Hagelstein siegt im Herzschlagfinale

Bürgermeisterwahl in Neu-Isenburg: SPD-Fraktionschef Hagelstein bekommt 44 Stimmen mehr als Stefan Schmitt (CDU)

Sie feiern den Überraschungscoup: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Gene Hagelstein hat die Bürgermeister-Stichwahl gegen den Berufspolitiker Stefan Schmitt (CDU) mit einer hauchdünnen Mehrheit gewonnen.
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Sie feiern den Überraschungscoup: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Gene Hagelstein hat die Bürgermeister-Stichwahl gegen den Berufspolitiker Stefan Schmitt (CDU) mit einer hauchdünnen Mehrheit gewonnen.

Um 19.24 Uhr ist die Sensation gestern Abend in Neu-Isenburg perfekt: Dirk Gene Hagelstein wird am 11. April 2022 das Bürgermeisteramt von Herbert Hunkel (parteilos) übernehmen. Der Sozialdemokrat setzt sich in der Stichwahl mit einem hauchdünnen Vorsprung gegen den CDU-Kandidaten und Ersten Stadtrat Stefan Schmitt durch. Am Ende liegt Hagelstein 44 Stimmen vor Schmitt. In Prozenten sind das 50,24 zu 49,76.

Neu-Isenburg - Die Floskel vom Wahlkrimi wird ja oft bei Stichwahlen bemüht, aber gestern ist dieser Begriff tatsächlich angemessen. Angespannt ist die Situation beim CDU-Wahltreff im Restaurant des TC Rot-Weiß schon vom Eintrudeln der ersten Ergebnisse an – und es bleibt ein nervenaufreibendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach fünf von 38 ausgezählten Wahllokalen führt Hagelstein mit 50,6 der Stimmen hauchdünn vor Schmitt. Zur Halbzeit gegen 18.30 Uhr liegt der Sozialdemokrat mit 52,57 Prozent der Stimmen vorn, sein Kontrahent liegt bei 47,43 – es zeichnet sich ein Herzschlagfinale ab. Beide Kandidaten trennen rund 30 Stimmen.

Um 18.50 Uhr wird es noch wilder: Hagelstein hat sich nach kurzem Rückstand wieder die Führung geschnappt; fünf Stimmen beträgt sein Vorsprung auf Schmitt nach 32 von 38 ausgezählten Wahllokalen. Und es geht tatsächlich noch knapper: Nach dem nächsten ausgezählten Wahllokal trennt eine Stimme Hagelstein von Schmitt. Beim TCRW macht die Frage die Runde, was eigentlich passiere, wenn man am Ende bei Gleichstand lande? „Dann würde gelost“, weiß Amtsinhaber Herbert Hunkel.

Um 19.24 Uhr dann betretenes Schweigen und lange Gesichter bei den beim TCRW versammelten Christdemokraten. Ihr 48-jähriger Kandidat, den wohl alle für eine „sichere Bank“ gehalten hatten, hat die Wahl verloren. Er ringt merklich um Fassung, wird zunächst von seiner Frau und seinen Söhnen umarmt.

Auch der 76-jährige Amtsinhaber ist einer der Ersten, der mit Schmitt spricht, als dessen Niederlage feststeht. „Das Wahlergebnis hat für viele eine Überraschung gebracht. Am meisten sicher für Herrn Schmitt, der einen sehr engagierten Wahlkampf betrieben hat und omnipräsent war. Doch er ist noch jung und hat keinen Grund, jetzt verzweifelt zu sein“, sagt Hunkel. Zu einem erfolgreichen Berufsleben gehöre auch, mit Niederlagen umzugehen, daraus zu lernen, zu hinterfragen und nach vorne zu schauen. „Sie haben noch alle Chancen dazu“, so Hunkel zu Schmitt.

Gefeiert wird Hagelsteins Überraschungscoup indes ein paar hundert Meter weiter an der Gaststätte „Rollschuhbahn“, wo sich SPD-Anhänger versammelt haben. „Ich kann nur meinem Team danken, das mich super unterstützt hat – ich bin heute abend nur überglücklich und genieße einfach alles“, sagt Hagelstein. Einer der ersten Gratulanten ist denn auch Herbert Becker, ehemals Bürgermeister von Zeppelinheim und nach der Eingemeindung Erster Stadtrat im Isenburger Rathaus. „Wir sind wieder da, wo wir hingehört haben, auch wenn ich nicht so richtig daran geglaubt habe“, findet Becker. Große Freude auch bei Sozialdemokrat Sarantis Biscas, Vorsitzender des Ausländerbeirates. „Ich bin einfach voller Freude, da ich auch noch den letzten ehemaligen SPD-Bürgermeister Dr. Hans Frey erlebt habe“, so Biscas.

Gene Hagelstein will seine Team-Kompetenzen aus seinem bisherigen Berufsleben mit ins Rathaus bringen. „Nur im Team sind wir stark, das hat sich gerade heute gezeigt“, betont der Wahlsieger. Er hebt – ebenso wie Schmitt – insbesondere den sehr fairen Wahlkampf hervor, auch schon beim ersten Urnengang. „Und ich bin mir sicher, dass mir heute auch die Bundespolitik zur Seite gestanden hat – das wirkte sich unverkennbar aus. Aber gewonnen ist gewonnen“, freut sich Hagelstein. Bürgermeister Herbert Hunkel gratuliert ihm und wünscht, dass die bisher so erfolgreichen Errungenschaften für Neu-Isenburg weiter fortgeführt werden.

Schmitt spricht indes in einem ersten offiziellen Statement vor Presseleuten und Parteifreunden von einer „bitteren Niederlage“ und von rund 2000 Stimmen, die ihm im Vergleich zum ersten Wahlgang gefehlt hätten.

Bleibt eine Frage: Wer wird künftig Erster Stadtrat? Steht Schmitt weiterhin für dieses Amt zur Verfügung – auch unter Bürgermeister Hagelstein? Bis zum 30. Juni 2022 gehe seine Amtszeit, antwortet er, „und wenn die CDU das möchte, mache ich gerne weiter und stehe für meine Stadt weiter zur Verfügung. Ich habe immer gesagt: Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen.“  lfp/hov

Der Wahlabend in Neu-Isenburg war ein Krimi allererster Güte. Stefan Schmitt verfolgt die Auszählung beim TCRW gemeinsam mit seiner Familie.

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