Bürgermeister-Kandidat der Liberalen

Thilo Seipel: Ein Zahlenmensch will den Chefsessel

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Auf der heimischen Terrasse in der Körnerstraße kann Thilo Seipel entspannen. „Mein grüner Daumen beschränkt sich allerdings aufs Rasenmähen“, erzählt der 38-Jährige. Seine Frau sei die begeisterte Gärtnerin.

Neu-Isenburg - Die Isenburger wählen am 27. September ihren Rathauschef für die nächsten sechs Jahre. Zur Wahl stehen Amtsinhaber Herbert Hunkel (parteilos) und FDP-Kandidat Thilo Seipel. Wir haben beide zu Hause besucht. Heute: der Herausforderer. Von Barbara Hoven 

Seit 13 Jahren arbeitet Thilo Seipel beim Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Prüfungsstelle für die Sparkassen – gab’s da als Kind nicht einen etwas schillernderen Berufstraum? Seipel überlegt ein bisschen. Wahrscheinlich länger, als er überlegen müsste. Als wolle er seinem Gegenüber den Gefallen tun und irgendeinen Klischee-Job nennen. Astronaut? Lokomotivführer? „Nein“, sagt Seipel beim Frühstück in seinem Haus in der Körnerstraße. Die Welt der Zahlen, das Bank- und Versicherungswesen, das habe ihn schon immer interessiert. Ganz gradlinig sei sein Weg dorthin verlaufen.

Die schlechteste Voraussetzung für Seipels ersten neuen Berufswunsch seit seinen ganz frühen Jahren ist das nicht. Der Mann will Bürgermeister werden, und in einer Stadt wie Neu-Isenburg, wo es im Kontrast zu fast allen Flecken drumherum wenigstens noch was anderes als Miese zu verbuchen gibt, kann ein Zahlenmensch nicht falsch sein.

Oder, wie Seipel es sagt, „richtig“. Er ist 38, ein 77er Jahrgang, er zeigt sich selbstbewusst. Er will nach oben, sieht sich als die geeignete Person für das Amt des Bürgermeisters – nicht nur wegen seines Alters, aber auch deswegen. Mit dem Blick von außen auf die Verwaltung und entsprechend neuen Ideen, da könne er punkten. „Ich komme zwar von außen, kenne aber große Verwaltungsstrukturen und habe den Mut, mit frischem Elan andere Wege zu gehen.“

Im Vereinsleben Wurzeln geschlagen

Privat hat ihn sein Weg über mehrere Stationen in die Hugenottenstadt geführt. Geboren in Groß-Gerau, Schule in Darmstadt, Betriebswirtschaftsstudium in Rostock. Seipel ist Diplom-Kaufmann. Eine Weile wohnte er in Egelsbach. 2007 entschieden sich die Seipels für einen Umzug nach Neu-Isenburg, „wir wollten gerne im Westkreis bleiben, auch wegen der guten Anbindung“. Erst fiel die Wahl auf eine Wohnung. Mittlerweile leben er und seine Frau Inga Mielmann-Seipel – eine Rechtsanwältin, mit der er seit 2010 verheiratet ist – eine Straße weiter in einer Doppelhaushälfte. Neu-Isenburg, das sei eine gute Entscheidung gewesen, „wir leben gerne hier“.

Durch seinen Job ist er viel in Hessen und auch in Thüringen unterwegs. Dass sein Zuhause aber nach acht Jahren die Hugenottenstadt geworden ist, liegt wohl auch daran, dass er Wurzeln geschlagen hat im Vereinsleben. Auf all diese Fragen antwortet der Kandidat ruhig. Einen Wutausbruch traut man ihm eher nicht zu, er wirkt gelassen, selbstsicher. Die Fastnacht etwa, die sei ihm wichtig, „im Ehrensenat des Lumpenmontags mach ich gerne mit“. Auch der Förderverein Städtepartnerschaften liege ihm am Herzen, „auch wenn ich, weil beruflich eingespannt, dort nicht schrecklich aktiv bin“.

Politisches Engagement liegt bei ihm in der Familie. Es war immer gelb, immer die FDP. „Mein Vater war lange Stadtverordneter in Darmstadt“, auch die Mutter und der Großvater gehören den Freidemokraten an. Es sei vor allem das Grundanliegen, „dass man eben nicht alles reguliert, den Leuten auch Freiheiten lässt, das konnte ich immer unterstützen“.

Lob verteilt Seipel für den lokalen Ableger der Liberalen. „Das Engagement macht in Neu-Isenburg auch auf persönlicher Ebene Spaß, das ist eine tolle Truppe – und nicht so eine Gruppe, die sich gegenseitig nicht das Schwarze unterm Nagel gönnt.“ Seit 1993 ist Seipel Mitglied der FDP. Seitdem übernahm er verschiedene Vorstandsposten. Seit 2009 ist er im Isenburger FDP-Vorstand, als stellvertretender Vorsitzender hat er Anfang Juli auch die Fraktionsgeschäftsführung als Nachfolger von Gerhard Gräber übernommen. Hinzu kommt die Tätigkeit in der AG Flughafen.

Die Motivation für seine Kandidatur? „Ich möchte, dass die Isenburger eine echte Wahl haben.“ Nachdem die CDU sich früh auf die Unterstützung des Amtsinhabers verständigt habe und auch SPD und Grüne auf Kandidaten aus dem eigenen Stall verzichten, habe er sich gesagt: „Das kann nicht sein, dass es in einer Stadt mit knapp 40 000 Einwohnern nur einen Bewerber gibt – wir brauchen einen Gegenkandidaten.“

Top Ten der unbeliebten Berufe

Seipel hat auch schon die Frage gehört, warum er das macht. Angst vorm Scheitern? „Siegen und Verlieren, das gehört dazu, die Fairness muss man haben, das anzuerkennen.“ Für den 27. September wünscht sich Seipel „ein ordentliches Ergebnis“, auch wenn er sich nicht zur Prozent-Prognose verleiten lassen will. „Entscheidend ist, dass die Leute wirklich eine Wahl haben und nicht nur zustimmen können.“

Beruf, Familie, Kommunalpolitik, jetzt Wahlkampf – für Hobbys bleibt da wenig Zeit. Wie er abschaltet? „Das hab ich jetzt lange nicht mehr gemacht.“ Und wenn doch einmal, dann kocht Seipel gerne, geht ins Theater oder ins Kino. „Ich liebe es auch, einfach mal mit offenen Augen durch die Stadt zu laufen oder Rad zu fahren, einen Äppelwoi in Sachsenhausen zu trinken oder in Frankfurt ins Museum zu gehen.“ Auch im Fitnessstudio ist der 38-Jährige anzutreffen. „Generell bin ich kein Mensch, der daheim um 18 Uhr die Füße hochlegen will oder dem völlig egal ist, was um ihn herum passiert. Ich setze mich gerne für Menschen ein, nicht nur politisch.“

Schwerpunkte als Rathaus-chef möchte er in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr sowie Bildung setzen. Wichtig sei ihm, im Team mit den Mitarbeitern im Rathaus zu arbeiten und die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen in den Vordergrund zu rücken – „eine One-Man-Show liegt mir nicht“.

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