Großeinsatz im Industriegebiet

Millionenschaden nach Brand

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Bild von Einsatzort in Neu-Isenburg. Weitere Motive in der Bildergalerie.

Neu-Isenburg - Erst eine laute Explosion, dann steht die Lagerhalle einer Farbenfabrik in Flammen, auch ein Nachbargebäude wird vollkommen zerstört. Verletzt wurde niemand, die Kripo ermittelt. Von Barbara Hoven

Ein beißender Geruch hängt auch am Mittwochvormittag noch in der Luft, Fotografen und ein Fernsehteam stehen in Schaumpfützen. Eine achtköpfige Brandwache und Polizisten lassen das Areal nicht aus den Augen, denn in dem, was von der Lagerhalle einer Farbenfabrik unter von der Hitze verbogenen Stahlträgern noch übrig ist, züngeln noch immer letzte Glutnester, Rauch steigt auf. Die Szenerie lässt keinen Zweifel daran, dass dort im Gewerbegebiet ein Großfeuer gewütet hat.

Um kurz nach 21 Uhr am Dienstagabend habe ein Anrufer eine Explosion gemeldet und die Feuerwehr in die Dornhofstraße gerufen, berichtet Feuerwehrsprecher Andreas Kronhart. Die Wehr entdeckte den Brandherd in einer 700 Quadratmeter großen Halle der Farbenfabrik Dr. Rüger und Günzel, die bereits lichterloh in Flammen stand. Schnell habe sich das Feuer auf die direkt benachbarte Halle einer Dachdeckerfirma ausgebreitet, in der vor allem Holz gelagert war. Das Übergreifen auf eine angrenzende Großbäckerei habe man jedoch verhindern können. 21 Anwohner aus zwei Häusern mussten ihre Wohnungen verlassen und wurden in einem Betreuungsbus der Feuerwehr versorgt.

Kaum etwas übrig von den Hallen

Gegen 1.30 Uhr durften sie zurück in ihre Wohnungen. Verletzte gab es nicht, doch die ersten Schadensschätzungen der Polizei reichen an eine Summe von rund fünf Millionen Euro. Was die Flammen von den Hallen übriggelassen haben, dürfte jedenfalls höchstens noch für ein Abrissunternehmen von Wert sein. Und für die Brandermittler der Polizei. Denn die Ursache ist noch unklar. „Ermittelt werden muss außerdem noch, warum sich das Feuer verhältnismäßig rasant ausbreiten konnte“, heißt es von der Isenburger Wehr. Weil Farben und Lacke in der Halle lagern – was erstmal potenziell giftige Dämpfe vermuten lässt – schickte die Polizei in der Nacht auch Warnmeldungen übers Radio. Später fand sich jedoch bei Messungen durch Gefahrstoff-Experten des Kreises Offenbach im Stadtgebiet kein Hinweis auf gesundheitsgefährdende Stoffe in der Luft. Entwarnung also.

Erstmals wurde auch das erst vor kurzem im Kreis Offenbach eingeführte Warnsystem „Katwarn“ ausgelöst, das Bürger per Smartphone und Handy über das Ereignis alarmierte und aufforderte, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Entwarnung gab’s für die Einsatzkräfte so schnell nicht. Rund 200 Feuerwehrleute aus dem ganzen Kreis waren vor Ort, dazu ein Großaufgebot von Rettungsdienst und Polizei. Angeforderte Sonderfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr mussten dann aber nicht mehr eingesetzt werden. Die Flammen wurden mit Wasserwerfern und Schaum bekämpft. „Nach etwa zweieinhalb Stunden war der Brand unter Kontrolle.

Großbrand in zwei Lagerhallen im Industriegebiet

Großbrand in zwei Lagerhallen im Industriegebiet

Die zuerst betroffene Halle war im Verlauf des Einsatzes teilweise eingestürzt“, so Kronhart. Die Arbeiten gestalteten sich schwierig, Nachlöscharbeiten zogen sich noch bis in den gestrigen Nachmittag hin. Die Kripo hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Der Schreck steckt denen, die vor Ort waren, gestern noch in den Knochen. „Es war ein Wahnsinn, wie die Flammen herausschlugen“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel, der per Handy gerufen worden war. Der starke Wind habe die Flammen zusätzlich angefacht. Seiner Ansicht nach könnte dies wohl „einer der größten Brände in der Geschichte der Isenburger Wehr“ gewesen sein. Und Hunkel macht auch klar, wie leicht die Sache hätte noch viel schlimmer ausgehen können. Denn auf einem angrenzenden Grundstück habe sich unter anderem ein Tank mit rund 50.000 Litern Diesel befunden, außerdem Gasflaschen.

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