Imagefrage

„Besser als ihr Ruf“: Brüder-Grimm-Schule ist im Wandel

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Ganztagsbetreuung, individuelle Förderung und junge engagierte Lehrer – damit kann die Brüder-Grimm-Schule punkten. Einen Imagewandel verspricht sich das Kollegium auch vom Vorhaben des Kreises, die BGS zur Kooperativen Gesamtschule mit Gymnasialzweig umzuwandeln.

Neu-Isenburg - Heike Adam ist Leiterin des Realschulzweigs an der Brüder-Grimm-Schule – und optimistisch. Die Bildungsstätte an der Waldstraße sei viel besser als ihr Ruf, nur seien die vielen guten Angebote zu wenig bekannt. Das wollen Adam und ihr Kollege Jonas Volz nun ändern und die Qualitäten der BGS in einer Zeit, da die Schullandschaft im Wandel ist, offensiver in die Öffentlichkeit tragen. 

Jedes Jahr stehen viele Eltern vor der Frage, welche weiterführende Schule ihr Kind nach der Grundschule besuchen soll. Vor allem, seit der Gymnasialzweig weg ist, haben viele Familien die BGS nicht mehr unbedingt ganz oben auf der Wunschliste. Das wollen Heike Adam und Jonas Volz nun ändern und durch offensivere Öffentlichkeitsarbeit am Image der BGS arbeiten. Wenn sie sehe, was aus anderen Städten in der Region über das an Angeboten an dortigen Schulen in der Zeitung berichtet und gepriesen werde, dann denke sie sich immer wieder: „Das bieten wir doch seit Jahren bei uns an“, erzählt Adam. Ebenso wie Lehrerkollege Volz spricht sie offen die sich hartnäckig haltenden Image-Probleme der BGS an. „Ich bin begeistert von dieser Schule und mir bricht es schon fast das Herz, wenn ich höre, wie schlecht ihr Ruf ist“, sagt Volz. Denn das spürten die Kinder durchaus auch.

Endlich zu entkräften, ergänzt Adam, gelte es die „sich hartnäckig haltenden ominösen Gerüchte – man kann sie gar nicht richtig greifen“. So würde etwa von Schlägereien erzählt, sobald nur ein Polizeiwagen an der Schule parkt – dabei sei die Polizei nur für eine Unterrichtseinheit zum Thema Prävention zu Besuch gewesen. Sie habe in ihren zehn Jahren an der BGS nicht einen Fall einer Schlägerei erlebt, betont Adam. Frage man die Leute aber gezielt, ob sie schon einmal an der BGS waren und sich selbst ein Bild von den Angeboten dieser Haupt- und Realschule mit Förderstufe und der Zusammenarbeit der 35 Lehrer und 430 Schüler gemacht hätten, verneinten das die meisten.

„Um die Frage zu beantworten, welche Schule die Richtige ist, muss man sich das Angebot genau anschauen, denn jede Schule hat ihre Vorzüge“, betont das Kollegium. „Entgegen der weitläufigen Meinung, die Brüder-Grimm-Schule sei keine gute Schule“, haben die Lehrer fünf Gründe aufgeschrieben, mit denen sie den Eltern zeigen wollen, „warum die BGS eine gute Wahl ist“. Da sei erstens die Ganztagsbetreuung: „Zur Zeit befindet sich die BGS im Profil 1, was eine verbindliche Betreuung bis 15.15 Uhr gewährleistet – samt Frühbetreuung, Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, verschiedenen Nachmittagsangeboten aus den Bereichen Sport, Kunst, Tanz, Gartenarbeit, Werken und Gesundheit.

Ein „ganz wichtiger und besonderer Teil unserer Schule“, so Adam, sei zweitens die Förderstufe, die die BGS als einzige Schule in der näheren Umgebung anbiete. „Denn dort bekommen die Schüler zwei Jahre mehr Zeit, um sich zu entwickeln und zu entfalten, anstatt direkt nach der Grundschule eine Schulform zu wählen.“ Ein besonderer Stellenwert werde drittens der individuellen Förderung beigemessen. Viertens habe sich das Kollegium durch Pensionierungen in den letzten zehn Jahren stark verjüngt: „Die jungen Lehrkräfte bereichern durch ihr Wissen und Können neuer Unterrichtsmethoden sowie ihre Herangehensweisen den Schulalltag.“

Bilder: Einschulung 2017 in Dreieich und Neu-Isenburg 

Und schließlich werde an der BGS die Förderung einer „Schule als Wohlfühlort“ großgeschrieben und viel Wert gelegt auf die Entwicklung von Werten und Eigenschaften, die förderlich für die persönliche Entwicklung und die Gemeinschaft sind. „Selbstvertrauen, ein respektvoller Umgang, die Bereitschaft zu helfen und das Vermögen für Toleranz sind hier ebenso Lernziele.“ Wie das in der Praxis aussieht? In Fächern wie Soziales Lernen und Ästhetische Bildung lernen die Kinder sozial und kooperativ zu handeln, eigene Ideen zu entwickeln, umzusetzen und zu präsentieren. Bei Konflikten erhalten sie Unterstützung von den Streitschlichtern (Schüler ab Klasse sieben). In der Schüler-AG lernen sie selbstverantwortlich Projekte zu planen und umzusetzen. Als Beispiel nennt Adam Besuche in Seniorenheimen oder die Organisation von Festen. Gerade vorgestern gab es ein von Schülern organisiertes Fußballturnier und parallel als Alternativ-Offerte einen „Mädchennachmittag“.

Das Lehrer-Duo lädt alle Interessierten ein, vorbeizuschauen und sich vor Ort davon zu überzeugen, dass die BGS besser als ihr Ruf sei. Grund für Optimismus in Sachen Imagewandel gibt dem BGS-Kollegium auch die Tatsache, „dass Stadt und Kreis hinter uns stehen“. Natürlich sei auch der jüngst vorgelegte Schulentwicklungsplan des Kreises derzeit mit Blick auf die vielen zu erwartenden Neubürger in der Schule ein großes Thema. Wie berichtet, werden die Planungen des Kreises zur Umwandlung der BGS in eine Kooperative Gesamtschule mit gymnasialem Zweig auch von der Stadt begrüßt. Mit einem attraktiven Profil, das die Stärken des wohnortnahen Standortes herausarbeite, sieht man hier die größten Chancen, die Abwanderung von Isenburgern an andere Schulen im Kreis zu stoppen. Bereits jetzt haben sich die Schülerzahlen an der BGS stabilisiert und die Jahrgänge sind dreizügig.

Perspektivisch sei ein Anwachsen auf sieben Züge pro Jahrgang denkbar, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt zum Entwicklungsplan. Die Räumlichkeiten wären vorhanden. Nach Vorstellung der Stadt wäre es auch denkbar, einen Grundschulzweig an die BGS anzudocken. „Da wird gerade sehr viel überlegt, wir sind wirklich vielschichtig aktiv“ und die Schule sei auf dem Weg, sich neu aufzustellen, berichtet Adam. (hov)

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