Abenteuer, Anekdoten, Enttäuschung, Tücken und Absturz

Acht Monate im afrikanischen Busch

Abenteuer, Anekdoten, Enttäuschung, Tücken und Absturz: Für Elizabeth Kott diente das Schreiben ihrer packenden Autobiografie auch der Vergangenheitsbewältigung. Erinnerungsstücke helfen ihr, das Erlebte zu verarbeiten: Elizabeth Kott mit ihrem Buch vor dem Ochsenwagen.
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Abenteuer, Anekdoten, Enttäuschung, Tücken und Absturz: Für Elizabeth Kott diente das Schreiben ihrer packenden Autobiografie auch der Vergangenheitsbewältigung. Erinnerungsstücke helfen ihr, das Erlebte zu verarbeiten: Elizabeth Kott mit ihrem Buch vor dem Ochsenwagen.

Neu-Isenburg - Wenn Elizabeth Kott aus dem Buch über ihr Leben im afrikanischen Busch vorliest, dann klingt dies wie ein spannender Roman über eine aufregende Zeit. Von Leo F. Postl

Aber es ist keine Geschichte, keine Fiktion, die am Schreibtisch erdacht wurde – sondern ein wahrer Teil ihres Lebens. „Es klingt alles recht abenteuerlich, aber es war genau so – sogar noch spannender, wenn man es selbst erlebt hat“, betont die heute in Gravenbruch lebende Kott. Angefangen hatte alles mit der großen Liebe, die sie während eines Urlaubs in Kroatien kennenlernte; und es endete in einer schicksalhaften persönlichen Katastrophe. „Ich brauche das Buch nicht, um eine bestimmte Begebenheit vorzutragen, ich weiß genau, wo es steht – zudem ist alles noch so lebendig in mir eingebrannt, dass ich es nie vergessen werde“, beschreibt Kott ihre schönste und zugleich schwerste Zeit.

Die Autobiografie „Acht Monate unseres Lebens im afrikanischen Busch“ ist erschienen im Verlag tredition (ISBN 9783849549510). Für Sonntag, 13. April, lädt Elizabeth Kott ins Bürgerhaus Zeppelinheim ein. Dort stellt die in Südafrika aufgewachsene Autorin um 18 Uhr ihr Buch vor. Tickets gibt’s an den bekannten Vorverkaufsstellen.

„Mein deutscher Mann Klaus war Mineraloge, ein stiller Intellektueller mit vielen Büchern und einer starken Verbundenheit und Liebe für sein Land“, schildert sie. „Das Leben hatte uns nach Umwegen nach Clausthal-Zellerfeld im Harz verschlagen, wo er seine Doktorarbeit angefangen hatte, und ich als Sekretärin im Institut für Physikalische Chemie arbeitete.“ Es sei ihnen damals gut gegangen, erinnert sich die Gravenbrucherin. „Dann schrieb ein Onkel von mir uns, dass es eine vakante Stelle als Mineraloge in Pretoria gab, mit der Möglichkeit, eine Doktorarbeit zu schreiben, und mein Mann sollte sich bewerben. Ich schrie sofort Hurra“, erzählt Kott ohne Unterbrechung – so, als wolle sie alles noch einmal schnell als Film vorbeiziehen lassen.

Das junge, lebensfrohe Paar packte die Koffer und ab ging es nach Südafrika, direkt mitten in den Busch. Für Elizabeth war es der Weg zurück in ihre geliebte Heimat, für ihren Mann sollte es der Weg in eine große berufliche Zukunft sein. Denn Elizabeth Kott wuchs in den 50er Jahren als echtes Burenmädchen in Südafrika auf, wo sie eine glückliche Kindheit erlebte. Ihre Muttersprache ist Afrikaans. Als Mädchen zog sie mit ihren Eltern aus der malerischen Umgebung von Stellenbosch in eine neue Welt im südlichen Schweden. Ihr Vater war Zahnarzt und suchte eine neue Herausforderung, da er durch die Apartheidpolitik das Leben auf der Farm für seine Familie in Gefahr sah. Über viele Umwege kam Kott nach Holland, dann nach Belgien – um im Erwachsenenalter wieder nach Südafrika zu gehen.

„Die haben uns da zu einer Mine geschickt, die mitten im Busch lag“, erzählt sie. Ohne jegliche Ahnung, was „Lowfeld“ bedeutet, hatten sie einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben, dessen Kleingedrucktes sie erst auf dem Flug nach Johannesburg studierten. Ihr Mann sollte ein Gebiet von rund 100.000 Quadratkilometern kartieren – im Lowfeld, der heißesten Gegend Südafrikas. Ohne Kenntnis, wie man mit giftigen Schlangen, gefährlichen Walzspinnen und vielen anderen Tieren umgeht, stand das Paar nicht nur vor einer beruflichen Herausforderung. Und dann gab es ja noch die großen Tiere, von Elefanten über Hyänen bis zu den Löwen. „Man riet uns dringend, uns eine Waffe zuzulegen“, erinnert sich Kott. Und auch daran, dass bald der Waran „Freddie“ und die riesige Kröte „Rosalinde“ zu Haustieren wurden. Nur zu den zähnefletschenden Pavianen und den uneinschätzbaren Schlangen habe immer ein respektvolles Verhältnis bestanden. Die größte Gefahr ging jedoch von der Mangofliege aus, deren Larven sich unter die Haut verkriechen und fürchterliche Beulen und Schmerzen verursachen. Ein Caravan-Camp am Olifant-Fluss wurde das Zuhause des Paares. Bewaffnet mit Kompass, Geologenhammer, Kamera und einer Pistole brach Elizabeth mit ihrem Mann zu den täglichen Erkundungsfahrten in den Busch auf – bei 48 Grad Hitze alles andere als eine Safari-Fahrt. „Je heißer es wurde, desto lauter wurde auch der Höllenlärm der Zikaden“, erinnert sich Kott. Doch es gab auch andere unvergessliche Erlebnisse, wie heiße Partys im Pool.

Mit dem vermeintlichen Aufstieg in eine bessere Zukunft – der Geologe hatte ein Angebot aus der Privatwirtschaft erhalten – folgte ein plötzlicher Absturz. Der Umzug ins neue Haus in Phalaborwa war der pure Luxus, was dann folgte, der pure Terror. „Der Chef meines Mannes versuchte, mich – während Klaus im Labor war – zu bedrängen, und ich wies ihn ab“, schildert Kott den Anfang vom schlimmen Ende. Die Rache des Arbeitgebers sei postwendend gekommen: Ihr Mann wurde terrorisiert – und dieser ertränkte seinen Kummer mit Rotwein. „Ich musste zusehen, wie der Mensch, den ich am meisten liebte, zum Wrack wurde“, kämpft Elizabeth Kott heute noch mit den Tränen.

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Es folgte die nicht minder abenteuerliche Ausreise aus Südafrika – doch diese lässt sich am besten im Buch nachlesen, das Elizabeth Kott geschrieben hat. „Acht Monate unseres Lebens im afrikanischen Busch“ heißt es. Die Autorin lebt inzwischen, nach dem Tod ihres Mannes Klaus, mit einem neuen Partner in Gravenbruch. Sie hat ein paar bedeutsame Erinnerungsstücke aus Afrika retten können, etwa einen Ochsenwagen. „Die wenigen Erinnerungen geben mir den nötigen Halt, alles, was ich erlebt habe und was mir widerfahren ist, zu verarbeiten“, sagt die unfreiwillige Abenteurerin.

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