„Eigenart“-Messe

Was nicht jeder hat

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Stressfreies Schlendern und Stöbern ist am Samstagnachmittag in der Huha angesagt: Aus 71 Ständen besteht die Premiere der „Eigenart“, das Angebot ist bonbonbunt.

Neu-Isenburg - Jungen Kreativen und Nachwuchs-Labels gibt die Premiere der „Eigenart“-Messe ein Forum. Die Besucher nutzen die Chance auf Unverwechselbares gerne. Von Barbara Hoven

Dass Vinyl mindestens in Sammler-Kreisen wieder wie warme Semmeln läuft, ist nicht neu. Dass die gute alte Schallplatte auch modisches Accessoire sein will, überrascht dann aber doch. Ein bisschen wenigstens.Am Stand von Svenja Borantino und Kim Schüssler und ihrem jungen Designlabel moski. to findet die konsequent Vinyl-Bag getaufte Retro-Tasche Bewunderer. Sie ist zwangsläufig rund und sicher nicht für jeden Anlass praktisch, aber jeder Verwechselbarkeit unverdächtig. Und darum geht’s bei der „Eigenart“-Messe in der Hugenottenhalle ja nun.

Jedes Modell ist Handarbeit, „durch ein spezielles System kann jeder seine Lieblingsplatte als Front verwenden“, sagt die 28-jährige Egelsbacherin Svenja, die mit ihren Mitstreitern HipHop-Mode und „Mädchenkram mit eigener Handschrift“ entwirft.

Die „Vinyl-Bag“ ist der Renner: Taschen, deren Seiten aus Schallplatten bestehen, präsentiert Svenja Borantino, Mitgründerin des Egelsbacher Labels „moski.to“. Ein paar Stände weiter ist Mops Toni Publikumsliebling – live und als T-Shirt-Motiv.

71 Aussteller von Nachwuchsdesignern bis zur Manufaktur für Hundezubehör nutzten am Wochenende die Messe, um sich und ihre Arbeit zu zeigen. Es war die Premiere für ein Event, das die Halle zwei Tage lang in ein bonbonbuntes Schaufenster verwandelte für Sehenswertes, das kreative Köpfe aus dem ganzen Land zu bieten haben. Die Idee zur Messe hatte Nova Günther. Gut ein Jahr Vorarbeit haben die 30-Jährige und ihre Kollegen von Michael Kerchers Veranstaltungsagentur Rent-a-Band investiert.

Wobei Kreativität ein schwieriges Feld ist. Der Begriff selbst ist längst ziemlich abgegrast; echte Aha-Effekte sind selten. Da hilft dann die Kunst der Kombination weiter. Taschen gibt es schon, Schallplatten gab es zwischendurch mal fast nicht mehr. Taschen, deren Seiten Schallplatten sind, gab es bisher nicht. Und falls doch, findet man sie nicht. Weil der Massenmarkt nunmal den Massengeschmack bedient, was nebenan im am Samstagnachmittag viel volleren Isenburg-Zentrum gut zu beobachten ist. Das führt gerade im direkten Vergleich zum Eigenart-Reiz: Dort ist die Chance größer, etwas zu finden, das nicht jeder hat.

Ein paar Stände weiter bei „Snüzzn“ das nächste Beispiel: Natürlich sind Klamotten mit Totenkopf-Druck längst etabliert. Aber der Totenkopf als Süßkram-Kollage, damit ziehen Kamil Kowaczek und Hartmut Kummer die Blicke auf ihren Stand. Gemeinsam haben die jungen Männer vor ein paar Monaten ihr Label gegründet, um „Mode zum Anbeißen“ zu machen. Daher auch der Name: Das Wort Snüzzn (sprich: Schnützen) stammt aus dem westlichen Rheinland und heißt so viel wie Naschen. Stylisch sollen ihre Shirts sein, „aber nicht auf Kosten anderer“, betonen Kowaczek und Kummer, die aus Aachen und Köln angereist sind. Ihr erster Messeauftritt überhaupt. Produkte ohne Nachteile sollen es sein, die sie anbieten: originell, umwelt- und sozialverträglich in der Herstellung und trotzdem nicht zu teuer. Vertrieben werden sie erstmal per Internetladen. Wie fast alles, was am Wochenende in der Huha zu sehen ist. Eigene Läden sind teuer.

Auch Isenburger sind unter den Ausstellern zu finden. Wie Matthias Just. Als Macher der Marke „Kettenkunst“ überführt der 27-Jährige Techniken der Rüstungsschmiede des Mittelalters, um dann tatsächlich irgendwie fesselnden Design-Schmuck zu schaffen. Wie ein gelernter Versicherungskaufmann auf sowas kommt? Mittelalter-Events seien sein Hobby, erzählt Just, und nachdem er mal ein Kettenhemd selbst gemacht habe, sei es bis zum Schmuck nicht mehr weit gewesen. Halsketten, Ohrringe, „alles Handarbeit, ich habe jeden einzelnen Ring in die Hand genommen“, sagt der Gravenbrucher. Dutzende Zangen seien sein Werkzeug. Was er damit macht, kommt an: Bis nach Moskau hat Just schon Schmuck geliefert, viele Bestellungen kommen aus Österreich und der Schweiz.

Bilder der „Eigenart“-Messe

„Eigenart“-Messe in Neu-Isenburg

Ein paar Stände weiter leckt Toni der Kundschaft das Gesicht. Während sein Herrchen Carmelo Barbagallo mit Besuchern plaudert, liegt der Mops entspannt im Hundebett zwischen Shirts mit seinem Konterfei. Nur wenn die Mops-Dame vom Areal gegenüber, wo eine Manufaktur Hunde-Kuschelkörbe zeigt, vorbeischaut, ist hin und wieder eine Runde Spielen angesagt. Carmelo, 31 und Betriebswirt, hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt, bietet auf thepugfather.com Kleidung, Accessoires und bald sein erstes Kochbuch mit Rezepten für den Hund an. Per Blog und mit Aktionen will er sich auch für den Tierschutz einsetzen.

Wer weiter schlendert, entdeckt Geldbörsen, die aus alten Comics gefertigt werden, und Gürtel, die mal Reifen waren. Geschenke für den Nachwuchs gibt’s bei „GiffiDesign“, wo Kleinmöbel, Deko und Kuscheltiere wie der Pilz Giffi oder Schlange Snaki um die Wette glitzern. Das Angebot ist breit. Entsprechend positiv fällt das Fazit der Macher aus: „Es ist ein voller Erfolg und wir haben die Marke von 1 500 Besuchern geknackt“, sagt Kercher. Die Chancen für eine Neuauflage stehen also gut.

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