Besuch bei Eva Jacob von den Jacob Sisters

Die Sonne im Herzen geht nicht unter

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Die quirlige Sängerin erzählt im heimischen Wohnzimmer auch, warum ihr Pudel heutzutage nur noch einer aus Stoff ist.

Neu-Isenburg -  Sie ist eine kleine Frau und lebt in einer kleinen Wohnung. Dabei gehörte sie mit ihren drei Schwestern mal zu den ganz Großen. Als „Jacob Sisters“ jetteten sie durch die Welt. Von Enrico Sauda 

Sie trafen die wichtigsten Männer und Frauen; und so hat Eva Jacob viel aus ihrem bewegten Leben zu erzählen. Ein Besuch bei der in Neu-Isenburg lebenden Entertainerin, die vor Kurzem 75 geworden ist – und nach wie vor die Sonne im Herzen trägt. Eva Jacob muss nicht lange suchen. Schon hat sie Fotos parat, die sie, ihre Schwestern Johanna, Rosemarie und Hannelore mit dem Schauspieler und Frank-Sinatra-Kumpel Sami Davis Jr., dem Jazz-Trompeter Louis „Satchmo“ Armstrong, dem Magier-Duo Siegfried und Roy oder dem Showmaster Thomas Gottschalk zeigen. Unvergessen ihr „Gartenzwerg-Marsch“. Doch das ist alles lange, lange her. Hannelore starb vor ziemlich genau zehn Jahren und vor ungefähr drei Jahren folgte ihr Johanna. Außer Eva lebt noch Rosi. „Ich träume viel von ihnen“, sagt Eva Jacob.

Und sie steckt voller Energie. Obwohl – oder gerade weil – sie vor Kurzem ihr 75. Wiegenfest feierte. Allerdings ohne viel Brimborium. Leise. „Die Kinder wollten mich für sich alleine haben“, sagt sie. Zwei hat sie. Und wieder dauert es nicht lange, da holt sie ein Hochzeitsbild hervor. „Das bin ich mit meinem Mann. Aber er ist leider schon lange tot. Nur 32 Jahre ist er alt geworden.“ Geheiratet habe sie danach nicht mehr. „Ich hatte reihenweise Anfragen“, sagt sie. Der richtige wollte einfach nicht kommen. „Die Kinder gingen immer vor.“ Auch deshalb war sie ganz glücklich über diese ruhigere Geburtstagssause. Nicht so wie bei ihrem runden Geburtstag, ihrem 70. Damals ließ sie es im Partyviertel Sachsenhausen so richtig krachen. Im dortigen Hooters, mit vielen Gästen, Tanz und Ständchen.

Aber niemand soll denken, dass Eva Jacob leiser geworden ist. Sie steckt noch voller Tatendrang. Um das zu unterstreichen, schiebt sie eine handbeschriftete CD in den Schlitz des Abspielgerätes. „Es ist mein neuer Song“, sagt sie. Und der Titel spricht Bände: „Ich möcht’ noch einmal nach New York“. In dieser Metropole habe sie die schönste Zeit ihres Lebens verbracht, sagt sie.

Dabei hat sie doch so viel erlebt. Auch in den vergangenen Jahren war sie noch sehr aktiv. So trat sie bei der „Comedy Goes X-Mas“ -Show in der Jahrhunderthalle auf, lief unlängst beim Christopher-Street-Day (CSD) in Frankfurt mit. Sprang auch für die erkrankte Ingrid Steeger am Tag nach dem CSD-Umzug ein. Und natürlich, wer will’s vergessen, war sie Teilnehmerin der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“. Das ist sieben Jahre her. „Das Camp damals hat mir gut getan“, sagt die Dschungelcamperin im Rückblick. „Ich habe gelernt, mich durchzusetzen und selbstbewusster zu werden.“ Sie schaut sich in ihrem Wohnzimmer um. „Mir geht’s gut“, sagt sie. Aber sie vermisst etwas. „Ich brauche meine Fans.“ Dann kramt sie kurz und holt einen Brief und Fotos hervor. Es ist ein Fanbrief. Von einem 15-jährigen Jungen, der sich auf die Spuren der Jacob-Sisters begeben hat. Er war in ihrer sächsischen Heimat. Hat sich vor allen Orten und Häusern ablichten lassen, die wichtig für das Mädchen-Quartett waren. Schreibt, wie wichtig ihm ihre Musik sei. Dass es heute solche Menschen wie sie nur noch selten gäbe. „Das ist doch so rührend“, freut sich Eva Jacob.

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Sie lebt viel von ihren Erinnerungen. Die ganze Wohnung ist voll davon. Aber Stillstand – nein, das sei partout nichts für sie. „Ich bin nicht mehr so viel unterwegs wie früher. Bin reifer, aber nicht älter geworden“, ulkt sie. „Ich brauche Action. Einfach, um fit zu bleiben.“ Und sie tut viel. Nicht nur reisen und auftreten. Sondern sie kocht. Sie sammelt Puppen. Sie liebt Pflanzen. Hat ihren eigenen, kleinen Dschungel auf dem Balkon. Ihre Lieblingsblumen sind Orchideen.

Und doch fehlt ihr noch etwas. Ihr Pudel. Jede der vier hatte einen. Einen weißen. Sie waren so etwas wie ihr Markenzeichen. „Wir sind doch mit Tieren groß geworden“, erinnert sich Eva Jacob. „Wir hatten Katzen, Hunde, sogar ein Schwein.“ Doch nachdem der letzte wegen Krebs starb, wollte sie keinen mehr. Nur einer aus Stoff steht in ihrem Wohnzimmer. Der kann nicht sterben.

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