Konsequenzen

SEK-Einsatz: Mann geht Polizei zufällig ins Netz - jetzt bekommt er die Konsequenzen

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SEK-Einsatz in Neu-Isenburg: Ein Mann geht der Polizei zufällig ins Netz - jetzt bekommt er die Konsequenzen für sein Handeln.

SEK-Einsatz in Neu-Isenburg: Ein Mann geht der Polizei zufällig ins Netz - jetzt bekommt er die Konsequenzen für sein Handeln.

Neu-Isenburg – Letztlich sprang der Isenburger der Polizei von selbst ins Netz. Am Mittwoch verurteilte das Schöffengericht in Offenbach den 37-Jährigen wegen Drogenbesitzes zu neun Monaten Gefängnis auf Bewährung und 800 Euro Geldzahlung. Der Verteidiger zog die Art der Beweissicherung in Zweifel.

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Eigentlich ging es am 12. Oktober 2017 in dem Neu-Isenburger Einfamilienhaus gar nicht um den Angeklagten, sondern um seine zwei Brüder. Morgens um 6.30 Uhr drang das SEK gewaltsam ein, um die beiden erst zu verhaften, damit die Kollegen im Anschluss das Haus durchsuchen können. Bei den beiden Brüdern ging es um Delikte wie Körperverletzung und Drogenhandel.

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SEK stürmt Haus in Neu-Isenburg: Angeklagter verhält sich aggressiv

Am zweiten Verhandlungstag erzählt der Polizist, der die Durchsuchung geleitet hatte, wie er den 37-Jährigen vorfand, „von den Kollegen gefesselt auf dem Boden liegend“. Der Angeklagte habe ihn zuerst für einen Vertreter der Judikative gehalten, „Herr Richter, helfen Sie mir“. Die Kollegen hätten ihn gefesselt, weil er sich partout nicht beruhigen lassen wollte. In zehn Jahren Drogenfahndung habe er noch nie so ein aggressives Benehmen wie in dem Haus erlebt, so der Zeuge.

Das erklärt der Angeklagte an anderer Stelle mit der besonderen Situation. Plötzlich hätte ein Haufen vermummter Männer die Türe mit dem Rammbock aufgebrochen, „zu viert haben die meine Mutter festgehalten“. In Folge des Erlebnisses kämpfe er noch heute mit massiven Schlafproblemen.

SEK-Einsatz in Neu-Isenburg: Frau fällt süßlicher Geruch auf  

Bevor es für den krakeelenden Mann damals in „Verbringungsgewahrsam“ ging, weil die Polizisten einen Platzverweis für sinnlos hielten, hatte der Angeklagte darauf hingewiesen, seine Jacke und Schuhe befänden sich in seiner Einliegerwohnung. Den Isenburger setzte die Polizei im Anschluss in Offenbach aus. Das Kalkül: Bis er zurückkehrt, ist die Durchsuchung beendet.

Als eine Beamtin seine Schuhe holte, fiel ihr süßlicher Geruch auf. Schließlich fanden sich in der Einliegerwohnung des Angeklagten neben einem knappen halben Gramm Kokain noch 49,6 Gramm Marihuana mit einem THC-Gehalt von 17,2 Prozent, was 8,53 Gramm an reinem Wirkstoff entspricht. Das liegt ein gutes Gramm über dem Punkt, an dem die „nicht geringe Menge“ beginnt.

Prozess in Neu-Isenburg: "Die Welt erlebte sicher schon schlimmere Verbrechen"

Staatsanwalt Thomas Glab hatte am ersten Tag in den Raum gestellt, bei einem Geständnis könnte er auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen plädieren. Bei einem entsprechendem Urteil behielte der Angeklagte sein weißes Vorstrafregister. Der Isenburger wollte sich jedoch zur Sache nicht einlassen. Am Ende plädiert Glab auf ein Jahr Gefängnis, zur Bewährung ausgesetzt: „Die Welt erlebte sicher schon schlimmere Verbrechen.“

Im dem Punkt geht Rechtsanwalt Joachim Sokolowski d’accord. Der Verteidiger bemängelt jedoch die Art der Beweiserhebung. So könne er nicht glauben, was der Polizist im Zeugenstand erklärt hatte, dass sich zur Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten kein Zeuge habe finden lassen, „100 Meter weiter liegt das Bürgeramt, da waren schon Leute da“.

Neu-Isenburg: Minderschwerer Fall von Drogenbesitz

Über die angeblich mündlich eingeholte richterliche Genehmigung fände sich ebenso wenig ein Aktenvermerk, wie Fotos von der Durchsuchung. Die Cliptütchen seien nicht auf Fingerabdrücke untersucht worden. Durchaus könnte es sein, dass die Drogen aus dem Besitz der Brüder stammten, „die tatsächlich Dreck am Stecken haben“. Wegen Zweifeln an der Schuld seines Mandanten fordert Sokolowski Freispruch, „Entlastendes hatte die Polizei nicht gesucht“.

Richter Manfred Beck sieht jedoch einen minderschweren Fall von Drogenbesitz, weshalb das Schöffengericht neun Monate Haft auf Bewährung und 800 Euro Geldzahlung an das Suchthilfezentrum Wildhof verhängt.

Prozess in Neu-Isenburg: Fehler bei den Ermittlungen

Bei der Ermittlung seien tatsächlich Fehler passiert. Durchaus wäre es möglich gewesen, einen Zeugen für die Durchsuchung zu finden. Allerdings habe der Fokus der Polizei auf den Brüdern gelegen, nicht auf dem Angeklagten, „das war ein Zufallsfund“.

Beim Neu-Isenburger Angeklagten vermutet Richter Beck, „dass Sie schon lange Drogen konsumieren, so wie sie sich hier dargestellt haben“.

Indes hat sich in Langen im Kreis Offenbach ein SEK-Einsatz ereignet im Zusammenhang mit dem Lkw-Angriff in Limburg. Es besteht Terrorverdacht. Bei einem weiteren SEK-Einsatz in Offenbach nahmen Spezialkräfte der Polizei einen Mann mit Waffe fest.

VON STEFAN MANGOLD

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