Die eigene Großmutter bedroht und geschlagen

Neu-Isenburg - Ein 23-jähriger Neu-Isenburger, der seine eigene Oma mit einem Messer bedroht und mit einem Krückstock geschlagen hatte, ist jetzt vom Schöffengericht verurteilt worden. Von Katrin Diel

Ein 23-jähriger Neu-Isenburger hat sich in Offenbach vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck verantworten müssen. Ihm wurde vorgeworfen, im Juli 2006 seine damals 69-jährige Großmutter mit einem Küchenmesser bedroht zu haben, um von ihr 150 Euro zu bekommen.

Weiterhin legte die Staatsanwaltschaft ihm zur Last, im August desselben Jahres seine Großmutter mit einem Krückstock geschlagen zu haben, um wieder an Geld zu kommen. Wenige Tage später soll er ihr im Streit auf den Kopf geschlagen zu haben. Nach dem letzten Vorfall hatte die Großmutter sich zu einer Nachbarin geflüchtet, die die Polizei alarmierte.

Der junge Mann bekannte sich vor Richter Beck schuldig. Vor Gericht wurden die Lebensumstände des 23-Jährigen deutlich, die letztlich zu den Taten geführt hatten. Es stellte sich heraus, dass der Angeklagte aus einem bürgerlichen Elternhaus stammte, jedoch wegen schwerer Erziehungsmängel der Eltern als Jugendlicher in einem Heim untergebracht wurde.

Als er volljährig geworden war, nahm ihn seine Großmutter aus Mitleid auf, weil er keine Bleibe hatte. Der Mann verfiel jedoch der Trunksucht und benötigte ständig Geld, um sich Alkohol kaufen zu können. Die großmütige Großmutter gab ihm immer wieder nach und verschuldete sich schließlich mit 15 000 Euro bei einer Bank, um dem Enkel Geld geben zu können. Als alles aufgebraucht war, kam es zu den Vorfällen im Juli und August 2006.

Der junge Mann nahm die vorübergehende Verhaftung durch die Polizei zum Anlass, sich einer Therapie für Alkoholiker zu unterziehen. Inzwischen lebt er abstinent und bemüht sich um Arbeit. Er lebt in Frankfurt in einem betreuten Wohnprojekt. In der Verhandlung bat er seine Großmutter inständig um Verzeihung. Diese sagte, sie könne das Geschehene zwar verzeihen, aber nicht vergessen. Das Gericht verhängte gegen den Angeklagten eine zweijährige Freiheitsstrafe. Es setzte diese zur Bewährung aus und erlegt ihm 400 Stunden gemeinnützige Arbeit auf, die er unentgeltlich ableisten muss.

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