Den Traum nicht aus dem Blick verlieren

Constantin Keller aus Neu-Isenburg will anderen Mut machen

Constantin Keller im Studio 1 des Hessischen Rundfunks. Hier probiert sich der Schüler aus Neu-Isenburg hinter der Kamera aus – eigentlich will der junge Mann aber als Schauspieler lieber selbst ins Scheinwerferlicht.
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Constantin Keller im Studio 1 des Hessischen Rundfunks. Hier probiert sich der Schüler aus Neu-Isenburg hinter der Kamera aus – eigentlich will der junge Mann aber als Schauspieler lieber selbst ins Scheinwerferlicht.

Constantin Keller hat große Träume. Der junge Mann aus Neu-Isenburg lässt sich von seinem Handicap der Gehörlosigkeit nicht ausbremsen und möchte gerne Schauspieler werden. Der Hessische Rundfunk zeigt morgen Abend in der Reihe „Was wurde aus ...?“ ein Porträt des heute 19-Jährigen.

Neu-Isenburg - Der Film von Guido Holz ist die Fortsetzung einer Reihe, die schon vor zwölf Jahren entstanden ist. Bereits 2009 hat der Sender unter dem Titel „Raus aus der Stille“ eine Dokumentation über den Jungen aus der Hugenottenstadt gezeigt.

Das Fernsehteam trifft Constantin Keller im heimischen Garten. Da erzählt der junge Mann, dass seine Gehörlosigkeit vererbt ist. Auch Vater, Oma und Uropa seien taub oder stumm gewesen. Immer wieder gibt es Rückblenden in den alten Film, in dem der Junge mit den Schwierigkeiten gezeigt wird, die sein Handicap mit sich bringt. Der Isenburger hat in seiner Heimatstadt einen Kindergarten besucht und in Frankfurt eine Schule für Gehörlose. Die alte HR-Reportage zeigt den kleinen Kicker im Fußballcamp, wie er von den anderen Kindern missverstanden wird und selten einen Ball vor die Füße bekommt.

Auch der beschwerliche Weg, das Sprechen zu erlernen, ist eindrucksvoll dokumentiert. Bei einer Logopädin lernt der Junge die Wörter, die er selbst nicht hören kann, durch sich immer wiederholende Übungen zu sprechen. Constantin beschreibt selbst, dass er diese Stunden nicht sehr mochte und deswegen oft nicht hingehen wollte. Heute ermöglicht ihm die jahrelange Praxis aber das Sprechen. Er ist so in der Lage, sich mit allen Menschen zu unterhalten. Corona macht ihm allerdings im Augenblick das Leben ungleich schwerer: Mit den Masken tragenden Menschen ist es ihm verwehrt, von den Lippen abzulesen. „Ich höre mit Hörgerät zehn bis 15 Prozent. Ich brauche das Ablesen der Lippen, das ist gerade echt schwierig“, gibt der junge Mann zu.

Sein großer Traum ist es, Schauspieler zu werden. Bei der Produktion einer „Tatort“-Folge mit Wolfram Koch in der Rolle des Kommissars Paul Brix in Buchschlag bekommt er die Gelegenheit, mit dem Schauspieler zu sprechen. Da wird auch klar: Schüchtern ist Constantin nicht. Als Koch fragt, ob er taubstumm sei, korrigiert dieser ihn selbstbewusst: Taubstumm sei eine Beleidigung, er sei gehörlos und alles andere als stumm. Er könne ja sprechen. Die beiden kommen in der Drehpause dann auch nett ins Gespräch, der Schauspieler zeigt Constantin den Camper, in dem er seine Pausen verbringt, und rät dem Schauspiel-Nachwuchs, möglichst viele Rollen immer wieder zu üben und alte Rollentexte laut zu lesen. Die Chance, einen Komparsen zu spielen, musste Keller verstreichen lassen: Am vorgesehenen Drehtag war er leider krank.

Aber jetzt steht ohnehin erst einmal der Schulabschluss an. Nach einem Schuljahr an der Isenburger Goetheschule ist Constantin Keller an ein Essener Internat gewechselt. Das bedeutet auch, dass er derzeit nur an den Wochenenden bei seinen Eltern und Geschwistern in Neu-Isenburg ist. Aber grundsätzlich fühlt er sich wohl in Essen und hat an der neuen Schule auch schon Freunde gewonnen. Das sei manchmal leichter, wenn diese das gleiche Handicap haben und die Schwierigkeiten, die sich ihm manchmal in den Weg stellen, kennen.

Wenn er nicht in Essen ist, ist Constantin Keller auch sehr sportlich. Im Gehörlosen Verein GTSV in Frankfurt ist er als Basketball-Leiter aktiv, früher war er auch in der Jugendgruppe des THW in der Hugenottenstadt.

Seine eigene Lebensgeschichte im Fernsehen zu sehen, sei für ihn etwas sehr Besonderes: „Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Chance bekommen habe und damit anderen Jugendlichen Mut machen kann. Ich inspiriere gerne andere Menschen dazu, ihren eigenen Weg zu gehen, egal, wie viel Gegenwind sie bekommen“, hofft Constantin Keller, dass die HR-Dokumentation von vielen gesehen wird. Natürlich hat der Film auch die eigene Familie und Freunde erreicht: „Meine Familie ist sehr stolz auf mich und auch von Freunden und Bekannten habe ich viel positives Feedback bekommen“, freut er sich.

Den Film zeigt das Hessenfernsehen morgen um 21.45 Uhr. Er findet sich auch in der ARD-Mediathek. Als Suchbegriffe empfehlen sich „Constantin“ oder „Constantin – Raus aus der Stille“.

Von Nicole Jost

Eine tolle Gelegenheit: Constantin Keller beim „Tatort“-Dreh in Buchschlag mit Wolfram Koch.
Constantin war schon als Kind in der HR-Dokumentation „Raus aus der Stille“ zu sehen.

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