Viel besuchter Treffpunkt

Café Grenzenlos: Skepsis ist längst gewichen

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Im Café Grenzenlos im Gemeindehaus der Marktplatzgemeinde treffen sich verschiedene Nationen und Konfessionen (von links): Kibrom Kahsay, Pfarrer Matthias Loesch, Rahel Tsehaye, Quamar Sultan und Alexander Gerstenberger-Vogt.

Neu-Isenburg - Besser hätte sich das Café Grenzenlos kaum entwickeln können. Viele ehrenamtliche Helfer haben dazu beigetragen, dass die monatliche Veranstaltung in der evangelisch-reformierten Marktplatzgemeinde rasch zum vielbesuchten Treffpunkt worden ist. Von Stefan Mangold

Im Film folgt ein Schnitt, wenn der Zuschauer wissen soll, wie sehr sich etwas veränderte: Als neues Bild erscheint dieselbe Einstellung desselben Ortes, aber zu einer anderen Zeit. Vor einem Jahr trafen sich Flüchtlinge und Isenburger das erste Mal zum Café Grenzenlos. Die Atmosphäre wirkt fast immer gehemmt, wenn sich Leute begegnen, die sich erst kennenlernen. Erst recht, wenn sie aus unterschiedlichen Kulturen stammen und eine gemeinsame Sprache fehlt. Bei der Premiere vor einem Jahr stand und saß so mancher noch ein wenig steif herum. Wer heute in den Raum tritt, der hört schon am Pegel des Grundgemurmels die veränderte Stimmung. Außerdem dürften doppelt so viele wie damals gekommen sein. Pfarrer Matthias Loesch erzählt, manchmal reichten Tische und Stühle kaum aus, wenn bis zu hundert Leute einen Platz suchen.

Die Flüchtlinge, die ins Gemeindehaus kommen, leben in der Regel schon länger in Neu-Isenburg. „Aus dem Lager an der Rathenaustraße schauten bisher nur vereinzelt welche vorbei“, erzählt Alexander Gerstenberger-Vogt, einer der ehrenamtlichen Initiatoren, der sich als Angestellter der Stadt auch beruflich um Flüchtlinge kümmert.

Schon bei der Premiere waren Rahel Tsehaye und Kibrom Kahsay dabei, zwei koptische Christen aus Eritrea, die auf der Flucht vor religiöser Verfolgung über den Sudan, Libyen und das Mittelmeer im Dezember 2013 in Neu-Isenburg landeten. An der Volkshochschule belegen sie Deutschkurse und leben in einem Wohnheim der Stadt. An welcher Straße das liegt, will Gerstenberger-Vogt lieber nicht sagen. Das brächte sonst wieder den einen und anderen auf die Idee, „seinen Sperrmüll davor abzustellen“. Die meisten meinten es sicher gut, vermutet Gerstenberger-Vogt. Doch letztlich wüsste kein nächtlich anonymer Spender, was wirklich gebraucht werde. Wer etwas überlassen will, sollte sich an die Stadt oder die Flüchtlingshilfe wenden.

Am Anfang habe er bei manchen Muslimen eine gewisse Skepsis bemerkt, blickt Loesch zurück. Die fürchteten wohl, dass die Christen mit dem Café etwas anderes im Schilde führen als nur eine Plattform für Kontakte anzubieten: „Schließlich sprach sich herum, dass wir niemand missionieren wollen.“ Der Pfarrer sieht das Café, für das ehrenamtliche Helfer Kuchen backen, Chili Con Carne kochen und das Ganze gegen eine Spende ins Sparschwein am improvisierten Tresen aus Tischen ausgeben, auch als Treffpunkt für jene, die Kontakte zu Vertretern der eigenen Kultur suchen. So erzählt Loesch, wie Quamar Sultan, Mitglied im Vorstand der Ahmadiyya-Gemeinde, gerade auf Landsleute getroffen ist und ihnen Rat geben konnte.

Die Marktplatzgemeinde stellt der eritreischen und der chinesischen Gemeinde schon lange Räume für ihre Gottesdienste zur Verfügung. Weil die Ahmadiyya-Gemeinde gerade ihre Moschee gekündigt bekam, stimmte der Kirchenvorstand zu, den vor allem pakistanischen Muslimen, die in ihrer mehrheitlich sunnitischen Heimat unter Verfolgung leiden, fürs Freitaggebet den Gemeindesaal zur Verfügung zu stellen, bis Ahmadiyya neue Räume findet.

Quamar Sultan sieht das entspannte Isenburger Zusammenspiel zwischen Christen und Muslimen in der Tradition des Propheten Mohammed: „Der ließ die Christen in Medina in der Moschee beten.“ Das „Café Grenzenlos“ öffnet jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 19 Uhr.

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