„Leuchtturm im Kreis“

CDU-Stadtverband feiert sich und sein 70-jähriges Bestehen

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Das 70-jährige Bestehen der heimischen Christdemokraten feierten Vorstand und Ehrengäste des CDU-Stadtverbands, darunter (vorne von links) Norbert Bachus, Christine Wagner, Theo Wershoven und Chronistin Christel Passinger sowie (2. Reihe von links) Franz Herzig, Wolfgang Bergenthal, Frank Lortz, Walter Winter, Stefan Schmitt, Moderator Horst Reber und (hinten rechts) Landrat Oliver Quilling.

Neu-Isenburg - Die Isenburger CDU hat sich und ihren 70. Geburtstag gefeiert und dabei auch auf bewegte Zeiten zurückgeblickt. Mit Interesse lauschten die Gäste im Gemeindezentrum der Pfarrei St. Josef unter anderem den Schilderungen von Zeitzeugen und dem von Heimatforscherin Christel Passinger zusammengestellten Rückblick.

Genau sieben Jahrzehnte: So lange gibt es nun schon den CDU-Stadtverband. Dieses Jubiläum wollte Isenburgs CDU natürlich nicht „ungefeiert“ lassen; wohl auch wegen der bevorstehenden Kommunalwahl, zu der man sich mit einer Jubiläumsfeier noch einmal richtig bemerkbar machen konnte. Die Lokalität war bewusst gewählt: „Wir wollten keinen akademische Akt, aber dennoch mit einer Feier der Gründung unseres Stadtverbandes vor 70 Jahren hier ganz in der Nähe gedenken“, betonte Stefan Schmitt. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende verwies auf die von Wilhelm Bremser einberufene „Gründungsversammlung“ in der Werkshalle der Firma Stahlbau-Pfaff in der Ludwigstraße. Die konstituierende Sitzung des ersten Vorstands fand dann in der Küche des Hauses Stolzestraße 54 statt.

In seiner Begrüßung der vielen Gäste hieß der CDU-Stadtverbandsvorsitzende insbesondere das mit 59 Jahren Zugehörigkeit treueste Mitglied, Pfarrer i.R. Norbert Bachus, willkommen. Ein besonderer Gruß galt auch den Zeitzeugen Theo Wershoven, Wolfgang Bergenthal, Franz Herzig und dem durch Krankheit verhinderten Walter Norrenbrock, der sich auch in die Vorbereitung der Feier eingebracht hatte.

„70 Jahre CDU und seit 1977 – mit einer kleiner Unterbrechung – in Regierungsverantwortung für diese tolle Stadt, das muss eine Feier wert sein“, so der CDU-Stadtverbandschef. In seiner Rede verwies er auf die Personen mit besonderen Verdiensten für die Isenburger CDU, angefangen von Dr. Paul Büchel, dem es bei der Wahl 1977 gelang, erstmals „die Rote Bastion“ (Schmitt) für die CDU zu gewinnen, über die Bürgermeister Robert Maier und Oliver Quilling bis zum von der CDU unterstützten Herbert Hunkel. „Alle haben mit dazu beigetragen, dass Isenburg heute so erfolgreich dasteht wie keine andere Kommune im Kreis Offenbach“, so Schmitt.

„Ein wunderbares Erlebnis“

Landtagsvizepräsident und CDU-Kreisvorsitzender Frank Lortz stellte den Isenburgern ein Top-Zeugnis aus. „Ich komme immer gerne nach Neu-Isenburg, heute besonders, denn es gilt einen CDU-Stadtverband zu gratulieren, der als Leuchtturm im Kreis bezeichnet werden kann“, so Lortz. Er verwies darauf, dass es innerhalb des Stadtverbandes sicherlich auch mal Meinungsverschiedenheiten gebe, dass man jedoch den einmal gefundenen Standpunkt dann geschlossen nach außen vertrete. „Es ist immer ein wunderbares Erlebnis zu sehen, wie man hier miteinander umgeht“, so Lortz.

Christel Passinger stellte eine mit großem Aufwand erstellte Chronik vor – und peppte ihren lebhaften Vortrag auch mit Fotos auf. Bald nach Kriegsende, noch 1945, habe Wilhelm Bremser die Initiative für die CDU ergriffen und bei der Militärregierung einen Antrag zur Gründung der „Christlich-Demokratischen Partei“ gestellt. „Drei wesentliche Probleme beschäftigten den Parteivorstand“, erzählt sie von der schwierigen Gründungsphase. „Zum einen mussten die finanziellen Mittel aufgebracht werden, die eine Partei nun einmal braucht. Zu diesem Zweck wurde nach jeder Versammlung um eine Geldspende gebeten. Das zweite Problem war wesentlich schwieriger zu behandeln. Es ging darum, dass nur Mitglieder aufgenommen werden konnten, die als Gegner des Nationalsozialismus und Militarismus bekannt waren oder ein Spruchkammerverfahren erfolgreich abgeschlossen hatten. Das dritte Problem war, dass die neugegründete CDU in dem Ruf stand, eine Nachfolgerin der Zentrumspartei zu sein. Trotz aller Widersprüche hielt sich dieses Image einige Jahre“, so Passinger.

Eulenempfang der Neu-Isenburger CDU: Fotos

Bei der ersten Gemeindewahl am 27. Januar 1946 erhielt die CDU 27,46 Prozent der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 77,03 Prozent. Passinger berichtet von vielen Stationen – wie dem 1971 gestarteten Experiment einer öffentlichen Fraktionssitzung. Neue Wege schlug die CDU im August 1972 ein – mit ihrer Telefonaktion „Hallo CDU“. Die Bürger konnten sich telefonisch direkt an den Partei- und den Fraktionsvorsitzenden wenden. „Die Resonanz war groß, auch wenn sich einige Anrufer als Störenfriede profilierten“, ist zu erfahren. Passinger berichtete von Stationen bis zum „besonderen Jahr 1977“, in dem die CDU „in einer Erdrutschwahl zur eigenen Überraschung die absolute Mehrheit erhielt“.

Hier leitete die Chronistin zu den Zeitzeugen über – der Zeppelinheimer Journalist Horst Reber lud zum Gespräch mit Norbert Bachus, Franz Herzig, Wolfgang Bergenthal und Ingrid Bickmann ein. So schilderte Bergenthal, dass die Politik des damaligen SPD-Kultusministers in Wiesbaden für ihn der Grund war, zur CDU zu gehen. „Alle Kinder sollten in eine Gesamtschule gehen, das wollte ich mir so nicht vorschreiben lassen“, betonte er – und schickte seine Tochter auf ein Gymnasium in Frankfurt.

lfp

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