Schulleiter weitgehend zufrieden

Distanzunterricht funktioniert in Neu-Isenburg

Ein einziger Schüler der Klasse fünf ist im Unterricht der Goetheschule, den Rest der Gruppe leitet Mathe-Lehrer Marian Benzing über den Videounterricht an. Sogar die Einführung eines neuen Themas gelingt problemlos.
+
Ein einziger Schüler der Klasse fünf ist im Unterricht der Goetheschule, den Rest der Gruppe leitet Mathe-Lehrer Marian Benzing über den Videounterricht an. Sogar die Einführung eines neuen Themas gelingt problemlos.

Schulen in Neu-Isenburg kommen mit dem Distanzunterricht zurecht und zeigen sich mit den Erfahrungen zufrieden. Das zeigt eine kleine Umfrage.

Neu-Isenburg – Für die älteren Schüler ist seit dem Schulstart im neuen Jahr der Distanzunterricht schon Routine. Nur die Abschlussklassen dürfen in den Präsenzunterricht kommen. Für die Klassen eins bis sechs hat das Kultusministerium in Wiesbaden andere Regeln aufgestellt: Dort, wo es möglich ist, sollen die Eltern ihre Kinder zugunsten der Kontaktvermeidung zu Hause lassen.

In Elternhäusern, in denen keine Betreuung möglich ist, können die Grundschüler und die Schüler der Unterstufen in die Schule kommen.

„Wir hatten in den ersten beiden Wochen nach den Ferien eine Auslastung von rund 20 Prozent im Präsenz-unterricht“, erklärt Dr. Volker Stürzer, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis Offenbach. Diese Zahl sei leicht steigend und auch abhängig von der Schulform. „An den Grundschulen haben wir tendenziell mehr Kinder im Unterricht“, so Stürzer weiter. Aber die Taktik, auf diese Weise Kontakte deutlich zu verringern, sei aufgegangen: Die Zahl der Corona-Fälle an den Schulen ist deutlich zurückgegangen.

Wie ist die Situation an den Isenburger Schulen? Meike Claus, Leiterin der Hans-Christian-Andersen-Schule, bestätigt, was Volker Stürzer andeutet – an den Grundschulen sind deutlich mehr Kinder anzutreffen „Wir haben 105 Kindern von 286 Schülern an der Schule, also deutlich mehr als 20 Prozent. Während die zweiten und vierten Klassen nur sehr gering besetzt sind, sind besonders die ersten Klassen sehr voll“, berichtet die Chefin der Grundschule in der Gartenstraße. Aber der Distanzunterricht klappe gut, seit Dezember ist die Grundschule komplett mit W-LAN ausgestattet und die Schule hat für die Kinder die vom Kreis ausgegebenen 35 Laptops abgerufen. „Wir haben aber auch Abholstationen im Schulhof, wo die Wochenpläne ausgetauscht werden“, sind auch die analogen Arbeitstechniken an der Grundschule noch gefragt.

In Gravenbruch an der Ludwig-Uhland-Schule ist die Auslastung im Präsenzunterricht ähnlich hoch: 103 von 280 Schülern kommen täglich in die Schule. Dort ist es die dritte Jahrgangsstufe, die besonders stark vertreten ist, während viele Viertklässler zu Hause bleiben.

„Wir haben uns inzwischen gut eingearbeitet“, erklärt Lara Weyl, stellvertretende Leiterin der Grundschule in Gravenbruch. Mit der Bildung von Zweierteams der Kollegen in den Klassen kann immer eine Lehrerin die Schüler zu Hause betreuen, die andere übernimmt den Unterricht in der Klasse. Die technischen Schwierigkeiten seien zu Beginn eine echte Herausforderung gewesen, inzwischen laufe der Unterricht über Microsoft Teams aber gut. „Erstaunlich ist, wie schnell die Kinder damit umgehen konnten, sie sind wahnsinnig fit“, freut sich Weyl über die steile Lernkurve der Grundschüler.

Deutlich kleiner ist die Zahl der Fünft- und Sechstklässler, die an der Brüder-Grimm-Schule derzeit anwesend sind. Die Unterstufe ist lediglich mit zehn Kindern besetzt. „Ich bin auch wirklich stolz auf die Schule. Es ist ein Quantensprung in Sachen Digitalisierung, den wir von März bis jetzt erreicht haben“, lobt Birgit Ingenfeld, stellvertretende Leiterin der Haupt- und Realschule, Schüler und Kollegen. Durch rechtzeitiges Training im Umgang mit dem Programm funktioniere der Online-Unterricht hervorragend und der weit größte Teil der Schüler kann im Distanzunterricht arbeiten.

Das berichtet Ralph Hartung, Direktor der Goetheschule, aus seinen sechsten Jahrgängen ebenfalls. Lediglich zwei der 150 Sechstklässler waren in der vergangenen Woche in der Schule. Bei den fünften Klassen waren es 27 von ebenfalls 150. Der Chef des Gymnasiums kann sich den Unterschied erklären: „Die Sechstklässler waren bereits im März bei uns an der Schule und die Eltern haben erlebt, wie gut der Unterricht im Lockdown funktionierte. Die Kinder in diesem Alter können gut alleine zu Hause lernen, bei dem Angebot an Online-Unterricht, das wir bieten“, so der Schulleiter.

Die Goetheschule fährt das Konzept „Von Schreibtisch zu Schreibtisch“, was eine Unterrichtsabdeckung von nahezu 100 Prozent biete. Die Lehrer geben den Unterricht genau dann, wann der Stundenplan ihn vorsieht. Mit Hilfe des Schulportals und mit Teams werden 70 Prozent der Stunden online gehalten. „So geht kein Stoff verloren und wir konnten die während der Pandemie entstandenen Lücken aufarbeiten“, ist Hartung zufrieden. Covid-19 habe die Digitalisierung an der Schule enorm vorangetrieben.

Natürlich gebe es am Gymnasium auch schon mal Probleme, wenn das Schulportal mal nicht ganz stabil läuft. Nachteile habe der Distanzunterricht allerdings für eine Gruppe: Der schwache und ruhige Schüler fällt nicht sofort ins Auge und muss von den Lehrern direkt angesprochen werden. „Aber das sind die Schüler, die auch im Präsenzunterricht Schwierigkeiten haben“, weiß Hartung.

Bei all dem positiven Fazit, das die gefragten Schulleiter ziehen, sagen sie einvernehmlich: Die Organisation von Präsenz- und Distanzunterricht zeitgleich sei extrem kräftezehrend für alle Kollegen. (Von Nicole Jost)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare