Regina Barth geht an der Brüder-Grimm-Schule in den Ruhestand / Nachfolgerin ist Birgit Ingenfeld

Drei Jahrzehnte voller Umbrüche in Neu-Isenburg

Zahlreiche Weggefährten kamen gestern in die schicke neue Mensa der Brüder-Grimm-Schule zur Verabschiedung von Regina Barth. Von der Schülervertretung gab es Dankesworte und Blumen für die scheidende Schulleiterin.
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Zahlreiche Weggefährten kamen gestern in die schicke neue Mensa der Brüder-Grimm-Schule zur Verabschiedung von Regina Barth. Von der Schülervertretung gab es Dankesworte und Blumen für die scheidende Schulleiterin.

Mit dem Schuljahr endet an der Brüder-Grimm-Schule (BGS) in Neu-Isenburg eine Ära. Schulleiterin Regina Barth geht in den Ruhestand. Zur Verabschiedung in der neuen Mensa kamen gestern zahlreiche Gäste an die Haupt- und Realschule mit Förderstufe, darunter auch Weggefährten der ersten Stunde.

Neu-Isenburg - Es sind zwiespältige Gefühle, die die scheidende Schulleiterin umtreiben. „Auf der einen Seite ist es jetzt gut, ich freue mich auf die neue Lebensphase“, sagt die 65-Jährige. Aber die Arbeit in der Schule hat ihr auch viel bedeutet, das spürt man im Gespräch. „30 Jahre BGS, das war eine sehr intensive, auch sehr schöne Zeit, ich möchte da kein Jahr missen.“ Es habe auch viele Hürden und Herausforderungen gegeben, aber das Positive überwiege: „Ich nehme einen ganzen Sack voll positiver Erinnerungen mit.“

Begonnen hatte Barths Werdegang als Referendarin in Heppenheim an der Bergstraße. Danach prägte sie über Jahrzehnte die Entwicklung der BGS, an der sie Zeiten erlebte, die von fortlaufendem Wechsel geprägt waren. „Die Zeit war geprägt von der Tatsache, dass man sich immer wieder mit veränderten Umständen arrangieren musste“, blickt die 65-Jährige zurück. Das habe auch immer Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Kollegiums gehabt.

Als Barth 1991 nach dem Referendariat nach Neu-Isenburg kam, um als Lehrerin an der BGS anzufangen, war dies eine Haupt- und Realschule. 1992 kam dann die Umwandlung in eine Kooperative Gesamtschule, deren Haupt- und Gymnasialzweig Barth von 2001 bis 2006 als Rektorin leitete. Herausfordernde Jahre begannen ab 2006, als die Bildungseinrichtung an der Waldstraße dann erneut Haupt- und Realschule wurde. Das sei durchaus „ein tiefer Bruch“ gewesen, erinnert sich Barth. Die Gymnasiallehrer gingen, „das war schon ein Stimmungstief, aus dem wir uns dann mühsam wieder herausarbeiten mussten“. Von 2006 bis 2014 war sie stellvertretende Schulleiterin. „Die schwierigste Zeit folgte zwischen 2014 und 2016, da ich zwei Büros und zwei Jobs hatte, stellvertretende Schulleiterin und Schulleiterin“; seit 2016 war sie dann Schulleiterin.

Die Arbeit ging Regina Barth und ihrem Team nie aus. „Eine Schule ist ja nicht uneingeschränkt eine Wohlfühloase für alle“, sagt die erfahrene Pädagogin. Als Rektorin müsse man den Spagat hinbekommen zwischen Leitung der Schule, wo auch unangenehme und unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen, und dem Schaffen einer Atmosphäre, in der sowohl Schüler aber auch die Lehrkräfte gern hingehen. Weggefährten sagen, das sei Barth sehr gut gelungen.

Die Schulleiterin begleitete die Wiedereinführung der Förderstufe, 2004 die große Renovierung, den Umzug der kompletten Verwaltung, die Phase der Großbaustelle mit dem Bau der neuen Mensa, den Übergang von der Ganztagsschule im Profil eins zum Profil zwei. Und schließlich den Umgang mit der komplizierten Corona-Zeit.

Vor allem die Tatsache, dass sie vor fast genau einem Jahr die Eröffnung der neuen Mensa noch habe miterleben dürfen, „das erfüllt mich mit großer Freude und Stolz“, sagt Barth. Viele Jahre lang habe man an der BGS darauf gewartet; die Haupt- und Realschule musste bis dahin mit einer sehr in die Jahre gekommenen, kleinen Küche auskommen – was ganz und gar nicht mehr zu der Veränderung der wieder wachsenden Einrichtung hin zur Ganztagsschule im Profil zwei passte. Jetzt sind alle sehr glücklich mit dem Neubau auf dem Schulhof, der mit seinen hellgrünen Lamellen und dem Sichtbeton auch optisch richtig etwas her macht und dessen Innenleben auch viel Aufenthaltsqualität bietet. „Sehr stolz“ ist Barth auch auf die Arbeit des Fördervereins der Schule, der die Organisation der Mensa übernommen hat.

Apropos Aufenthaltsqualität: Geblieben ist bei der Schulleitung und wohl auch bei den derzeit 40 Lehrern und 434 Schülern nach wie vor der Wunsch, dass auch der vor allem von viel Beton geprägte Schulhof noch schöner wird. Dafür habe beim Mensa-Neubau leider das Geld gefehlt.

Nach einem prägenden Moment gefragt, lächelt Barth und geht weit zurück zu ihrem Einstieg an der BGS. Damals sei es nicht wie heute üblich gewesen, dass neue Lehrer dem Kollegium vorgestellt werden. Heute sei das schön geregelt, „aber damals war das nicht schön“. Nie werde sie vergessen, wie sie da in den ersten Tagen ganz alleine im Lehrerzimmer gesessen habe und keiner guckte. Ihr Fazit nach der ersten Woche: „Regina, hier wirst du nicht alt.“

Doch dann kam die zweite Woche, und da sei es passiert: Eine Lehrerin sprach sie an und holte sie zum Kennenlernen dazu. „Aus dieser netten Aufforderung ist eine bis heute andauernde, enge Freundschaft mit Barbara Raif geworden“, erzählt Barth. So durfte die inzwischen pensionierte Kollegin auch bei der Abschiedsfeier nicht fehlen.

Regina Barth kann ihren Ruhestand in dem sicheren Gefühl antreten, ein geordnetes Feld zu hinterlassen. Auch ihre Nachfolge ist geregelt. Ihre bisherige Stellvertreterin Birgit Ingenfeld übernimmt die Leitung. Die 61-Jährige kommt ursprünglich aus Duisburg, lebt aber seit Mitte der 1980er Jahre in Neu-Isenburg, ist seit 1994 an der BGS tätig und auch in der Vereinswelt aktiv. Sie spielt Tennis beim TCRW.

Sie übernimmt die Leitung einer wachsenden Schule, die sich immens weiterentwickelt und viel mehr bietet, als in der Öffentlichkeit manchmal wahrgenommen wird. Er hoffe, dass die Haupt- und Realschule mit dem Schulentwicklungsplan des Kreises Offenbach künftig auch wieder einen gymnasialen Zweig bekomme, hatte Bürgermeister Herbert Hunkel bereits im vergangenen Jahr bei der Mensa-Eröffnung gesagt.

Für die scheidende Schulleiterin steht jetzt noch das Räumen des Schreibtischs an, danach muss sich Regina Barth an einen neuen Tagesablauf gewöhnen, bei dem der Wecker nicht mehr am Montagmorgen um 3.40 Uhr klingelt. Dass die 65-Jährige, die künftig wieder ganz in Baden-Baden leben wird und sehr gerne liest, in ein Loch fällt, ist nicht zu befürchten. Ihr erster großer Plan als Neu-Rentnerin? „Eine Reise nach Wien, ich war als Geschichtslehrerin noch nie dort.“ Das soll sich nun im nächsten Frühjahr endlich ändern.

Von Barbara Hoven

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