Erster bestätigter Fall

Coronavirus: Erster Infizierter in Neu-Isenburg – Stadt setzt auf rigorose Maßnahmen 

Nach dem ersten Fall des Coronavirus in Neu-Isenburg ergreift die Stadt jetzt rigorose Maßnahmen (Symbolbild).
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Nach dem ersten Fall des Coronavirus in Neu-Isenburg ergreift die Stadt jetzt rigorose Maßnahmen (Symbolbild).

In Neu-Isenburg gibt es den ersten bestätigten Corona-Fall. Die Stadt will durchgreifen. Die Gerüchteküche brodelt.

Neu-Isenburg – Die Hugenottenstadt hat einen ersten bestätigten Corona-Fall: Wie gestern berichtet, hat ein 47 Jahre alter Isenburger das Virus aus dem Urlaub in Ischgl mitgebracht. Als ob das nicht unangenehm genug ist, bricht auf den sozialen Netzwerken die Gerüchteküche los. 

In Gravenbruch geistern online sogar Straßennamen und konkrete Hausnummer des Erkrankten durch das Netz. Es ist die Rede von einem komplett unter Quarantäne stehenden Hochhaus – ein Gerücht, das sich nicht bestätigt. Es hat beinahe ein bisschen etwas von einer Hexenjagd.

Coronavirus-Patient in Neu-Isenburg: Wohnort-Diskussion unnötig

Bürgermeister Herbert Hunkel ist entsetzt: „Es ist für den betroffenen Patienten wichtig, dass er in guter Behandlung und in seiner Wohnung in Quarantäne ist. Das Gesundheitsamt ist im Boot und alle Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen. Diese öffentliche Diskussion um den Wohnort schürt nur Verunsicherung und verursacht unnötige Panik. Das ist völlig überflüssig“, so der Rathauschef.

Kritik übt Hunkel auch an Ortsvorsteher Edgar Fischer. Der Gravenbrucher hat es online als „dickes Ding“ bezeichnet, dass er als Ortsvorsteher nicht direkt von der Stadt informiert wurde. „Hätte er bei der Stadt angerufen und nachgefragt, hätte er auch eine Antwort bekommen. Sich stattdessen öffentlich darüber auszulassen – das ist ein Verhalten, das ich nicht verstehe. Es muss hier immer um die sachliche Benachrichtigung für die Menschen gehen. Mit solch einer Veröffentlichung wiegelt man eher die Leute auf“, zeigt Hunkel für die Reaktion von Fischer kein Verständnis.

Neu-Isenburg: Debatte um Coronavirus-Fall kocht hoch

Auf Anfrage dieser Zeitung betont Edgar Fischer, dass er von den Gravenbrucher Bürgern angesprochen worden sei: „Ich konnte dann nur sagen, dass ich selbst nichts weiß. Das finde ich eben nicht gut. Die Gravenbrucher sind etwas sensibel und fühlen sich schnell abgehängt“, so Fischer. Grundsätzlich bedauere er aber auch, dass die Diskussion in den sozialen Netzwerken so hochgekocht sei. „Wir sind in einer absoluten Ausnahmesituation. Es spielt keine Rolle, wo der Mann wohnt. Wir sollten eher überlegen, wie wir jetzt alle zusammenhalten können und welche Hilfe er jetzt benötigt.“

Wie in all den anderen Städten im Kreis hat Neu-Isenburg wegen der Pandemie nun weitreichende Entscheidungen getroffen. Die Museen (Haus zum Löwen, Zeppelin-Museum und Bertha-Pappenheim-Haus), die Stadtbibliothek und ihre Zweigstellen, das Schwimmbad und die Sauna bleiben ab Montag, 16. März, bis auf Weiteres geschlossen. Auch das Iseborjer Kinno, die Jugendeinrichtungen (wie Infocafé, Jugendbüro, Jugendcafe´, JuCa-Club, Juz Gravenbruch, Jugendraum Zeppelinheim und Jugendförderung West) sowie das Haus der Vereine, die Alte Goetheschule und die Bansamühle bleiben ab Montag für öffentliche Veranstaltungen zu.

Gleiches gilt für die offenen Treffs in den städtischen Senioreneinrichtungen und das Stadtteilzentrum West.

Coronavirus: Rathaus in Neu-Isenburg teilweise dicht für Besucher

Das Rathaus und die Bürgerbüros sind nach Terminvereinbarung und natürlich telefonisch weiter erreichbar, aber für den offenen Publikumsverkehr dicht. „In den Wartebereichen sitzen die Menschen zu eng aufeinander. Das Risiko ist einfach zu groß und wir müssen jetzt alles tun, damit sich das Virus nicht zu schnell verbreitet“, begründet Hunkel den Schritt, den er gemeinsam mit den anderen Bürgermeistern, Landrat Oliver Quilling und Fachleuten vom Gesundheitsamt beschlossen hat.

Die Hugenottenhalle ist für die Eigenveranstaltungen gesperrt. Die für den 20. März geplante Sportlerehrung wird verschoben. Bei den Kulturevents von externen Veranstaltern entscheidet der jeweilige Hallenmieter, ob die Veranstaltung ausfällt. „Nur Konzerte oder Theater mit über 1000 Leuten sind offiziell verboten“, so Hunkel. Das für 21. März angesetzte Gastspiel von Jürgen von der Lippe wurde bereits auf den 8. Dezember verschoben.

Coronavirus in Neu-Isenburg: Notbetreuung für bestimmte Kinder

Der Rathauschef ging früh bereits davon aus, dass auch Schulen und Kitas schließen. Dafür hat er einen Notfallplan in der Schublade: „Es wird dann eine Notbetreuung geben, aber nur für Kinder von Eltern, die in Bereichen von Sicherheit und Ordnung arbeiten – sprich Polizei, Krankenhaus, Rettungsdienst oder Feuerwehr“, erläutert der Bürgermeister. Den Vereinen rät er, alle öffentlichen Veranstaltungen abzusagen. Für die Feuerwehr gelte auch der Verzicht auf Kameradschafts- und Übungsabende, um zu vermeiden, dass eine mögliche Ausbreitung des Virus die Station lahmlegt.

Aktuelle Infos gibt es über den Newsletter des Rathauses über die Internetseite der Stadt. Die Stadtverwaltung ist telefonisch weiterhin unter z 06102 2410 und per Mail (info@stadt-neu-isenburg.de) zu erreichen.

VON NICOLE JOST

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