Ekelhaft seriös sind sie trotzdem nicht

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Vier Fünftel der Punkband „Unbägabt“ (von links): Flo, Robert, Lenzing und Hosch.

Neu-Isenburg - Lenzing knöpft sein Hemd auf und zieht es auseinander. „Wir sind doch die schärfste Band beim Open Doors“, sagt der Sänger von „Unbägabt“. Von Enrico Sauda

Das 19. Open-Doors-Musikspektakel findet vom Freitag, 3. Juni, bis Sonntag, 5. Juni, statt. 50 Bands spielen auf 15 Bühnen im Stadtgebiet.

Vier Fünftel der Kult-Band, die sich eigentlich vor gut drei Jahren mit einem furiosen Abschiedskonzert auf dem Hof der Brüder-Grimm-Schule vom Musikgeschäft verabschiedet hat, stehen vor der TV-Halle an der Bahnhofstraße. Nicht ohne Grund, denn genau hier werden „Unbägabt“ am Freitag, 3. Juni, zur Geisterstunde die Dr. -Bodo-Sponholz-Bühne zum Beben bringen. Sie sind die Hauptgruppe beim „Newcomer Bandcontest“ an diesem Abend.
„Wir werden unsere Gage spenden“, verkünden sie. Und zwar kommt das Geld dem Isla-Festival des Jugendcafés zugute. „Damit es den Machern gelingt, eine Hauptgruppe zu engagieren, die genug Leute anlockt“, argumentiert Bassist Hosch. Doch damit nicht genug. „Nach dem Konzert wollen wir mit dem Hut rumgehen und auch das spenden, was dabei zusammenkommt“, fügt Gitarrist Robert hinzu.

Im Programmheft des Open-Doors-Festivals wird das Quintett als „ekelhaft seriös“ bezeichnet. Doch das stimmt nicht. Denn ekelhaft sind die Jungs bei weitem nicht und seriös – na ja, wenn sie so an einem Biertisch im Hof der Musikkneipe „Treffpunkt“ beieinandersitzen, trifft dieses Attribut auch nicht richtig zu. Aber sie sind erwachsen geworden – zumindest im Leben. Ob sich das auch auf ihre Musik und die Show übertragen hat, zeigt sich dann Freitag nächster Woche.

Doch zurück in die Vergangenheit. Ins Jahr 2008, als die Band vor gut 700 Fans laut „Servus“ gesagt hat. „Damals hat sich für viele von uns viel getan“, erinnert sich Schlagzeuger Flo. Einige von ihnen wurden Familienväter, andere konzentrierten sich auf ihr Studium, wieder andere zog es zum Arbeiten in die Schweiz. „Da blieb einfach keine Zeit mehr für die Band“, sagt Hosch.

Comeback für ein einziges Konzert

Schließlich waren die „Unbägabt“-Shows zu einem Markenzeichen avanciert, die Punkrockgruppe war gefragt, spielte in wenigen Jahren etliche Hundert Auftritte. „Manchmal drei am Tag.“ Sie hätten sich immer gefragt, „was die Leute im Publikum begeistert hat“. Bis sie darauf kamen, dass es ihre Art war, wie sie sich auf der Bühne gaben, die die Zuhörer ausrasten ließ – ihre Kostüme und ihre Sprüche. „Wir nehmen uns eben selbst nicht so richtig ernst. Und wir sind wahrscheinlich ein bisschen so etwas wie eine Naturkatastrophe.“ Sie machen sich auf der Bühne zwar zum Affen, „aber wir nehmen das Publikum mit, beziehen es mit ein, und spielen nicht nur unsere Songs runter“.

Am 3. Juni soll noch einmal, ein letztes, wirklich letztes Mal, dieser Funke überspringen. Schon gut 200 Fans hätten sich angesagt.

Warum sie sich im Januar, als die Open-Doors-Macher bei ihnen anriefen, zu einem Konzert überreden ließen, ist klar – weil sie damit das Isla unterstützen. Eine Veranstaltung, bei der sie selbst schon aufgetreten sind. „In diesem Fall haben wir nicht lange überlegt.“ Doch dass es noch ein Konzert geben wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Nachdem sich die Band 2008 zurückgezogen hatte, merkten die Musiker, „dass es auch mal schön war, am Wochenende etwas anderes zu machen“.

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