Verein Pour l’Yseboursch präsentiert weiteren Gestaltungsvorschlag für den Alten Ort

Das frühere Zentrum von Neu-Isenburg erleben

 Historisches und multifunktionales Kernstück der vorgeschlagenen Installation „Mairie“ ist der Brunnen – hier die Außenansicht im Alltagsmodus, ringsherum Säulenpfosten in Sitzhöhe. 
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Historisches und multifunktionales Kernstück der vorgeschlagenen Installation „Mairie“ ist der Brunnen – hier die Außenansicht im Alltagsmodus, ringsherum Säulenpfosten in Sitzhöhe. 

Die Frage nach der künftigen Gestaltung des Marktplatzes im Alten Ort von Neu-Isenburg bewegt weiter. Nachdem im Stadtparlament vergangene Woche über den Entwurf eines Brunnens gesprochen wurde, den der Magistrat als Anregung vorgelegt hat, legt nun der Verein „Pour l’Yseboursch“ nach: Mit der konkreten Ausarbeitung des Kernstückes, dem Brunnen, hat der gemeinnützige Geschichtsverein dem städtischen Brunnenmodell in der Mitte des Marktplatzes eine Alternative zur Seite gestellt.

Neu-Isenburg - Es ist die „Mairie“ (französisch für Bürgermeisterei), vielen Isenburgern besser bekannt unter dem nicht ganz so griffigen Arbeitstitel „Stumpfmodell“. Diese Modell habe in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Betrachtung immer im Schatten der Initiative gestanden, die das alte Hugenottenrathaus wieder aufbauen wollte, schreibt der Vorsitzende von „Pour l’Yseboursch“ und Schöpfer der „Mairie“, Werner A. Stahl. Es habe sich im Nachhinein gezeigt, dass die öffentliche Wahrnehmung keine klare Trennung zwischen diesen verschiedenen Ansätzen ziehen konnte. Nun aber sei der Wiederaufbau des Hugenottenrathauses vom Tisch und es würden in absehbarer Zeit Entscheidungen gefällt. Das sei der Grund dafür, dass Pour l’Yseboursch nun mit einem konkretisierten Brunnen als Zentrum der Mairie wieder in die Öffentlichkeit tritt und sich der Diskussion stellt.

Werner A. Stahl erklärt überzeugt: „Mit der Mairie ist uns wirklich der große Wurf für alle Neu-Isenburger gelungen. Man muss nur bereit sein, hinzuschauen und mit zu denken.“ Die Mairie sei die „eierlegende Wollmilchsau“ für den Marktplatz – nur besser. Ja, die Idee sei unter dem Namen „Stumpfmodell“ , damals noch im Kontext der Bürgerinitiative Alter Ort, erstmals 1996 als frühes Modell der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Niemand habe sich damals dafür interessiert. „Jede Zeit hat eben ihre Prioritäten und ihre Ansprechpartner“, kommentiert der Geschichtsverein. Damals seien für die Gestaltung des Marktplatzes Entwürfe der Fachhochschule Darmstadt diskutiert worden, „Entwürfe aus der eigenen Bevölkerung passten nicht in die damalige Diskussionslage“. Seither sei die Mairie gereift und wurde der Öffentlichkeit 2018 erneut, noch immer im Namen der BI Schöner Alter Ort, vorgestellt. Der Stadtumbau wurde zum Thema. Nun liege „mit der konkreten Ausgestaltung des zentralen Brunnens die neueste, und möglicherweise finale Darstellung vor“, führt der Theaterpädagoge und studierte Kunstpädagoge Stahl aus.

Über die Brunnenschale ragt über den Rand ein kleines, metallenes Modell des alten Hugenottenrathauses.

Die „Mairie“ , der auf 45 Zentimeter Sockelhöhe begrenzte Grundriss des ehemaligen Hugenottenrathauses mit dem in originaler Form wieder errichteten historischen Dorfbrunnen in der Mitte, erfülle das historische Bild, aber auch die soziale Funktion als belebter Treffpunkt für die Isenburger Bürger. Und auch unter pädagogischen Gesichtspunkten biete er die Möglichkeiten für handlungsorientierten Heimatkunde-Unterricht im Alten Ort. „Das frühere Zentrum zu erleben ist mehr, ist deutlich intensiver als die bloße Anschauung anhand von Bildern“, ist das Team von Pour l’Yseboursch überzeugt. Der Verein bietet auch Führungen für Schulen im Alten Ort an.

Doch zurück zum vorgelegten Entwurf für die Platzgestaltung. „Im Alltagsbetrieb kommt die Mairie eher bescheiden daher“, erläutert Stahl: „Ein Dorfbrunnen, umgeben von nutzbaren Säulen und einem seitlichen flachen Mauerkranz (Treppenturm). Erst wenn man näher an den Brunnen herantritt, hört man das Plätschern aus der Tiefe des Schachtes. Im Brunnen sieht man in einer wassergefüllten Brunnenschale ein Bronzemodell des Hugenottenrathauses stehen. Die Schale ist innen mit dem Hugenottenkreuz, gleichzeitig dem Grundriss des Alten Ortes, in Mosaik ausgekleidet.“ An seitlichen Ausbuchtungen laufe das Wasser aus der Schale und stürze in die Tiefe des Schachtes, von wo ein fernes und verheißungsvolles Plätschern ertönt.

Die „Mairie“ in der Platzmitte biete aber eben vor allem auch integrierte, sehr flexibel nutzbare Möglichkeiten als Plattform für Veranstaltungen: „Auf die flachen Säulenstümpfe und Mauersockel kann man mit wenigen Handgriffen verschiedene Bühnenteile auflegen und erhält so eine flache Bühne für kleine Konzerte und dem Ort angemessene bürgernahe Veranstaltungen. Selbst der Tannenbaum zu Weihnachten oder ein großer Sonnenschirm finden ihren Platz. Sie stecken bei Bedarf in einer speziellen Halterung im Schacht des Dorfbrunnens.“

Und der Preis? Er dürfte, schreibt der Verein, „mit großer Sicherheit zehn bis 25 Prozent unter dem bereits in der Stadtverwaltung vorgestellten alternativen Brunnen im Stile des Neo-Klassizismus (19. Jahrhundert) liegen“. Beim Material sei an einen Verbund von traditionellen und modernen Werkstoffen gedacht. Und mit der Ausführung wolle man natürlich möglichst ortsansässige Handwerksbetriebe betrauen. Reichlich weitere Ideen und viel Stoff also für angeregten Bürgerdialog, den der Verein „Pour l’Yseboursch“ da vorgelegt hat.  hov

Infos im Internet: pour-l-yseboursch.de

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