Stadt überrascht mit Entwurf

Brunnen für den Marktplatz in Neu-Isenburg

Das ist der nun vorgestellte Entwurf: In den Brunnen aus rotem Hartsandstein ist die Geschichte der Ortsgründung eingearbeitet. Das Becken nimmt durch seine oktogone Form die historische Hugenottensiedlung der Straßen und Gassen auf. Auf der mittigen Säule sind zwei Wasserspeier und die Motive des Alten Rathauses, das Stadtwappen und das Relief des Stadtgründers Graf Johann Phillipp eingearbeitet.
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Das ist der nun vorgestellte Entwurf: In den Brunnen aus rotem Hartsandstein ist die Geschichte der Ortsgründung eingearbeitet. Das Becken nimmt durch seine oktogone Form die historische Hugenottensiedlung der Straßen und Gassen auf. Auf der mittigen Säule sind zwei Wasserspeier und die Motive des Alten Rathauses, das Stadtwappen und das Relief des Stadtgründers Graf Johann Phillipp eingearbeitet.

Viel ist schon diskutiert worden über die Frage, wie man den Alten Ort in Neu-Isenburg schöner gestalten könnte. Auch das Landesprogramm „Stadtumbau“ schließt den Marktplatz mit ein. Für dessen künftiges Erscheinungsbild gab es bereits zig Ideen – vom Wiederaufbau des alten Rathauses bis zu einem „Stumpfmodell“. Nun überrascht die Stadt mit dem Entwurf eines Brunnens.

Neu-Isenburg - Die FDP-Fraktion brachte bereits mehrfach den Antrag ein, im Alten Ort einen solchen zu installieren; der bisher jedoch kein Gehör der Mehrheit fand. Umso mehr zeigen sich die Mitglieder des Bauausschusses am Donnerstagabend überrascht, als ihnen die Stadtspitze vom in Isenburg lebenden Steinmetz- und Bildhauermeister Alex Kaufmann einen detailliert ausgearbeiteten Entwurf für einen Brunnen für die Marktplatzgestaltung vorstellen lässt. Dieser Entwurf, im Grundriss ein Oktogon, nimmt sowohl die historischen Flächenaufteilung als auch die heute umgebende Bebauung auf. Auf der Brunnensäule selbst geht Kaufmann ganz gezielt auf die Stadtgründung ein: Neben zwei Wasserspeiern aus Kupfer sollen auf den vier „Wänden“ der Säule ein Portrait des Stadtgründers Graf Johann Philipp, das Hugenottenwappen sowie ein Relief des alten Rathauses angebracht werden.

Der Entwurf „begibt sich damit auf Zeit-Spurensuche und greift das hugenottische Erbe auf“, heißt es gestern im Nachgang der Ausschusssitzung in einer Pressemitteilung des Magistrats – gefolgt von einer Erläuterung von Christian Kunz, zuständig für die beiden Museen der Stadt: „Die Brunnenform erinnert sowohl an den alten Brunnen unter dem Rathaus als auch besonders an französische Dorfbrunnen, was eine wunderbare Verbindung zu unseren Städtepartnern bietet. Es gibt Reminiszenzen an die alten Straßennamen, das alte Rathaus und den Hugenottenstern.“ Der Entwurf sei „sehr gelungen“, lobt Kunz.

Erstellt hat ihn im Auftrag der Stadt mit Alex Kaufmann ein renommierter Steinmetz- und Steinbildhauer-Meister. „Ich lebe nun seit 45 Jahren in Neu-Isenburg, diese schöne Stadt ist meine zweite Heimat geworden und ich würde mich gerne an deren Umgestaltung und Erneuerung einbringen“, sagt Kaufmann. Schwerpunkt seines Betriebs an der Friedhofstraße sei Steintechnik mit Schwerpunkt in der Baudenkmalpflege, Restaurierung und Konservierung von historischen Steinbauten. 2010 wurde die Alex Kaufmann GmbH für Arbeiten im Frankfurter Bahnhofsviertel mit dem Denkmalschutzpreis des Landes ausgezeichnet. „Wenn wir schon so einen kompetenten Fachmann in unserer Stadt haben, dann sollten wir dieses Potenzial auch nutzen“, begründet Bürgermeister Herbert Hunkel die Beauftragung von Kaufmann.

Auf Luftbildern Umrisse eines Brunnens entdeckt

Der Fachmann selbst erläutert dann im Detail seinen Entwurf: „Ich habe alte Unterlagen studiert und auf einem Luftbild im Zentrum des Marktplatzes die Umrisse eines Brunnens entdeckt.“. Die von ihm gewählte Oktogon-Form passe perfekt in die umgebende Baustruktur. „Die Fläche um den Brunnen herum geht dann mit leichter Neigung zu den Straßen hin, sodass sie problemlos überfahren werden kann“, verwies Kaufmann auf Feuerwehreinsätze oder auch Müllfahrzeuge. So werde aber auch das Wasser zur Kanalisation hin abgeleitet.

Der Brunnenstock soll in rotem Sandstein ausgeführt werden, die Freiflächen um ihn herum in beige-grau. Vor dem Zeichnen konsultierte Kaufmann auch Christian Kunz, um sich über wichtige historische Motive, die er in der Brunnensäule einbringen wollte, zu informieren. „Der Hauptgedanke für diese Motive war für mich, dass man die Isenburger Geschichte so öffentlich begreifbarer macht – ich denke da auch an Schulklassen, die bei einer Stadtführung hier lebendigen Geschichtsunterricht erfahren könnten“, so Kaufmann.

Der Platz selbst sollte frei von einer festen Möblierung sein, damit einer vielfältigen Nutzung nichts im Wege steht. „Und für die Gastronomie ist es sicherlich eine Bereicherung, denn an einem plätschernden Brunnen ist der Genuss von Speis und Trank sicherlich noch viel größer“, verweist Kaufmann auf einen anderen Aspekt.

Großes Lob für den Entwurf gibt es von Jörg Müller (FDP): „Wir hatten ja schon mehrfach entsprechende Anträge eingebrecht, diese wurden leider verworfen, jetzt freuen wir uns umso mehr, dass es doch ein Brunnen geben könnte – und ein sehr ansprechender dazu.“ Auch Martin Bock (Grüne) und Robert Strasser (CDU) zeigen sich sehr angetan und heben vor allem den Aspekt des lebendigen Geschichtsunterrichtes hervor. „Ich sehe jetzt nicht den großen Wurf, ich hätte da einen Ideenwettbewerb erwartet“, zeigt sich Edgar Schultheiß (Linke) ziemlich reserviert.

Wie der Bürgermeister in der Sitzung abschließend erläutert, sei der Entwurf freilich nicht in Stein gemeißelt. Er sei aber eine sehr gute Grundlage für eine Bürgerbeteiligung, die nun folgen werde. Hunkel betont, die Funktion des Marktplatzes als Treffpunkt bleibe für die Bürger erhalten. „Weiterhin können hier Feste und Veranstaltungen stattfinden, wie der Weihnachtsmarkt oder das Altstadtfest. Der Alte Ort wird aufgewertet und die Gründungsgeschichte aufgearbeitet.“

Und die Kosten? Die Stadt geht von 156 000 Euro für die Brunnenanlage aus „Für die Gestaltung des gesamten Platzes mit einem Plattenbelag aus gelblich-bräunlichem Granit, der eben, rutsch- und säurefest ist und mit Fahrzeugen befahren werden kann, würden Kosten in Höhe von 115 000 Euro entstehen“, heißt es weiter. (Von Leo F. Postl)

Der Hauptgedanke für diese Motive war für mich, dass man die Isenburger Geschichte so öffentlich begreifbarer macht, etwa für Schulklassen bei Stadtführungen.

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