Viel mehr als nur ein Laden

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Jörg Böhm bereitet sein Zeppelinheimer Lädchen auf die Eröffnung vor.

Zeppelinheim - „Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus und mit dem Herzen“, sagt Jörg Böhm. Doch so ganz ohne Kopf hat er natürlich nicht beschlossen, das Ladengeschäft am Hirschsprung 4 zu übernehmen. Von Enrico Sauda

„Wenn ich in einem Jahr keine schwarzen Zahlen schreibe, mache ich wieder dicht“, sagt Böhm, dem der kleine Ort sehr am Herzen liegt. Schließlich ist er in dritter Generation Zeppelinheimer.

Doch erst mal können die Einwohner des Stadtteils aufatmen. Nach einem langen Gerangel zwischen dem Vermieterehepaar Hladin und den früheren Pächtern Torsten Janssen und Björn Hennig (unsere Zeitung berichtete) schloss das Geschäft Anfang Dezember seine Pforten. Janssen und Hennig hatten es seit Anfang 2010 geführt. Am Samstag, 14. Januar, eröffnet Böhm das „Zeppelinheimer Lädchen“ neu.

Neueröffnung am Samstag

„Wissen Sie, ich bin einfach Zeppelinheimer“, erklärt Böhm, der unter anderem für die Grünen im Ortsbeirat sitzt und sich im Zeppelinmuseum engagiert, seine nicht ganz rational getroffene Entscheidung. „Es gibt so viele ältere Menschen hier, die sonst wegen jeder Kleinigkeit entweder nach Walldorf oder in die Kernstadt fahren müssen.“ Das wolle er ihnen nicht zumuten. Außerdem fehle etwas, wenn es den Laden an diesem zentralen Platz gegenüber der evangelischen Kirche nicht mehr gebe. „Der Ort ist dann doch tot, schließlich ist das ja auch ein Treffpunkt.“

Bereits im Oktober führte der gelernte Hotelfachmann, der in den 80er Jahren an der Frankfurter Berger Straße in der Nähe des Uhrtürmchens ein Café hatte, Gespräche mit dem Ehepaar Hladin. „Als ich erste Stimmen hörte, dass die damaligen Pächter gehen sollten, war für mich klar, dass ich den Laden übernehmen wollte. Sonst gibt es hier wirklich nichts mehr.“ Böhm, der bislang als stellvertretender Hausmeister im benachbarten Zeppelinheimer Bürgerhaus arbeitete, kennt das Geschäft gut, denn er verteilte dort täglich die Post in die Fächer. Außerdem baut er auf seine Erfahrungen als Gastronom in der Mainmetropole.

„Wenn nicht Böhm, wer dann?“

Auch die Vermieter sind mit dem neuen Pächter zufrieden. „Böhm kennt den Laden schon ewig, wenn er es nicht packt, frage ich mich, wer dann“, sagt Alois Hladin.

Böhm hat gut 20.000 Euro in die Hand genommen und das Interieur aufgepäppelt. Während Hladin den Laden renovierte und in Schuss brachte, investierte der 49-Jährige die Summe in eine neue Einrichtung und in die Theke. Und ein neues Konzept gibt es auch, denn dort, wo vor Kurzem noch die Friseurstühle seiner Vorgänger standen, sollen demnächst Gäste an Stehtischen ihr Frühstück oder Mittagessen verzehren. Zudem will er Frischware anbieten und das ganze Jahr durchgängig einen Stand mit Obst- und Gemüse aufbauen. Geplant ist auch, dass die Besucher am Hirschsprung 4 bald wieder Lotto spielen können.

Trotz des finanziellen Wagnisses gibt sich Böhm, der auch zwei Aushilfen beschäftigen möchte, gelassen: „Meine Familie steht voll und ganz hinter mir.“

Das Zeppelinheimer Lädchen ist montags bis freitags von 7.30 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr und samstags von 7.30 bis 14 Uhr geöffnet.

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