Eine besondere Nähe

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Groß war das Interesse bei der Vernissage zu „Menschenbilder“, der Ausstellung des Arztes Dr. Frank Freytag, die das Forum zur Förderung von Kunst und Kultur im Rahmen der Reihe „Kunst an ungewöhnlichen Orten“ präsentierte.

Neu-Isenburg - Ein Mädchen mit dunkelbrauner Haut, schwarzen Haren und tiefbraunen Augen in einem gelben Oberteil mit hellblauen Spaghettiträgern steht vor einer himmelblauen Wand und blickt skeptisch in die Kamera. Von Enrico Sauda

Ein ebenfalls dunkelhäutiger Junge mit einer Kopfbedeckung und großen Augen schaut von einer schwarz-weiß-Aufnahme aufgeweckt ins Objektiv, und zwei Heranwachsende, die Münder weit aufgerissen - sie scheinen zu jubeln - bemerken den Fotoapparat erst gar nicht.

Zur Eröffnung kamen zahlreiche Interessierte

Der Arzt Dr. Frank Freytag stellt diese und etliche weitere Fotos unter dem Titel „Menschenbilder“ im Facharztzentrum an der Robert-Koch-Straße 7 aus. Sie ist Bestandteil der Reihe „Kunst an ungewöhnlichen Orten“ des Isenburger Forums zur Förderung von Kunst und Kultur (FFK). Zur Eröffnung am Samstag kamen zahlreiche Interessierte.

Entstanden sind die Fotos in der Nähe der brasilianischen Stadt Natal. Dort hat Freytag das Projekt „Capodanca“ ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Aktion, mit der er Kinder und Jugendliche in dieser Gegend ganzheitlich fördern möchte - Gesundheit spielt eine Rolle, aber auch Kunst und Kultur will er vermitteln.

Die Anfänge liegen im Jahr 2005

Angefangen hat das alles 2005, als wir unseren Erstgeborenen Amado meiner Schwiegermutter vorstellen wollten“, erinnert sich Freytag, dessen Frau Vali aus der Nähe von Natal im Nordosten Brasiliens stammt. „Weil sich rumgesprochen hatte, dass ich Lungenarzt bin, fragte man mich, ob ich in einer Schule nach einem Jungen mit Asthma schauen könnte.

Dr. Frank Freytag mit seiner Frau Vali (rechts) und der Langener Grafikerin Sabine Wulffert vor einem Foto, das der Arzt in Brasilien gemacht hat. Fotos (2): Sauda

Dabei blieb es natürlich nicht. „Erst schaute ich nach dem Schüler, dann nach der Klasse, schließlich untersuchte ich die ganze Schule“, schmunzelt Freytag. Auf diese Weise kam die Idee auf, „Capodanca“, eine Mischung aus Capoiera und Tanzen, zu gründen. Das Projekt läuft gut. „Zurzeit betreuen wir rund 180 Mädchen und Jungen und es sollen mehr werden.

Viele Fotos bei Reisen nach Brasilien

Drei- bis viermal im Jahr reist Freytag nach Brasilien. Bei diesen Reisen entstanden auch die Bilder, die anfangs dazu gedacht waren, die Lebensumstände der Menschen zu dokumentieren. „Nach und nach ist aber eine besondere Nähe zu den Menschen dort zustande gekommen, die es mir erlaubt, die Leute ohne voyeuristischen Blick, ganz aus der Nähe und ohne Scheu zu fotografieren“, schildert Freytag.

Zurzeit arbeitet der Lungenarzt mit der Langener Grafikerin Sabine Wulffert an einem Bildband. Zudem will er das Projekt erweitern und plant, eine Stiftung ins Leben zu rufen. Freytag: „Mein Ziel ist es, dass sich das Konzept selbst tragen soll und später vielleicht auch mal in anderen Städten und Ländern entsteht.“ Die Ausstellung ist bis noch Ende Januar im Facharztzentrum zu sehen.

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