Beim Ausblick auf die Herausforderungen für 2018 steht das Quartier Süd im Fokus

Neue Heimat für 2600 Menschen

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Heute Pfütze, in Zukunft Quartiersplatz: Hier im Rücken des Geländes der Branntwein-Bundesmonopolverwaltung soll ein urbaner Treffpunkt für das Quartier Süd entstehen.

Neu-Isenburg - Quartier Süd, Stadtumbau, Planungswerkstatt zur Gestaltung der Friedhofstraße: Mehrere große Bauprojekte und andere dicke Brocken stehen der Stadt 2018 ins Haus.

Sehr große Herausforderungen also, aber auch sehr große Chancen für die Stadt, für mehr Wohnraum und Lebensqualität, wie man im Rathaus betont. „Besser, wir haben solche Probleme im Sinne von Herausforderungen, als immer nur den Mangel zu verwalten“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel beim Pressetermin zum Ausblick auf 2018. Es sei sehr gut für die Stadt, dass sie diese Chancen habe. „Wir wollen gemeinsam mit den Bürgern an den großen Projekten arbeiten, den begonnenen Weg der umfangreichen Bürgerbeteiligung fortsetzen und gemeinsam die Stadt entwickeln, in der wir alle leben wollen“, verspricht der Verwaltungschef.

Projekte gibt es zahlreiche dafür. Fürs Neubaugebiet Birkengewann sind die planerischen Arbeiten so gut wie abgeschlossen, die Bebauung schreitet mittlerweile voran.

Diesen Teil der Stadt erkennen Sie gar nicht? Kein Wunder – denn es gibt ihn so ja auch noch nicht. Die Fotomontage zeigt, wie das Stadtquartier Süd nach derzeitigem Stand der Rahmenplanung einst aussehen soll. Rechts ist die Frankfurter Straße zu sehen, oben rechts das IZ, links die Hugenottenallee samt „Ampel-Ei“-Kreisel.  

Mit der ersten Rate von 618.000 Euro aus dem Städtebauförderungsprogramm „Stadtumbau Hessen“ gab es vom Land nicht nur einen erfreulichen „Vorschuss“, sondern die bedachten Kommunen müssen nun auch liefern. „Wir wollen mit einer intensiven Bürgerbeteiligung und einem Ideenwettbewerb ein Stadtentwicklungskonzept erstellen, das den öffentlichen Raum als Gesicht der Stadt gestaltet und die Innenstadt als Herz und Ort der Begegnung belebt“, beschreibt Hunkel die nächsten Schritte. Der Einzelhandel soll gestärkt, die Stadt durchgrünt, Brachflächen reaktiviert und die Potenziale für die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs genutzt werden. Stadtumbau bedeute nicht, „dass wir alles abreißen und neu aufbauen wollen, sondern eine zielgerichtete Verbesserung unter verschiedenen Gesichtspunkten“.

Ein Schwerpunkt liegt jedoch 2018 in der weiteren Entwicklung der großen Industriebrache in der Stadtmitte – dem künftigen Qartier Süd, das Politik und Verwaltung seit vielen Jahren beschäftigt. Etliche Schritte wurden schon getan, viele weitere – kleine und große – müssen noch folgen, bis das Mega-Stadtquartier Süd Wirklichkeit wird. Wohnraum für rund 2600 Menschen soll dort entstehen, im Mix mit einer „verträglichen“ Ansiedlung von weiterem Gewerbe. In Abstimmung mit dem Regionalverband wurde ein Schlüssel von 60 Prozent Wohnen und 40 Prozent Gewerbe festgeklopft. Die sich bereits dort befindlichen Industrieunternehmen, wie Dupont im Osten oder Netzband im Südwesten, sollen ihren Standort behalten. „Wir brauchen solche Unternehmen“, betont Hunkel – nicht zuletzt mit Blick auf die Gewerbesteuereinnahmen. Das ehemalige Gelände des DLB westlich der Hugenottenallee ging bereits in den Besitz der Westphal GmbH über, die dort nun ihren angrenzenden Gewerbepark erweitert.

Der ganze große Plan für die schöne neue Wohn- und Arbeitswelt Quartier Süd auf diesem Filetstück im Stadtkern kann allerdings natürlich nur aufgehen, wenn die verschiedenen Eigentümer der Grundstücke mitspielen. Nachdem der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mittlerweile steht (wir haben berichtet), wird der dickste Brocken der auszuhandelnde Erschließungsvertrag – will sagen: Wer zahlt was beim Bau von Straßen, Kanälen und Co.? Einige der unzähligen Verhandlungen, die schon geführt wurden, müssen ziemlich zäh verlaufen sein, das klingt gestern an.

Nicht gut abhaben kann Hunkel die Behauptung, es werde nicht genug getan in Sachen Bürgerbeteiligung und überhaupt tue sich zu wenig in Sachen Entwicklung des neuen Quartiers. Nach außen hin sei vielleicht 2017 nicht viel zu sehen gewesen, aber in den Amtsstuben und bei den Planern werde „geschafft, dass sich die Schreibtische biegen“. Verhandeln, planen, abstimmen mit übergeordneten Instanzen, Zielabweichungsverfahren mit den Regionalplanungsverband und und und...

Die Vorjahre wurden beherrscht von den Verhandlungen mit der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) bezüglich des Erwerbs des Geländes der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB). Nachdem ein Kauf des Geländes über die Stadt an die Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft nicht möglich war, kam die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau mit ins Boot. Mittlerweile scheint man sich so einig geworden zu sein. „Besonders erfreulich ist, dass sich die Gewobau in guten Vertragsverhandlungen mit der BImA befindet, um das Gelände der BfB zu kaufen“, heißt es gestern vom Magistrat. Mit dem 31. Dezember endete die Ära der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein.

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Das BfB-Gelände spielt in der Bebauung des Quartiers Süd eine bedeutsame Rolle. Neben der erhaltenswerten Backsteinfront soll im östlichen Gebäuderiegel, dort wo in den 1920er Jahren erstmals Frankfurter Würstchen „industriell“ hergestellt wurden, Raum für verschiedene Nutzungen entstehen. Dort, wo heute noch der gelbe Turm und das „Apparate-Haus“ stehen, soll ein achtgeschossiges Wohngebäude, das höchste des Quartiers, wachsen. „Insgesamt soll auf dem BfB-Gelände ein urbaner Treffpunkt mit öffentlichen, sozialen und kulturellen Einrichtungen und einer Markthalle und Gastronomie entstehen“, beschreibt Hunkel schon mal die Vision. Auf der anderen Seite des Quartiers wird ein Gebäuderiegel für Gewerbe die Wohnbebauung vor möglichem Lärm des DuPont-Werks abschotten.

Die Lage des Quartiersplatzes ist schon festgelegt, dessen Gestaltung jedoch noch nicht. Da sich der erste geplante Standort für eine Kita nicht realisieren ließ, wird dafür noch nach einer Alternativlösung gesucht.

Um auch die Bürger mit ihren Ideen und Wünschen einzubeziehen, wird es am 1. Februar (18.30 Uhr, Hugenottenhalle) eine weitere Infoveranstaltung geben. Auf der Tagesordnung stehen neben dem Baufortschritt im Birkengewann Infos zur geplanten Verlängerung der RTW und zum Quartier Süd.

Für 2018 kündigt der Magistrat außerdem eine Planungswerkstatt zur Gestaltung der Friedhofstraße an. Unter Leitung von Professor Jürgen Follmann von der Uni Darmstadt soll mit allen Beteiligten geplant werden, wie die Straße in Zukunft aussehen kann, um die Belange von Verkehrsteilnehmer und Anwohnern möglichst unter einen Hut zu kriegen. (lfp / hov)

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