Trägerverein plant Aktion zum Hugenottenrathaus am Tag des offenen Denkmals

Dem Alten Ort in Neu-Isenburg sein Herz zurückgeben

Mit der Generalprobe zur Aktion zum Tag des offenen Denkmals sind (von links) Rouven Dackermann, Irfan Göksu, Georg Oeter, Torsten von Juterzenka und Stephen Bürkle sehr zufrieden. Am 12. September sollen die Umrisse des Hugenottenrathauses auf dem Marktplatz im Alten Ort temporär wieder entstehen.
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Mit der Generalprobe zur Aktion zum Tag des offenen Denkmals sind (von links) Rouven Dackermann, Irfan Göksu, Georg Oeter, Torsten von Juterzenka und Stephen Bürkle sehr zufrieden. Am 12. September sollen die Umrisse des Hugenottenrathauses auf dem Marktplatz im Alten Ort temporär wieder entstehen.

„Am 12. September steht das Hugenottenrathaus wieder auf dem Marktplatz im Alten Ort – zumindest das Erdgeschoss mit den Rundbögen“, verspricht Georg Oeter. Der Vorsitzende des Trägervereins zum Wiederaufbau des Hugenottenrathauses in Neu-Isenburg will mit seinem Team zum Tag des offenen Denkmals zumindest die Grundmauern wieder aufbauen – und das in Originalmaßen. Eine kleine Probe fand schon mal am Montagnachmittag statt.

Neu-Isenburg - Die acht Portalbögen mit einer Höhe von drei Metern werden am Sonntag, 12. September, als Holzkonstruktion mitten auf dem Marktplatz stehen. Dazu gibt es ein kulturhistorisches Rahmenprogramm, Fachvorträge und ein Diskussionspodium. Der Trägerverein Hugenottenrathaus lädt von 10 bis 16 Uhr zu einem Besuch in die Vergangenheit der Hugenottenstadt ein – nicht zuletzt in der Hoffnung, die Stadtverordneten umstimmen zu können, die sich mehrheitlich ja gegen den Wiederaufbau ausgesprochen haben.

Im Mittelpunkt des Kulturevents in ganz Deutschland – mit seinen über 7 500 historischen Stätten – steht dann in Neu-Isenburg das im September vor 145 Jahren abgerissene Hugenottenrathaus. „Es ist bis heute Neu-Isenburgs einziges Wahrzeichen, ein Denkmal der Völkerverständigung zwischen Deutschen und Franzosen sowie ein Symbol für ein integriertes und friedvolles Zusammenleben“, betont Georg Oeter.

Die Passanten haben sich am Montagabend verwundert die Augen gerieben, als ein von ein paar Männern geschobener Transportwagen, beladen mit langen Holzteilen, sich vom Lager des Möbelhauses Bürkle in der Frankfurter Straße auf den Weg durch die Löwengasse zum Marktplatz im Alten Ort macht. „Da haben manche bestimmt gedacht, das gibt ein neuer Wagen für den Lumpenmontagsumzug“, scherzt Rouven Dackermann, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins. Als dann auf dem Marktplatz die Seitenteile aufgestellt und der Rundbogen eingepasst werden, gibt es anerkennende Blicke.

„Mit diesem Probeaufbau wollen wir uns selbst mal einen Eindruck verschaffen, welcher Aufwand das ist und wie viel Zeit wir dafür brauchen“, berichtet Irfan Göksu. Der engagierte Isenburger Bauunternehmer stellte einen Fachmann zur Verfügung, der die Holzkonstruktion anfertigte. Sein Team wird am 12. September dann auch das Ganze aufbauen. Die Farbgestaltung übernimmt der Künstler Torsten von Juterzenka.

„Bürger und Gäste können am Tag des offenen Denkmals die Geschichte von Neu-Isenburg in einer Weise anfassen, wie es sonst nicht oder nur eingeschränkt möglich ist“, betont Georg Oeter der sich als Stadtentwickler und Denkmalpfleger einen Namen gemacht hat. „Der Tag bietet die Chance, zu entdecken, was die Bürger mit der Hugenottenstadt verbindet und was Identität stiftet“, meint auch Rouven Dackermann.

Neu-Isenburg besitzt mit dem denkmalgeschützten Grundriss der 1699 gegründeten Hugenottensiedlung (heute Alter Ort) einen Stadtteil von großer geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung. Doch dieser Stadtteil mit seinen Gebäuden gerate immer mehr in Vergessenheit. Seine Bedeutung als identitätsstiftender Stadtkern sowie für die Denkmalpflege verschwindet nach Meinung des Vereins zunehmend aus dem Blickfeld der Politik und der Öffentlichkeit. Das ist für die Mitglieder Grund genug, am Tag des offenen Denkmals den Gründungskern der Stadt wieder mehr ins kommunale, regionale und überregionale Bewusstsein zu rücken und in den Fokus der öffentlichen Diskussion zu stellen.

Mit der Konstruktion in Originalgröße will der Trägerverein auch dem oft vorgebrachten Argument entgegentreten, dass die alte Ortsmitte dann völlig verbaut wäre. Die kulissenhafte Nachbildung der achteckigen Portalbögen steht auf dem Grundriss des alten Rathauses in der Marktplatzmitte. Nach dem Entwurf von Andreas Löber aus dem Jahr 1702 sollen die zierliche Form und die geringe Grundfläche von nur sieben Metern im Durchmesser zeigen, dass mit einem Wiederaufbau die historische Mitte wieder vervollständigt und dem Alten Ort sein Herz zurückgegeben werden könnte. Zudem möchte der Verein unter Beweis stellen, dass dann noch genug Platz für Veranstaltungen vorhanden wäre. Georg Oeter: „Genau das alles wollen wir am Tag des offenen Denkmals mit unserer Aktion vorstellen.“

Von Leo F. Postl

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