Hessentag 2020 in Neu-Isenburg ?

Bürgermeister Hunkel für zweite Amtszeit vereidigt

Neu-Isenburg - Rund 200 Gäste sind Zeugen, als Herbert Hunkel am Mittwochabend seinen zweiten Bürgermeister-Amtseid schwört. Die anschließende Feier ist geprägt von anerkennenden, oft herzlichen Grußworten und Lobeshymnen. Von Barbara Hoven 

Sie wiegt nicht schwer, die Amtskette des Bürgermeisters, aber sie ist Symbol für Verantwortung und Bürde eines Amtes, das Herbert Hunkel (rechts) weitere sechs Jahre ausüben darf. Er trug sie am Mittwochabend, als er mit Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner (links) und Erstem Stadtrat Stefan Schmitt (hinten links) jene Lokalpolitiker verabschiedete, die in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr für ein Amt im Stadtparlament zur Verfügung stehen. Als Dank für ihr vielfältiges Engagement erhielt Ingrid Bickmann (Dritte von links) die Ludwig-Arnoul-Medaille, Hilde Störring (Vierte von links) wurde mit der Großen Ehrenplakette ausgezeichnet. - Fotos: Postl

Was die Geschenke und guten Wünsche für den 70-Jährigen betrifft, zeigen die Gratulanten und Ehrengäste – darunter Astronaut Thomas Reiter – sich recht einfallsreich. Der Preis für das wohl schönste Kompliment des Abends gebührt CDU-Fraktionschef Patrick Föhl: „Wenn Herbert Hunkel der Trainer der Eintracht wäre und das Neu-Isenburger Stadtparlament die Mannschaft, dann würden wir Champions League spielen und nicht gegen den Abstieg.“ Auch von den Vertretern der anderen Fraktionen bekommt der Bürgermeister immer wieder zu hören, wie engagiert er sich um die Sorgen der Bürger kümmere, wie bodenständig er agiere – kurz: dass deutlich spürbar sei, wie sehr ihm seine Stadt am Herzen liegt. Anerkennung für Hunkels Lebensleistung kommt auch von den Vertretern der Fraktionen, die ihn im Wahlkampf nicht unterstützt hatten. Sie loben die faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit – trotz manch unterschiedlicher Meinung. „Besonders dankbar sind wir für Ihr Engagement den Flüchtlingen gegenüber“, stellt Grünen-Chefin Maria Sator-Marx heraus. „Dass wir in Neu-Isenburg Willkommenskultur in diesem Umfang betreiben, hängt auch mit Ihrer Haltung zusammen.“

Neben den Parlamentariern sind zahlreiche Gäste aus der Politik, von Vereinen, Kirchen und Schulen sowie Vertreter der kommunalen Spitzenverbände zu der Veranstaltung in die Hugenottenhalle gekommen, bei der es sich rein formal um eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung handelt.

Die von der Hessischen Gemeindeordnung vorgeschriebenen Formalien der Amtseinführung werden zunächst zügig abgehandelt. Erster Stadtrat Stefan Schmitt verliest die Urkunde zur zweiten Amtszeit, die offiziell am 11. April beginnt. Und er dankt Hunkel für die gute Zusammenarbeit und schenkt dem großen Eintracht-Fan („eine Leidenschaft, die wir teilen“) Schal und mehr für den Fall, dass er mal Zeit für einen Stadionbesuch finde. Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner nimmt Verpflichtung und Vereidigung des Verwaltungschefs vor, der bereits am 27. September mit 77,4 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden war.

Noch mehr als über die Geschenke dürfte sich Herbert Hunkel über die vielen lobenden Worte der zahlreichen Redner und Ehrengäste gefreut haben – darunter Astronaut Thomas Reiter (rechts) und Werner Beyer, der Bürgermeister der Partnerstadt Weida.

Landrat Oliver Quilling, Hunkels Vorgänger im Bürgermeisteramt, zollt dem 70-Jährigen Respekt für die „beispiellose Karriere“, die er in der Stadt, in der er 1945 geboren wurde, gemacht habe – vom Verwaltungslehrling zum Rathauschef. Hunkel könne nicht nur beachtliche wirtschaftliche Erfolge vorweisen, er sei auch „Bürgermeister aus Leidenschaft“. Auch Dreieichs Rathauschef Dieter Zimmer, der Direktor des Hessischen Städtetages, Dr. Jürgen Dieter, und Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, gratulieren und begrüßen, dass Hunkel dank vom Land gekippter Altersgrenze auch mit 70 weitermachen darf.

Kehrt ein ehemaliger Astronaut in seine Heimatstadt zurück, ist das Weltall nie fern: Thomas Reiter betont, es sei ihm eine Freude, dabei sein zu können, und hat als Geschenk ein Buch mitgebracht, in dem es um die Idee eines Moon Village geht. „Wer weiß, vielleicht braucht man da ja auch irgendwann mal einen Bürgermeister“, merkt der Ehrenbürger Isenburgs mit Blick Richtung Hunkel an – und ein Lacher ist ihm gewiss.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Der so viel Gelobte selbst verzichtet kurzerhand auf die vorbereitete lange Rede. Herbert Hunkel verbindet seine Dankesworte sichtlich bewegt mit einer Liebeserklärung an seine Heimatstadt und merkt an, dass Isenburg „in vielen Bereichen führend“ sei. Er geht darauf ein, welch große Herausforderungen – wie die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt –, aber auch Chancen für die Stadt bevorstehen. „Wenn wir die Dinge gemeinsam angehen, braucht uns davor nicht bange zu sein“, betont er. Und verkündet, der Magistrat habe einen Aufnahmeantrag gestellt fürs Programm „Stadtumbau Hessen“. Damit bestünde die Chance, die nördlichen Bereiche Isenburgs durch Gestaltungsmaßnahmen wie mehr Grün, Austausch des Pflasters im Alten Ort oder Umgestaltung der Frankfurter Straße aufzuwerten. „Dies soll alles in enger Bürgerbeteiligung geplant werden“, wird Hunkel auf Nachfrage konkreter. Er sehe im Programm „eine große Zukunftschance für Isenburg“. Gleiches gelte für folgende Sache: „Das Land hat die Chance signalisiert, dass Isenburg den Hessentag 2020 ausrichten könnte.“ Ob man dies wolle, darüber gelte es nun zu beraten.

Sehr persönlich wendet Hunkel sich an seine Frau: „Bärbelchen, vielen Dank, dass Du immer an meiner Seite stehst.“ Den Vorschlag des prominenten Ehrenbürgers kommentiert er auf seine ganz eigene Art: „Lieber Herr Reiter, auf den Mond würde ich nur gehen, wenn alle 37.000 Isenburger mitgehen.“

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