Zum 40. Geburtstag

Ein Blick in die Gästebücher der Hugenottenhalle

Neu-Isenburg - Große Namen und einige Geheimtipps, die erst später entdeckt und bekannt wurden, bespielen seit 1977 die Hugenottenhalle, die in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert. Von Barbara Hoven

Von manchen Konzerten und Gastspielen bleibt als Echo nur die Erinnerung – manchmal ein flüchtiger Eindruck oder ein Lieblingssong. Das Team des Kulturbüros hütet jedoch noch andere Souvenirs: Seit Eröffnung des Veranstaltungstempels werden Plakate gesammelt und Gästebücher geführt, in denen die Stars ihre persönlichen Grüße hinterlassen haben. Thomas Leber, seit vielen Jahren Leiter der Hugenottenhalle, kennt den Laden von der Pike auf. „Seit der Eröffnung habe ich hier als Aushilfe gearbeitet, Karten abgerissen und so“, erzählt er. Seit 1983 arbeitet der Isenburger bei der Stadt, er begann als Azubi in der Verwaltung. Doch bald schon kam die Versetzung in die Hugenottenhalle, zu deren Chef er Ende der 1980er avancierte. Logisch, dass ein Mann wie Leber viel Spannendes aus seinem Berufsleben zu erzählen hat. Das wird er sicher auch am nächsten Freitag (27. Januar) tun, wenn um 18 Uhr im Veranstaltungstempel die Plakatausstellung „40 Jahre Hugenottenhalle“ eröffnet wird. Bis zum 6. Februar will sie Besuchern ein Wiedersehen mit Stars bescheren.

Ein guter Anlass, gemeinsam mit Thomas Leber einen Blick in die Gästebücher zu werfen. Viele internationale Stars und Künstler haben sich in den vier dicken Wälzern verewigt; derzeit ist Band Nummer fünf im Anbruch. Die Promis signierten mal krakelig, mal schwungvoll, hinterließen Fotos, Kommentare und Huldigungen. Von Milva und Rudi Carrell, die bereits im Eröffnungsjahr 1977 da waren, über Nena, die mehrfach kam, Willy Millowitsch, Depeche Mode, UB40, Heinz Schenk und Bryan Adams bis hin zu Uriah Heep, Herbert Grönemeyer und Rammstein reichen die Einträge. Manche Promis haben ihre Einträge mit Zeichnungen garniert. „Wir kamen, sahen, rockten“, hat beispielsweise die Band Die Ärzte 1996 notiert – und ein „Rockten ist gar kein Ausdruck“ hinterher geschoben.

Dass die Stars sich wohlfühlen, ist nicht immer ganz einfach. Was ist zum Beispiel mit Allüren und exotischen Wünschen, die man Promis gerne nachsagt? Ja, da habe es durchaus das ein oder andere gegeben, „beispielsweise einen, der nur rote Gummibärchen wollte“. Aber, so erzählt Leber, manchmal seien die Sorgen auch völlig unbegründet gewesen. Beispiel? Da fällt ihm Gilbert Becaud ein, damals ein Weltstar des französischen Chansons und als „Monsieur 100 000 Volt“ bekannt. Als der Mitte der 80er Station machte, habe man durchaus mit Allüren gerechnet. „Aber der wollte schlichtweg nur eine Flasche Scotch, das fand ich total cool“, sagt Leber und lacht.

Im Gedächtnis geblieben ist dem Huha-Chef auch das Gastspiel von Sänger Ozzy Osbourne: „Nach jedem Song ging der unter die Beatmungsmaske.“ Und „Riesenstress mit der Flugsicherung“ habe das Konzert der Black-Sabbath-Ikone dem Huha-Team auch noch bereitet, weil er gigantische Leuchten mitgebracht hatte, „da kam sogar irgendwann die Polizei“, erzählt Leber.

An ein Highlight aus seinem Berufsleben wird der Huha-Chef übrigens jeden Abend und jeden Morgen erinnert: „Das Plakat von Marius Müller Westernhagen habe ich daheim über dem Bett hängen“, verrät Leber. Jemand habe ihm für dieses Andenken an das Konzert von 1980 sogar einmal 500 Mark geboten, „aber ich habe nicht verkauft“.

Auch die großen Open-Air-Konzerte im Stadion sind immer wieder ein gutes Gesprächsthema für Erinnerungen. Wer in Lebers Büro sitzt, schaut etwa auf das Plakat aus dem Jahr 1997, als die Backstreet Boys in Isenburg spielten. Für Pia Herold, damals neun Jahre alt und heute Mitarbeiterin im Hallenmarketing, ist der Besuch dieses Konzertspektakels eine Kindheitserinnerung. „Damals flogen keine Slips auf die Bühne, sondern Diddl-Mäuse“, erzählt sie. Und dass die Fans damals schon Tage vorher „die Sportplätze rund um das Stadion zugecampt haben“. Auch mancher Isenburger, der 1997 dabei war, erzählt noch gerne von „der Sache mit den Kuscheltieren“: Die Besucher wurden aufgefordert, schon vor dem Konzert alle Stofftiere auf die Bühne zu werfen – die Boys sollten schließlich beim Tanzen nicht stolpern. Tausende Teddys flogen also durchs Stadion, wurden dann mit riesigen Besen zusammengekehrt und in Säcke verstaut.

Zur 300-Jahr-Feier der Stadt, so ergänzt Leber, habe es sogar zwei große Open-Air-Konzerte gegeben: Nena und Xavier Naidoo. Eigentlich sollte R.E.M. kommen, die Plakate waren sogar schon gedruckt, aber dann wurde deren Open-Air-Tour abgesagt. 1995 spielten die Fantastischen Vier in der Hugenottenhalle, für Leber ein persönlicher Glücksfall: „Mein Sohn war damals ein großer Fan, da habe ich ihm noch so ein Trommelfell mit Unterschriften besorgt.“

Im Gästebuch könnte man derweil lange blättern: Zu finden sind die jungen Jabob-Sisters (Bild oben links), Kult-Kabarettist Gerd Dudenhöffer oder ein noch sehr junger Hape Kerkeling. Bei seinem Gastspiel 1989 hat Letzterer als Dankeschön unter anderem sein Publikum ins Gästebuch gezeichnet.

Bilder: Spektakuläre Akrobatik in der Hugenottenhalle

Seit der damalige Hessische Sozialminister Armin Clauss die Huha als 945. Gemeinschaftshaus in Hessen 1977 eingeweiht hat, ist also viel passiert. Das Konzertwesen habe sich vor allem in den letzten Jahren komplett verändert, erleben Leber und Herold, „auch von dem her, was die Besucher erwarten“. Immer aufwändiger seien die Bühnenshows, immer mehr Technik bringen die Musiker mit, „denn die Leute gehen nicht mehr nur aufs Konzert, um den Künstler zu sehen, sondern sie wollen sich die Show angucken“.

Hinzu kommt, dass auch die in der Region reichlich vorhandenen anderen Veranstaltungsstätten nicht schlafen. Die Eröffnung der neuen Batschkapp beispielsweise „hat uns schon wehgetan“, sagt Leber. Er wählt daher deutliche Worte als Antwort auf die Frage, was er sich für die Huha wünscht: „Wir müssen, um für die Zukunft gerüstet zu sein, schon auch investieren hier und die Halle fit machen für die Zukunft.“

Die Debatte um Verjüngung für den Veranstaltungstempel gibt es bekanntlich seit Jahren. „Das Thema ist angeschoben, es sollte aber auch angepackt werden“, hofft Leber.

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