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Bis zu 1000 Kriegsflüchtlinge könnten in Neu-Isenburg eine Bleibe finden

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Dieses leer stehende Bürogebäude in der Dornhofstraße 40 hat der Kreis laut Bürgermeister Herbert Hunkel als Platz für bis zu 800 Kriegsflüchtlinge im Auge.
Dieses leer stehende Bürogebäude in der Dornhofstraße 40 hat der Kreis laut Bürgermeister Herbert Hunkel als Platz für bis zu 800 Kriegsflüchtlinge im Auge. © postl

Auf der Flucht vor dem russischen Angriffskrieg kommen täglich immer mehr Menschen aus der Ukraine, vor allem Frauen und Kinder, in Deutschland an. Auch in Neu-Isenburg steigt die Anzahl der Geflüchteten, die Hilfe und eine Unterkunft benötigen. „Mittlerweile sind 160 Menschen angekommen, 90 Frauen, 50 Kinder und 20 Männer“, informierte Bürgermeister Herbert Hunkel am Mittwoch in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Digitalisierungssausschusses.

Neu-Isenburg - Die Stadt ist deshalb nicht nur weiterhin auf der Suche nach geeignetem Wohnraum. Man will sich auch bestmöglich um die Menschen kümmern, etwa in Sachen Kinderbetreuung.

Im Fokus stand aber im Ausschuss das Thema Unterbringung. Wie 2015, als in Neu-Isenburg eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes eingerichtet wurde, könnten nun insgesamt rund 1000 Kriegsflüchtlinge in der Hugenottenstadt eine sichere Bleibe finden: Rund 200 Menschen wird die Stadt unterbringen. Und der Bürgermeister informierte die Ausschussmitglieder über Überlegungen des Kreises, in einem leer stehenden Bürogebäude in der Dornhofstraße bis zu 800 Ukraine-Geflüchteten eine Bleibe zu bieten.

Da darüber hinaus noch weiterer Bedarf für die Unterbringung von Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan besteht, sollen für diese weitere „mobile Wohnstandorte“ geschaffen werden. Hierfür ist eine Lösung mit Wohncontainern vorgesehen, die zunächst für drei Jahre angemietet werden sollen. Ein Standort ist bereits gefunden – und zwar im Birkengewann, östlich vom Lidl-Markt direkt neben der Ochsenwiese, wo derzeit noch ein paar Tiere des Kinderzirkus Wannabe grasen. Dieser Standort sei gut geeignet, auch weil die nötige Infrastruktur, beispielsweise der neue Spielplatz, gleich in der Nähe sei.

„Mit dem 24. Februar ist etwas eingetreten, was niemand für möglich hielt, aber wir müssen dies leider so hinnehmen und den Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, so gut es geht helfen“, wandte sich Hunkel an die Ausschussmitglieder. Wie der Rathauschef berichtete, sei man auch im Magistrat einvernehmlich dieser Meinung.

Wie von Hunkel weiter zu erfahren war, sagt die Prognose, dass bei einer Million Geflüchteten aus der Ukraine, die in Deutschland ankommen, 3700 Menschen in den Kreis Offenbach zugewiesen werden. Hierfür suche der Kreis geeignete Unterbringungsmöglichkeiten und habe dabei auch das leer stehende Verwaltungsgebäude der LSG Group (ehemals Lufthansa Servicegesellschaft) in der Dornhofstraße 40 in den Blick genommen, als Unterkunft für bis zu 800 Kriegsflüchtlinge. Im Gebäude selbst sind teilweise Nasszellen vorhaben, manche gar mit Duschen. Es müssten ab einer entsprechenden Belegung dann zusätzliche Toiletten- und Duschcontainer auf dem Gelände aufgestellt werden, wie Hunkel nach einer ersten Begehung erklärte. „Wir würden dies so akzeptieren, bitten dann aber den Kreis, von der Überstellung weiterer Geflüchteter aus der Ukraine abzusehen“, erklärte der Bürgermeister. Das Soll gemäß Verteilungsschlüssel innerhalb des Kreises sei dann übererfüllt.

So weit wie in Rödermark, wo gestern bei einem Kreis-Pressetermin mit einem Hotel eine Unterkunft mit Platz für 350 Kriegsflüchtlinge der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist der Kreis aber in Neu-Isenburg offenbar mit den Verhandlungen noch nicht. Auf Nachfrage hieß es dazu gestern aus Dietzenbach: „Wir sind im Moment kreisweit in einigen Verhandlungen und hoffen, dass wir bald weitere Unterkünfte für Geflüchtete anmieten können“, sagt Kreisbeigeordneter Carsten Müller. „So auch in Neu-Isenburg. Danke bereits jetzt an die Stadt Neu-Isenburg, die uns dabei sehr unterstützt.“ Soweit möglich achte der Kreis bei der Verteilung der vor dem Krieg geflüchteten Menschen auf eine gerechte Verteilung zwischen den einzelnen Kommunen. „Aber unsere oberste Priorität ist, dass die Menschen aus der Ukraine ein Dach über dem Kopf haben. Dabei liegt es uns am Herzen, dass möglichst keine Sporthallen als Unterkunft genutzt werden“, so Müller.

„Der Kreis kümmert sich um die Infrastruktur und gesetzlichen Regelungen – aber wer kümmert sich um die Menschen?“, warf Bürgermeister Hunkel im Ausschuss eine für ihn wichtige Frage in den Raum. So ist nun im Rathaus ein Koordinationsbüro eingerichtet worden, an das sich alle wenden können, die eine Leistung benötigen, Hilfe suchen oder etwas anbieten können. Mittlerweile wurde auch ein Fragebogen für Hilfsangebote erstellt, der über die Stadtpost verteit wurde, aber auch via Internet abgerufen werden kann. 46 Bürger, die sich einbringen wollen, hätten sich bereits gemeldet, sagte Hunkel.

„Wir werden für eine Kinderbetreuung als auch für Sprachunterricht über unsere Volkshochschule sorgen“, betonte das Stadtoberhaupt. So gebe es beispielsweise Überlegungen, in der Alten Goetheschule in den Räumen der ehemaligen Mädchenetage eine Kita-Betreuung für die Kinder aus der Ukraine einzurichten.

Das Stadtoberhaupt wies aber auch darauf hin, dass man eine Stadtgesellschaft nicht überfordern dürfe, denn dann könnte die Stimmung kippen. Auch Hunkel betont, wichtig sei es, keine Turnhallen in Notunterkünfte umzuwandeln. Gerade jetzt, wo ohnehin viele Angebote durch Corona weggefallen seien, dürfe man Kindern die Turnhallen nicht wegnehmen. Heute gebe es ein Gespräch des Ministerpräsidenten Volker Bouffier mit Vertreten der kommunalen Spitzenverbänden. „Danach wissen wir dann mehr.“  lfp

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