Das Einleben erleichtern

Flüchtlingsunterkunft: Für 48 Bewohner hat der Alltag begonnen

Neu-Isenburg - Mitte Dezember sind die ersten Flüchtlinge aus der Unterkunft in der Sprendlinger Damaschkestraße nach Gravenbruch gezogen. Mittlerweile leben sich in der Meisenstraße 48 Bewohner ein.

Ihr erster Ansprechpartner ist der Sozialarbeiter Christoph Joschko, der gestern auf Einladung der Stadt eine erste Bilanz zieht. Und für heute zum Kennenlern-Kaffee einlädt. Insgesamt sieben Familien mit 25 Personen, darunter neun Kinder, sowie 23 junge Männer zwischen 18 und 40 Jahren leben derzeit in der neuen, vom Kreis Offenbach betriebenen Gemeinschaftsunterkunft, informiert Joschko. Als Sozialarbeiter in Diensten des Diakonischen Werks ist er für die Betreuung zuständig. Sie alle seien aus Dreieich nach Gravenbruch gekommen.

Leiter der Unterkunft ist Sozialarbeiter Christoph Joschko, der die meisten Flüchtlinge auch schon in Dreieich begleitet hat.

In den drei Stockwerken sind pro Etage jeweils zwei Familien untergebracht sowie zwei Achtbett-Zimmer für Alleinstehende, berichtet der 31-Jährige, der auf Einladung der Stadt gestern in der Magistratspressekonferenz zu Gast ist. Eine Familie wohnt alleine im obersten Stock. Die gemeinsame Küche und ein Essraum im Souterrain werden von allen Bewohnern genutzt. Es gibt kein Catering, die Menschen bereiten ihr Essen selbst zu. Joschko ist nicht nur Leiter der neuen Unterkunft, er hat die meisten Flüchtlinge auch schon in Dreieich begleitet. Und bringt viel Erfahrung mit. Seit mehr als einem Jahr arbeitet er bei der Diakonie in der Flüchtlingshilfe, hat zuvor Politik und Soziologie studiert. Vor dem Studium, so erzählt er, habe er zwei Jahre für eine Nichtregierungsorganisation in Ostafrika gearbeitet – unter anderem in Uganda und später in Kenia als Helfer für Flüchtlinge und in einem Waisenhaus.

Doch zurück nach Gravenbruch. Auch an ihrem neuen Wohnort ist Joschko nun Ansprechpartner für die Neuankömmlinge in allen Fragen des täglichen Lebens. Die Stadt weist außerdem darauf hin, dass auch Gravenbrucher, die den Flüchtlingen helfen möchten oder Fragen haben, sich an Christoph Joschko per Mail (christoph.joschko@diakonieof.de) oder in dringenden Fällen unter Tel.: 0175/7482061 wenden können.

Bilder: Einblicke in Unterkunft für Flüchtlinge in Neu-Isenburg

Viele der Bewohner seien bereits auf dem Weg zu einer gelingenden Integration, berichtet der Sozialarbeiter. Einige der Menschen, die jetzt in die Meisenstraße gezogen sind, leben bereits seit anderthalb Jahren in Deutschland und sprechen schon gut Deutsch. „Es freut mich, wenn ich vor allem die Entwicklung der Frauen sehe“, sagt Joschko. „Viele sind sehr offen geworden und nehmen regen Anteil an den Chancen unserer demokratischen und gleichberechtigten Gesellschaft.“ Die Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft haben alle eine Aufenthaltsgestattung, die es ihnen erlaubt, für die Dauer des Asylverfahrens in Deutschland zu bleiben bis über den Asylantrag entschieden ist. Die meisten kommen aus Afghanistan, acht aus Pakistan, 13 aus dem Iran und zwei aus Somalia.

„Zu Beginn der Flüchtlingswelle stand zunächst die Unterbringung und Versorgung der Menschen im Vordergrund. Jetzt ist es unsere wichtigste Aufgabe, die Menschen, die zu uns gekommen sind, in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, fasst Bürgermeister Herbert Hunkel die Schwerpunkte der Stadt zusammen. Der Schlüssel zur Integration sei die Sprache. Die Bewohner in der Meisenstraße besuchen Integrationskurse, spezielle Sprachförder- oder Ausbildungsprojekte. Sieben Kinder gehen bereits in die Schulen, zwei Kinder sind für einen Kitaplatz in Gravenbruch angemeldet.

Bilder: So sieht es im Flüchtlingslager in Gießen aus

Zur Unterstützung der ersten Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft hat sich ein Freundeskreis gebildet. Mit dabei sind die beiden Gravenbrucher Kirchengemeinden, die Flüchtlingshilfe, die Initiativen „Wir für uns“ und „Mein Gravenbruch“ sowie Vertreter der Stadt. Ein erstes Treffen diente vor allem der Ideensammlung für Angebote an die Flüchtlinge. So sollen Patenschaften übernommen und Ankommenspartner gesucht werden. Über das Jugendzentrum wird die Jugendarbeit unterstützt. Für den heutigen Donnerstag lädt der Freundeskreis um 15 Uhr zu einem Kennenlernen-Kaffee in die Küche der Unterkunft ein. Die Teilnehmer werden gebeten, Kuchen und Kaffee mitzubringen. „Ehrenamtliche, die helfen wollen, können gerne unverbindlich vorbeischauen“, wirbt die Stadt. (hov)

Rubriklistenbild: © dpa

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