Verein freut sich über Erweiterung durch Luftschiffkomponenten

Bereicherung fürs Zeppelin-Museum in Neu-Isenburg

Eine einzigartige Sammlung an Luftschiffkomponenten gehört nun dem Zeppelin-Museum.
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Eine einzigartige Sammlung an Luftschiffkomponenten gehört nun dem Zeppelin-Museum.

Die Geschichte der Luftschifffahrt lässt sich hautnah an beeindruckenden Exponaten im Zeppelin-Museum in Zeppelinheim erleben. Nun freuen sich die Macher über eine einzigartige Erweiterung durch Luftschiffkomponenten.

Zeppelinheim- Nach Jahren der Vorbereitung konnte nun ein Projekt des Vereins für Zeppelin-Luftschiffahrt Zeppelinheim zum erfolgreichen Abschluss gebracht werden: Teile von den ausgemusterten Goodyear-Luftschiffen, die im Zuge der Modernisierung der Luftschiffflotte in den USA abgewrackt wurden, für die Nachwelt zu erhalten. Denn die Teile entgingen nur knapp der Verschrottung. Dabei vermitteln sie in eindrucksvoller Weise den Aufbau der Blimps, wie die Prallluftschiffe in den USA auch genannt werden, und deren Größe. „Hätte damals nicht ein befreundeter Mitarbeiter der Zeppelin-Luftschifftechnik aus Friedrichshafen den entscheidenden Hinweis gegeben und ein Mitarbeiter der Goodyear Airship Operations umsichtig gehandelt, wären diese imposanten Exponate wohl für immer verloren gegangen“, ist sich Jens Schenkenberger sicher. Er ist Vorsitzender des Vereins und steht seit Jahren in engem Kontakt mit den amerikanischen Luftschiffbetreibern. Für ihn war dieses Projekt eine Herzensangelegenheit.

„Seit ich 2001 das erste Mal die Luftschiffbasis am Wingfoot Lake nahe Akron in Ohio besucht hatte, bin ich von der Luftschiffgeschichte des Unternehmens Goodyear fasziniert und versuche, diese lebendig zu halten“, berichtet Schenkenberger. Kaum jemandem sei bewusst, dass Goodyear nicht nur ein namhafter Reifenhersteller sei, sondern bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann, eigene Luftschiffe für Werbezwecke zu bauen und zu betreiben. Das Unternehmen kooperierte mit dem Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen und stellte somit auch dessen Fortbestand sicher. Später lieferte Goodyear weit über 100 Prallluftschiffe an die US Navy, welche während des Zweiten Weltkriegs erfolgreich Schiffskonvois vor deutschen U-Bootangriffen schützte. Nach dem Krieg nutzte das Unternehmen seine eigene Luftschiffflotte als Markenbotschafter für das Unternehmen, bis heute.

Die Prallluftschiffe Goodyears vom Typ GZ-20, von dem die Teile stammen, wurden erstmals 1969 in Dienst gestellt und waren bis 2017 im Einsatz. Ersetzt wurden die amerikanischen Blimps durch die modernen halbstarren Luftschiffe vom Bodensee, den Zeppelin NTs, die von der Zeppelin Luftschifftechnik gebaut werden.

Zu den Teilen gehören ein Landerad, Propeller, Helium-Ventile, Lufthutzen und auch ein Mastkopf, an den die Bugspitze der Luftschiffe verankert wurde. „Es ist faszinierend, diese einzigartigen technischen Exponate nun in unserem Museum den Besuchern zeigen zu können“, freut sich Christian Kunz, Leiter des Zeppelin-Museums. „Wahrscheinlich sind wir derzeit das einzige Museum außerhalb Nordamerikas, das über derartige Teile verfügt“, führt er weiter aus. „Zusammen mit dem Verein werden wir nun Konzepte erarbeiten, wie wir die Komponenten am besten der Öffentlichkeit zugänglich machen können.“ Einige der Exponate werden wohl auch im Zuge einer zukünftigen Sonderausstellung präsentiert werden, zwei Komponenten gehen an das befreundete Zeppelin Museum Friedrichshafen.

Die Teile erhielt der Verein für Zeppelin-Luftschifffahrt als Schenkung von Goodyear für die Museen. Die Kosten für die Verpackung und Transport für die Komponenten, die in Zeppelinheim verbleiben, übernahm der Verein. „Auch wenn diese Kosten nicht ganz unerheblich waren, ist das Geld gut angelegt“, ist sich Schenkenberger sicher. Denn wie oft kann man schließlich ein Stück Luftschiffgeschichte vor der Verschrottung retten?

Weitere Infos gibt es auf der Homepage. Dort findet sich auch ein 360-Grad-Rundgang.  hok

» zeppelin-museum-zeppelinheim.de

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