Brandstiftung in der Luisenstraße

„Haben Sie Feinde?“

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Neu-Isenburg - Zwischen einer nüchternen Polizeimeldung und den menschlichen Sorgen und Ängsten, die dahinterstecken, liegen nicht selten Welten. „Ein Auto ist in der Nacht zum Montag in der Luisenstraße in Flammen aufgegangen“, ist da vergangene Woche zu lesen.

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei mussten gegen 1.30 Uhr ausrücken, weil „das Feuer in einem geparkten Toyota wütete“, wie es im Polizeibericht am 13. Januar heißt. Klingt zunächst nicht weiter ungewöhnlich, zumal es immer wieder vorkommt, dass ein Auto nach einem technischen Defekt brennt. Allein: Bereits wenige Tage zuvor, in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar, hatte ein weiteres Auto in der Luisenstraße gebrannt, ein Mercedes, an dem alle vier Reifen brannten. Mit spontaner Selbstentzündung war das nicht zu erklären. In beiden Fällen geht die Offenbacher Kriminalpolizei von Brandstiftung aus.

Auch, weil beide Autos auf ein und dieselbe Familie zugelassen sind. Sie ist in Neu-Isenburg bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. An die Redaktion gewandt hat sich die Besitzer-Familie Marx nun auch, weil sie hofft, dass sich auf diesem Weg weitere Zeugen melden. Dabei geht es Maria Sator-Marx und Günther Marx – beide Stadtverordnete der Grünen und beide Schulleiter in Offenbach und Frankfurt – weniger um den materiellen Schaden. Auch wenn der nicht von schlechten Eltern ist. Der Toyota brannte lichterloh. Und auch wenn der Mercedes dank eines aufmerksamen Nachbarn, der in der Isenburger Feuerwehr aktiv ist und beherzt eingriff, recht schnell gelöscht werden konnte, handelt es sich wohl um einen wirtschaftlichen Totalschaden.

Schwerer wiegt trotzdem die psychische Belastung. „Es ist ein mulmiges Gefühl“, sagt Maria Sator-Marx. Nach Aussage der Polizei ist derzeit noch unklar, ob zwischen den beiden Taten ein Zusammenhang besteht, ob es vielleicht einen politisch motivierten Hintergrund gibt. Nach einem Zufall sehe das jedenfalls nicht aus, ist sich Sator-Marx sicher. Zumal sie bereits in der Nacht des ersten Vorfalls, als sie durch das Bellen ihres Hundes geweckt wurde und dann auf der Straße ihr Auto brennen sah, von einer Polizistin mit der Frage begrüßt worden sei: „Haben Sie Feinde?“ Familie Marx sieht sich von der Polizei vor allem nicht ernst genommen in ihrer Sorge, es könne sich um eine gezielte, vielleicht politisch motivierte Tat handeln. Sie fühle sich allein gelassen, sagt Sator-Marx; es tue sich einfach zu wenig. „Ich habe jetzt beim DLB angerufen und darum gebeten, ob man zumindest zeitnah die Spuren auf der Straße beseitigen könne – einfach für meine Psyche“, fügt sie hinzu.

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Die Polizei verweist auf die laufenden Ermittlungen, auch Zeugen wurden vernommen. Zudem fahre man verstärkt Streife und habe Verhaltensmaßnahmen mit den Betroffenen besprochen. Hinweise auf einen politischen Hintergrund der Tat gebe es derzeit nicht. Weitere Zeugen werden gebeten, sich unter der Nummer 069/80981234 zu melden.

(hov)

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