JUGEND FORSCHT Für bessere Luft in den Städten

Zwei Schüler erhalten Sonderpreis für Konzept zur grünen Lärmschutzwand

Ihr No-Smog-Projekt stellten Nick Zobel (links) und Vincent Bukal vor. Dabei handelt es sich um eine aus Modulen zusammengesetzte bepflanzte Lärmschutzwand, die effizienter und effektiver als bisherige Konzepte sein soll.
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Ihr No-Smog-Projekt stellten Nick Zobel (links) und Vincent Bukal vor. Dabei handelt es sich um eine aus Modulen zusammengesetzte bepflanzte Lärmschutzwand, die effizienter und effektiver als bisherige Konzepte sein soll.

Nick Zobel und Vincent Bukal wollen für bessere Luft in den Städten sorgen. Dafür haben die beiden 15-jährigen Schüler das Projekt „No Smog“ entwickelt, mit dem sie bei „Jugend forscht“ ausgezeichnet wurden.

Neu-Isenburg – Begrünte Lärmschutzwände finden sich entlang von Autobahnen und viel befahrenen Straßen wie beispielsweise an der südlichen Stadtausfahrt von Neu-Isenburg, wo die Wohnhäuser im Buchenbusch vor Lärm geschützt werden sollen. Doch nicht immer gibt es so viel Platz und entsprechenden Boden für eine Bepflanzung.

Die beiden Neu-Isenburger sind engagierte Umweltaktivisten und haben nun ein eigenes System entwickelt, mit dem die Luftqualität in Städten und stark besiedelten Regionen verbessert werden soll. Zudem kann ein Beitrag zum Lärmschutz geleistet werden. Die beiden Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Frankfurt erklären die Funktionsweise ihrer „Erfindung“. „Wir haben heute für die Präsentation eigens vier Stunden frei bekommen, dann müssen wir wieder in der Schule sein“, blickt Vincent Bukal zu seiner Mutter, die als Taxifahrerin eingesprungen ist.

Aktuell prägen viel Beton und wenig Grünflächen das Bild vieler Städte. Die negativen Folgen sind bekannt: Die Luftqualität sinkt. Denn ohne Pflanzen können Schadstoffe wie Stickoxide nicht gebunden werden und CO2 nicht in Sauerstoff umgewandelt werden. Ein weiteres Problem wachsender Metropolen ist, dass immer mehr Wohngebiete neben Straßen entstehen, verbunden mit einer starken Lärmbelastung für die Anwohner. Auf alle diese Aspekte möchten die Jugendlichen mit ihrem Projekt reagieren.

Hinter „No Smog“ verbirgt sich eine bepflanzte Lärmschutzmauer, „die in Punkten wie Effizienz und Effektivität bisherige Konzepte übertrifft“, meint Vincent Bukal selbstsicher und verweist auf Mooswände, die recht aufwendig in der Pflege und zu teuer bei der Erneuerung der Bepflanzung sind. „Selbst an bepflanzten Wänden von Hochhäusern, die automatisch bewässert werden, vertrocknen die Pflanzen, wenn der Regenwassertank leer ist“, erklärt Nick Zobel. Die Schüler setzen auf eine intelligente Bewässerung, bei der diese ständig von Feuchtigkeitssensoren überwacht wird. „Versorgt wird unser System durch an der Mauer angebrachte Solar Panels und durch einen mit Regenwasser gespeisten Tank“, erklärt Nick Zobel. Sensoren messen den Feuchtigkeitsgehalt und steuern so den Bedarf an Bewässerung.

„Die Bepflanzung selbst wird durch ein Modulprinzip an der Mauer angebracht, so können diese oder auch nur Teile – entsprechend den Jahreszeiten – einfach ausgetauscht werden“, beschreibt Vincent Bukal die Konstruktion aus Stahlrahmen und Drahtgeflecht. Dabei wird auf Pflanzen gesetzt, die am effizientesten sind. Hauptziel ist die Luftreinigung. „Diese No Smog-Module können nicht nur entlang von Straßenzügen, sondern auch an Plätze platziert werden.“ Durch die Ergänzung von Sitzbänken können grüne Oasen entstehen. „Mit entsprechendem Gewicht versehen, ist unsere No Smog-Komponente sogar als Schutz vor Terror-Attacken einsetzbar“, so Nick Zobel. Beim Dienstleistungsbetrieb (DLB) hat sich das Duo über geeignete Pflanzen für das Projekt erkundigt. Mit rund 2 000 Euro kostet „No Smog“ zudem nur ein Zehntel bisheriger Modellen, die mit rund 25 000 Euro zu Buche schlagen.

Erste Erfolge können die beiden Schüler auch schon aufweisen. So erhielten sie im Regionalwettbewerb von „Jugend forscht 2019“ den ersten Preis sowie den Sonderpreis für Umwelttechnik. Im Landeswettbewerb freuten sich über den dritten Preis und den Sonderpreis Klimaschutz, verliehen vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

Ein Prototyp soll nun auf dem Schulgelände in Frankfurt entstehen. Bürgermeister Herbert Hunkel zeigt sich spontan so angetan, dass auch für Neu-Isenburg Überlegungen zu einem Prototyp angestellt werden. 
VON LEO F. POSTL

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