Streaming-Konzerte mit lokalen Bands

Club 8 in Neu-Isenburg will weitermachen

Im Club 8 haben regionale Bands die Möglichkeit, sich in Streaming-Konzerten zu präsentieren. Frank Müller ist von der Qualität begeistert.
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Im Club 8 haben regionale Bands die Möglichkeit, sich in Streaming-Konzerten zu präsentieren. Frank Müller ist von der Qualität begeistert.

Wenn man wie Frank Müller und Florian Fischer eine ganze Halle mit hochwertiger Veranstaltungstechnik voll stehen hat und es plötzlich pandemie-bedingt keine Tourneen und Festivals mehr gibt, die man mit Licht und Ton bestücken kann, kann man resignieren oder sich kurzerhand neu erfinden. Letzteres taten die beiden Geschäftsführer der 8 days a week GmbH in Neu-Isenburg.

Neu-Isenburg - „Als Corona begann beschlossen wir nach einer Woche Selbstmitleid, das Equipment in unserer Halle zu einem TV-Streaming-Studio umzubauen und haben es in Anlehnung an die 8 in unserem Firmennamen kurzerhand ,Studio 8 Streaming’ genannt“, ließ Müller unsere Redaktion in einem Gespräch im vergangenen Jahr wissen.

Im April 2020 kamen die ersten Konzerte aus der Dornhofstraße frei Haus, zunächst mit Coverbands, die man kannte. Dann stieß Chris Tucker, der in der aktuellen Besetzung der Beatles Revival Band den John Lennon gibt, als Moderator zum Team und buchte Musiker, die ihre eigene Musik präsentierten und die man im Gespräch dazu befragen konnte.

Niemand ahnte im vorvergangenen Frühjahr, dass das Thema Covid 19 die Gesellschaft so lange begleiten würde. Streaming-Konzerte sah man als ein aus der Not der Zeit heraus geborenes temporäres Phänomen an. Allerdings haben die Streams aus dem Jazzkeller in Frankfurt, aus dem Hessischen Rundfunk mit der hr-Bigband wie auch der „Bühne frei!“-Aktion, die hessischen Künstler eine Plattform bot, ein beachtliches Eigenleben entwickelt. Auch der Club 8 reihte sich da mit seinen regelmäßigen Programmen ein. Jetzt, wo es das Wetter und die Inzidenzzahlen möglich machen, wieder Kultur unter freiem Himmel anzubieten, und viele Clubs und Veranstalter in der Region die Chance nutzen, ihr Publikum wieder zu beglücken, könnte es sein, dass das Interesse an Musik auf dem Bildschirm erlischt.

„Wir wollen den Club 8 auf jeden Fall weiter produzieren“, erzählt Müller, dass man zuletzt gar nicht mehr über Corona und etwaige Öffnungen einzelner Veranstaltungsorte nachgedacht habe. „Wir wussten nur, dass wir eine Sommerpause einlegen wollen, weil wir einfach mal Urlaub brauchen.“

Doch danach soll es weiter gehen: „Denn Sendungen, bei denen es um Live-Musik geht, gibt es nicht mehr viele. Das ist unserer Meinung nach ein guter Ansatz.“ Die nächste Staffel wird dann im Rahmen der vom Land geförderten Reihe „Ins Freie“ gedreht, also auch mit Publikum in unterschiedlichen Locations der Region. Danach geht es zurück in die Halle. „Der Club 8 ist für uns keine temporäre Angelegenheit“, verspricht er. Bewerbungen kann man jetzt schon an club8@8daw.de richten.

Vorrangig kommerzielle Interessen spielten für 8 days a week bei all dem Engagement eher keine Rolle. Die Streams sind kostenlos, haben aber mehr als einen nur ideellen Wert für Müller und Fischer. Sie können diese durchaus als Werbemaßnahme nutzen, die neue Kunden bringt. Insofern ist es auch finanziell interessant für die Veranstaltungsdienstleister. „Wir haben uns aber die Aufgabe gegeben, eine Art ,Kulturgrundversorgung’ in Sachen live gespielter Musik für das Rhein-Main-Gebiet anzubieten. Es geht nicht darum, das Live-Erlebnis durch ein Streaming-Konzert zu ersetzen. Aber es ist eine sinnvolle Ergänzung.“

Die wöchentliche Begegnung mit vielen regionalen Acts war eine interessante Erfahrung für ihn. „Ich hatte die lokale Szene in den letzten Jahren total aus den Augen verloren, weil ich doch sehr viel auf Tour war“, reiste Müller als Mitglied der Techniker-Crew allein zwei Mal mit Lenny Kravitz um die Welt. „Und wenn ich dann zuhause war, hatte ich nicht wirklich große Lust auf Live-Musik“, sagten ihm die meisten Namen, mit denen er sich beim Club 8 konfrontiert sah, nichts. Romie? DanaMaria? Nie gehört. „Jetzt bin ich total begeistert von der Qualität der Bands“, schwärmt er.

Drei Termine gibt es noch im Juni mit der Ina Morgen Band (14. 6.), Thursday in March (21. 6.) und Breitenbach (28. 6.). Das Quartett um den Sänger und Gitarristen Toby Breitenbach stellt sein neues Album „L8 Night – Live&Acoustic“ mit Unplugged-Versionen der kraftvollen Rocksongs vor. Die 16 Titel wurden übrigens bei ihrem letzten Konzert in Neu-Isenburg mitgeschnitten und sind ein gutes Beispiel dafür, welch kreative Früchte die Zusammenarbeit mit 8 days a week auch tragen kann.

» youtube.com/ studio8streaming

Von Detlef Kinsler

Das Quartett von Toby Breitenbach tritt am 28. Juni im Club 8 auf.

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