Strenge Hygieneauflagen

Friseure öffnen in der Corona-Krise wieder: „Irgendwie muss es ja weitergehen“

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Haarewaschen und Mundschutz sind beim Friseur jetzt Pflicht: Karina Weber mit einer Mappe voller Corona-Vorschriften bei der Vorbereitung auf die Wiedereröffnung.

Viele freuen sich darauf, dass die Friseure ab Montag wieder öffnen dürfen. Aber Masken und Mindestabstand sind nur einige der Hygieneauflagen. Friseurmeisterin Karina Weber stellt sich in ihrem neuen Laden darauf ein.

  • Wegen des Corona-Lockdowns mussten Friseure in Deutschland schließen
  • Ab Montag (04.05.2020) dürfen sie wieder öffnen
  • Wie bereitet sich eine Friseurin aus Neu-Isenburg auf die Situation vor?

Neu-Isenburg – Am Montag (04.05.2020) ist sie vorbei: Die Zeit der wilden Frisuren und der improvisierten Haarschnitte mit der Küchenschere. Dann werden im ganzen Land wieder Friseure ihre Läden öffnen dürfen. Denn die Politik hat angekündigt, auch diese in den Genuss von Lockerungen des Corona-Lockdowns kommen zu lassen. Da bei vielen der Montag Ruhetag ist, werden die meisten aber wohl erst morgen öffnen.

Corona in Neu-Isenburg: Großer Wust an Vorschriften für Friseure

Schon in den vergangenen Tagen hat sich hinter den geschlossenen Türen der Salons einiges getan. Um wieder öffnen zu können, müssen die Betreiber erst einmal zwei große Hürden nehmen: Einerseits den großen Wust an Vorschriften durcharbeiten und andererseits eine ziemlich „raumgreifende“ Veränderung vornehmen.

Das gilt auch für den neuen Salon „Glatzenföhner“ von Karina Weber in der Bahnhofstraße. Die Meisterin ihres Fachs kommt aus einer Friseur-Dynastie und führt das Geschäft ihrer Großeltern nun in der dritten Generation fort – wenngleich im zeitgemäßen Rahmen.

„Mein Opa hatte den Salon Ilona in der Frankfurter Straße und meine Eltern sind dann in die Hugenottenallee umgezogen und haben das Geschäft weitergeführt“, erzählt die Friseurmeisterin. Sie selbst ist im Salon – auf dem Schoss der vielen Kunden – aufgewachsen und hat ihrer Oma versprochen, die Tradition fortzuführen. „Ich habe erst mal einen Bogen über Landshut geschlagen, wo ich heute noch einen Salon habe, bin aber Anfang des Jahres zurück nach Neu-Isenburg gekommen, auch weil es meiner Mutter nicht mehr so gut geht“, schildert Weber.

Friseure in Neu-Isenburg in der Corona-Krise: „Schlimmer hätte der Geschäftsanfang nicht verlaufen können“

Die Corona-Zwangspause traf die junge Frau besonders hart: Kaum hatte sie den Salon in der Bahnhofstraße 44 eröffnet, kam der angeordnete Lockdown. „Schlimmer hätte der Geschäftsanfang nicht verlaufen können“, beschreibt sie ihre Situation. Doch Karina Weber sieht das alles als eine Herausforderung, die sie auch annehmen will. „Irgendwie muss es ja weitergehen“, so ihre Einstellung.

Um ihren Salon überhaupt öffnen zu können, muss sie – wie alle anderen auch – viele Auflagen erfüllen. „Das ganze Mobiliar muss erst einmal raus, alles desinfiziert werden und dann darf einiges wieder rein“, beschreibt Weber grob die Vorgaben – und hält das ganze Bündel von Vorschriften in der Hand. So darf sich in ihrem Wartebereich nur eine Person aufhalten, es gibt keine Zeitschriften und auch sonst nichts. „Man kann ja keinen Kaffee durch die Mundschutzmaske trinken“, schmunzelt sie.

Die Kunden müssen ebenfalls mit Mundschutzmaske kommen, das Haar muss sie waschen und nass scheiden – damit keine trockenen Haare herumfliegen, die möglicherweise mit dem Virus kontaminiert sind. „Ich muss freilich noch üben, wie ich das Haar um die Maskenbänder herum schneide“, verweist Karina Weber auf ein Problem.

Neu-Isenburg: Strenge Corona-Regeln für Friseure

Ist der Kunde bedient, muss der Arbeitsplatz gründlich gereinigt und desinfiziert werden. „Ich kann aufgrund dieses Aufwandes am Tag mindestens fünf Kunden weniger bedienen“, vermutet sie, will aber trotzdem unbedingt wieder ihrer Leidenschaft nachgehen können.

„Das ist mein Leben und dafür lebe ich“, betont Weber. So hat sie nicht nur einen genauen Zeitplan für jeden Typ von Haarschnitt erarbeitet, sondern will auch über die üblichen Öffnungszeiten hinaus in ihrem Salon für ihre Kunden da sein.

„Auch die Menschen haben das Bedürfnis, wieder mal eine ordentliche Frisur zu haben, um sich wohler fühlen zu können, dazu will ich meinen Teil beisteuern“, meint die Isenburgerin und hat ihren Salon entsprechend hergerichtet. Aus ihrer Sicht kann es endlich wieder losgehen.

Die hessenweite Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung trat vor kurzem in Kraft. Geschäfte sowie Bus, Bahn und Taxi dürfen nur noch mit Tüchern, Schals oder Masken vor dem Gesicht betreten werden. Neu-Isenburg sah sich auf die Corona-Regelung gut vorbereitet.

Patrick Steinbach aus Neu-Isenburg ist freischaffender Künstler und von der Corona-Krise betroffen. Aber er weiß sich zu helfen.

VON LEO F. POSTL

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