglichen

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Mit großem Aufgebot und fröhlichen Tänzen sorgte die Folkloregruppe des Kroatischen Vereins für Aufsehen auf dem Rosenauplatz.

Neu-Isenburg - Graue Wolken, buntes Treiben: Obwohl das Wetter mal wieder nicht so ganz mitspielen wollte, war der Tag der Nationen auf dem Rosenauplatz ein Fest der Vielfalt. Hand in Hand damit ging diesmal ein „Gastmahl für Frieden, Toleranz und Mitmenschlichkeit“.

Die Premiere der von der Stadt initiierten besonderen Ehrung für Integrationsinitiativen kam an. Exotische Gerüche wehen durch die Luft, Musik aus vielen Ländern ist zu hören: Der „Tag der Nationen“ spricht auch diesmal alle Sinne der Besucher an. Diverse ausländische Vereine und Gruppen mischen mit bei diesem ersten Höhepunkt der Woche der Toleranz und Mitmenschlichkeit. Und nicht nur das freut Sarantis Biscas. Für den Vorsitzenden des Ausländerbeirats war es schon mal ein großer Erfolg, dass die Veranstaltung aus der Fußgängerzone wieder auf den Rosenauplatz zurückgekehrt ist. Denn in der Bahnhofstraße, so seine Beobachtung, seien einfach zu wenig Leute gekommen. „Hier hingegen kommen auch Gäste spontan aus dem IZ und wollen sehen, was hier los ist“, so sein Eindruck.

„Einheit in der Vielfalt“: Die iranische Künstlerin Parvaneh Sheikh Zeineddin (links), die in Heusenstamm lebt, hatte diese schöne Kunstaktion initiiert, bei der die Kinder kreativ werden durften.

In Neu-Isenburg leben Menschen aus mehr als 120 Nationen zusammen. Mit der Woche der Toleranz will die Stadt auf diese Vielfalt aufmerksam machen und für vertrauensvolles Miteinander werben; so auch mit dem Nationen-Tag. Zur Eröffnung dieses Multi-Kulti-Fests ist diesmal auch der Generalkonsul der Republik Kroatiens, Vladimir Duvnjak, und weitere Prominenz angereist. „Wir setzen die gute Tradition unserer Gründer, die als Fremde hierher kamen, fort und leben sie in auch in unserer Gemeinschaft“, betont Bürgermeister Herbert Hunkel zur Begrüßung. An den meisten Ständen ist jeweils eine Nation, eine Religionsgemeinschaft oder ein Verein vertreten. Beim Klub Srbija dreht sich ein Spanferkel am Spieß, beim Griechischen Verein gibt es traditionelle Speisen in Traubenblätter gewickelt, dazu leckeres Schafsfleisch – und zur Verdauungsanregung einen Ouzo. Köfte oder Börek, Halva oder Baklava, dazu einen frisch gebrühten Pfefferminztee – so lässt sich der Speiseplan gestalten an diesem Samstag.

Eine ganz besondere Idee, um „unsere Welt“ zu bewahren, hat die aus dem Iran stammende Künstlerin Parvaneh Sheikh Zeineddin: Sie malte die Weltkugel, getragen von vielen unterschiedlichen Händen, auf einer Leinwand vor, Kinder können nun beim Fest viele bunte Schmetterlinge darauf ausmalen. „Auf unserer Erde leben unterschiedliche Menschen. Wenn wir aufeinander zugehen, schaffen wir gegenseitiges Vertrauen und Verständnis“, so ihre Botschaft. Mancher Standbetreiber hätte sich zwar größeren Zuspruch gewünscht. Doch die, die mitfeiern, genießen Essen und auch Tanz und Musik. Die Gitarrengruppe der Flüchtlingshilfe erhält ebenso Beifall wie die Tanzdarbietungen des Kinder- und Familienzentrums Gartenstraße. Am Ende reihen sich alle in den griechischen Nationaltanz „Sirtaki“ ein – und das Bild eines friedlichen Miteinanders der Kulturen ist da.

Am Abend geht dann nebenan in der Hugenottenhalle das erste „Gastmahl für Frieden, Toleranz und Mitmenschlichkeit“ über die Bühne. Die Idee der Initiatoren bei der Stadt: „Wir wollten Bürger, die sich mit großem Engagement für die Integration ausländischer Mitbürger eingesetzt haben, einfach mal alle an einen Tisch bringen und auf besondere Weise ehren“, erklärt Kulturdezernent Theo Wershoven. Weil aber leider nicht alle Engagierten an so eine Tafel passen, hatte eine Jury aus Vorschlägen der Isenburger für die Premiere 25 Gäste ausgewählt. Darunter auch Vertreter von zwei Unternehmen: Kempinski-Hotel und Café Ernst. Beide hatten Geflüchteten recht schnell eine Arbeit angeboten, und Hoteldirektorin Karina Ansos und Andreas Schmidt, Geschäftsführer von Café Ernst, berichten nun über gute Erfahrungen.

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Besondere Ehrung für Integrationsinitiativen: Die Gäste an der langen Tafel beim Gastmahl für Frieden, Toleranz und Mitmenschlichkeit in der Huha, zu dem die Stadt eingeladen hatte.

Nach einer akustischen Kunstperformance begrüßt Wershoven die Gäste und erläutert die Idee. Das Gastmahl sei in allen Epochen und Kulturen ein starkes Sinnbild für eine friedliche Gesinnung und die Bereitschaft gewesen, sich zu verständigen. Wershoven spricht auch darüber, dass die Stadtgesellschaft vielfältiger und komplexer geworden sei, auch in Isenburg lebten inzwischen viele Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, Kulturen und Lebensstilen. „Mit dem Gastmahl möchten wir ein Zeichen setzen und kundtun, dass wir uns auch künftig dieser Verantwortung sehr wohl bewusst sind und dass wir auf die Unterstützung, Toleranz und Solidarität vieler Menschen weiterhin angewiesen sind“, so der Gastgeber.

Ein Stuhl bleibt an der langen Tafel jedoch leer, und zwar der von Sarantis Biscas. Grundsätzlich hatte zwar auch er die Idee des Gastmahls begrüßt; jedoch wäre es ihm lieber gewesen, die Veranstaltung hätte nicht bereits um 18 Uhr begonnen, wenn der Tag der Nationen noch in vollem Gange ist, sondern erst um 20 Uhr; oder wäre gar auf einen anderen Tag verlegt worden. Und so bleibt Biscas am Samstag lieber dort, wo er aus seiner Sicht mehr gebraucht wird; nämlich draußen beim Nationen-Fest, das noch bis 22 Uhr läuft.

Von anderen Isenburgern kommt indes viel Lob für das Gastmahl. „Es war eine tolle Veranstaltung in einem schönen Rahmen“, erzählt etwa Gerhard Gräber am Tag danach. Natürlich hätten die Veranstalter eine Auswahl treffen müssen, „aber wir waren uns alle einig, dass es noch viel mehr Leute gibt, die eine Ehrung verdienen“. (lfp)

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