Stabiler Mischwald ist das Ziel

Im Buchenbusch fallen bald Bäume

+
Revierförster Dieter Hanke (links) und Forstamtsleiter Christian Münch beim Ortstermin.

Neu-Isenburg - Etliche Bäume in dem Waldstück zwischen Kastanienweg und B46 sind markiert. Sie sollen in nächster Zeit gefällt werden. Von Enrico Sauda

„Dabei werden insbesondere Bäume entnommen, von denen ein Sicherheitsrisiko für Waldbesucher ausgehen könnte, sowie einzelne Bäume, die Fehler und Mängel aufweisen“, erklärt Forstamtsleiter Christian Münch.

„Des Weiteren werden selektiv Bäume entnommen, die die jungen Bäume, also die kommende Waldgeneration, im Wachstum behindern“, so der Fachmann. Die schon vorhandenen kleinen Buchen bekämen dadurch mehr Licht, könnten besser weiterwachsen. Wichtig sei ihm, klarzustellen, „dass das keine Hauruckaktion ist. Deshalb haben wir auch alle Anwohner angeschrieben und sie informiert“.

Spaziergänger und Gassi-Geher

Spaziergänger und Gassi-Geher sehen den Baum in dem Moment, in dem sie ihn passieren, „aber sie vergessen, dass der Wald ein langfristiges Arbeitsfeld ist, dass wir nachhaltig denken und ihn deshalb pflegen“, betont Münch. „Viele erkennen nicht, dass der Wald ein dynamisches System ist und das Bäume eben wachsen – wir stellen mit unserer Arbeit die Weichen für die nächsten hundert Jahre“, fügt Revierförster Dieter Hanke hinzu.

Das Holz, das dabei fällt, nutzt der Forst, denn es ist „wertvoller Rohstoff“. 80 Prozent dieses Nutzholzes würden in einem Radius von etwa hundert Kilometern verarbeitet. „Hier wird also nicht viel Kraftstoff vergeudet, um den Rohstoff von A nach B zu transportieren.“ Die Einnahmen – „da kommt aber alles in allem nicht viel bei raus“ – gelangen in den Landeshaushalt. Wie viel Geld die Aktion einbringt, sei noch nicht abzusehen.

Der Säge zum Opfer fallen

Gut ein Zehntel der Bäume, die in diesem etwa 15 Hektar großen Gebiet stehen, wird der Säge zum Opfer fallen. Doch: „Das ist genau der Zuwachs, den wir in den vergangenen fünf Jahren hatten“, erklärt Hanke. Die dicken, bis zu 160 Jahre alten Kiefern, die noch gut in Schuss sind, sollen erhalten bleiben, während solche Kiefern, die erst 70 Jahre auf dem Buckel haben und „qualitativ schlecht veranlagt“ sind, wegkommen. Dass einige der Bäume schon älter sind als anderthalb Jahrhunderte liege wohl daran, „dass hier um 1850 herum wohl wieder ein Wald angepflanzt worden ist“, vermuten die Experten. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist hier von Seiten des Forstamts nichts passiert“, sagt Hanke. „Nur Sturmschäden wurden beseitigt.“ Nun werde es Zeit, denn von den vielen Kiefern in diesem Areal neigen sich etliche immer mehr. Es sei also eine „planmäßige Durchforstung“ nötig. Ziel dabei sei es, „wegzukommen vom hohen Anteil an Kiefern, den wir hier haben“. Es gelte, nachhaltig zu denken, erläutert Münch.

Langfristiges Ziel der Waldbewirtschaftung sei ein stabiler Mischwald mit möglichst vielen standortangepassten Baumarten, die unterschiedlich alt sind. Dieser Wald erfülle besonders im Ballungsraum seine vielfältigen Funktionen möglichst optimal. Nicht zuletzt deshalb wollen die Verantwortlichen einen „wesentlich höheren Laubholzbestand mit Eichen und Buchen“. Eichen gebe es in dieser Gegend sowieso viel zu wenige.

„Stämme genau unter der Lupe“

Seit September war Hanke auf dem Gelände unterwegs, um zu beurteilen, welche Pflanzen jüngeren Platz machen müssen. „Wir nehmen die Stämme genau unter die Lupe und schauen, ob sie beschädigt sind“, schildert er das Prozedere. „Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem Blumenbeet, nur das es hier eben nicht um Unkraut geht“, führt Münch den Gedanken fort.

Lesen Sie dazu auch aus Langen:

Bäume fallen früher oder später

Dem Wald gehe es nicht gut. Die Wuchsdynamik sei „relativ gering, weil der Boden schlecht ist und es wenig Niederschlag gibt“, so Hanke. Aber der Isenburger Wald liege im Trend des gesamten Waldes im Rhein-Main-Gebiet. Der leide unter einem viermal höheren Schädigungsgrad als der Wald sonst in Hessen. „Das liegt an Abgasen und Emissionen.“ Hinzu käme noch der Klimawandel, der sich in der Verschiebung der Niederschläge zeige. Deshalb litten die Bäume unter „Wasserstress, denn im Sommer fehlt periodenweise das nötige Wasser“. Die Arbeiten werden gut einen Monat in Anspruch nehmen. Währenddessen muss der Wald „aus Sicherheitsgründen teilweise für Fußgänger gesperrt werden“, stellen die beiden klar.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare