Drogenprozess gegen 29-jährigen Isenburger

Gemeinschaftliche Kurierfahrt mit 190 Gramm Haschisch

Neu-Isenburg - Das Schöffengericht in Offenbach verurteilte gestern einen 29-Jährigen wegen Drogenbesitzes. Bei einer Polizeikontrolle hatte er 190 Gramm Haschisch dabei. Das Urteil geht dem Mann per Post zu – denn der Angeklagte erschien nicht zum Prozess. Von Stefan Mangold

Rechtsanwalt Wolfgang Schumann berichtet, sein Mandant habe ihn morgens noch angerufen, um den Verhandlungssaal zu erfragen. Dann überlegte es sich der 29-jährige Angeklagte wohl anders: Er tauchte zum zweiten Prozesstermin nicht auf. Eine Option, die dem Zeugen nicht offen steht: Die Polizei bringt den 28-Jährigen in Handschellen aus dem Gefängnis ins Gericht. Der Mann erzählt dem Vorsitzenden Richter Manfred Beck, zur Tatzeit im April 2016 Mitglied einer Rockergruppe gewesen zu sein, die bei den Behörden im Ruf steht, häufig gegen Normen des Strafgesetzbuchs zu verstoßen. Mittlerweile gehöre er der Gruppe nicht mehr an.

Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte gesagt, dass er bei der damaligen Polizeikontrolle in Neu-Isenburg die beiden Haschischplatten – mit außergewöhnlich hohem THC-Gehalt von 26 Prozent – fälschlicherweise auf die eigene Kappe genommen habe. Sein Rockerkumpel hätte ihn bedrohlich um den Gefallen gebeten, weil er auf Bewährung sei. Auch ein anderer Zeuge, der mit im Auto saß – sein Prozess folgt noch – erklärte beim ersten Termin, von dem Rocker bedroht worden zu sein. Zudem sei das Haschisch für den eigenen Konsum bestimmt gewesen.

Der nun als Zeuge befragte Mann, der am Hals und im Gesicht tätowiert ist, erklärt, er habe am besagten Tag mittags zwei Weisheitszähne gezogen bekommen und eigentlich keine Lust gehabt, die Wohnung zu verlassen. Doch der Angeklagte habe ihm am Telefon gefragt, ob er sich mit ihm und einem weiteren Kumpel in Frankfurt treffen wolle. Er habe einen Bekannten gebeten, ihn zum Hauptbahnhof zu fahren, erzählt der Zeuge. Dort habe das Quartett bei McDonalds gesessen, auch wenn er nichts habe essen können.

Ein Schöffe will den Plausch bei Cola, Buletten und Neonlicht nicht vorbehaltlos glauben und fragt, ob das die Intention für den Ausflug gewesen sei. Der Zeuge bejaht und führt aus, weil die Bekannten aus der Dillenburger Gegend den letzten Zug verpasst hätten, habe man angeboten, sie nach Hause zu bringen. Vorher stand ein Umweg über Dietzenbach auf dem Plan, wo er in seiner Wohnung Schmerzmittel wegen der Zähne holen wollte. Auf dem Weg sei man in Isenburg in die Polizeikontrolle geraten.

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Ein Polizist berichtet, der Zeuge habe auf dem Beifahrersitz gesessen und die Haschischplatten hätten unter dem Fahrersitz und in einer Tasche am Beifahrersitz gesteckt, problemlos nur von der Rückbank zu greifen. Die Polizei hat bei der Routinekontrolle Verdacht geschöpft, als der Fahrer erklärte, man fahre von der Zahnklinik in Frankfurt nach Gießen – „Neu-Isenburg liegt nicht auf dem Weg“. Der Staatsanwalt hält die Version des Angeklagten, er habe die Drogen aus Angst auf sich genommen für „lebensfremd“. Wahrscheinlicher sei es, dass eine Platte für ihn zum Verkauf bestimmt gewesen sei, die andere für den Kumpel, der auf seinen Prozess wartet.

Der Staatsanwalt fordert für den bisher nur wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilten Angeklagten 18 Monate Haft auf Bewährung plus Zahlung von 1500 Euro. Dessen Rechtsanwalt Wolfgang Schumann erklärt: „Wir haben gesehen, man kann vor dem Zeugen durchaus Angst haben“. Er fordert einen Freispruch, „nach dem Grundsatz ‚Im Zweifel für den Angeklagten’“. Richter Manfred Beck und die Schöffen folgen dem Staatsanwalt, verhängen jedoch 150 Arbeitsstunden statt einer Geldauflage. Richter Beck erklärt: „Die Drogen waren im Gemeinschaftsbesitz aller im Auto.“ Er glaubt, das Rauschgift sollte nicht selbst konsumiert werden: „Die wollten gerade ausliefern.“

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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